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Zertifikate: „Der Anleger braucht Orientierung“

Der Markt schrumpft, trotzdem bringen die Zertifikatehäuser immer neue Papiere auf den Markt. Hartmut Knüppel vom Derivateverband nennt den Königsweg aus der Emissionsflut und erklärt, wie viele Papiere Anleger brauchen.

Hartmut Knüppel ist Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Derivate Verbandes (DDV).
Hartmut Knüppel ist Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Derivate Verbandes (DDV).

Herr Knüppel, der Zertifikatemarkt stagniert, das investierte Vermögen ist sogar auf das Niveau vom Sommer 2009 geschrumpft. Warum kommen Ihre Produkte bei Anlegern nicht an?

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Das Volumen des deutschen Zertfikatemarkts liegt derzeit bei gut 100 Milliarden Euro. Nach wie vor ein beachtlicher Wert für eine Assetklasse, die gerade mal 20 Jahre alt ist. Angesichts der Marktturbulenzen und unsicheren Marktaussichten halten sich die Anleger derzeit etwas zurück. Das gilt aber genauso auch für andere Anlagen wie Aktien und Fonds.

 

Woher soll neues Wachstum kommen? Welche Story haben Emittenten noch zu verkaufen?

Jetzt ist erst einmal Konsolidierung angesagt. Sobald sich die Finanzmärkte nachhaltig beruhigen und die Wachstumsaussichten besser werden, wird auch der Zertifikatemarkt wieder zulegen. Die Emittenten brauchen keine neuen Storys. Die große Produktpalette deckt nahezu alle Anlagethemen ab.

 

Gibt es Produkterweiterungen oder –verbesserungen, wenn Anleger bestehende Produkte nicht kaufen wollen?

Es gibt einen klaren Trend zu einfachen Produkten, die der Anleger leicht versteht und deren Wertentwicklung er anhand des jeweiligen Basiswerts sehr gut nachvollziehen kann. Gleichzeitig dominiert der Faktor Sicherheit. 68 Prozent aller Produkte weisen inzwischen einen vollständigen Kapitalschutz auf. Innovationen dürften künftig eher in den Bereichen Service und Informationsbereitstellung liegen.

 

Mehr als 840.000 derivative Wertpapiere sind mittlerweile an der Börse notiert. Brauchen wir die wirklich alle?

Wahrscheinlich nicht. Aber brauchen wir so viele Sorten Joghurt, Brot oder Käse? Und gibt es nicht vielleicht auch zu viele Produktvarianten bei Autos?

Anlageprodukte Emissionsflut mit staatlichem Segen

Investoren, die in Anlageprodukte investieren, stehen vor einer Flut von Angeboten. In Deutschland werden von den Großbanken im Minutentakt Produkte auf den Markt geschmissen – und der Staat fördert den Wahnsinn noch.

Anlageprodukte: Emissionsflut mit staatlichem Segen

Es gibt aber keine 840.000 Sorten Joghurt oder 840.000 verschiedene Käse…

… aber mehr als eine Million Ausstattungsvarianten auf dem deutschen Automarkt. Gestatten Sie mir doch bitte die Gegenfrage: Welche Produkte braucht der Privatanleger in Deutschland und welche braucht er nicht? Und wer soll darüber entscheiden, wenn nicht er selbst? Ich kenne im Übrigen auch keinen einzigen Anleger, der sich über die Produktvielfalt beschwert. Im Gegenteil. Ich höre, dass Anleger bei den Emittenten anrufen und nach speziellen Produkten fragen, die diese noch nicht im Angebot haben. Dem Privatanleger entsteht im Übrigen durch das große Produktuniversum kein Nachteil. Der Anleger kann sich unter den Zertifikaten mit identischer oder ähnlicher Ausstattung das kostengünstigste Papier aussuchen.

  • 12.12.2011, 11:19 UhrAnonymer Benutzer: Petra

    Zertifikate sind Wetten gegen die Bank, wobei die Bank sofort 100% des Wetteinsatzes erhält, keine Sicherheiten bietet und die Wettregeln nachträglich ändern kann.
    Wer so etwas kauft ist selbst schuld und hat absolut nichts aus der Lehmann-Pleite gelernt. Da Gier bekanntlich Hirn frisst, finden sich aber immer noch genug Käufer von Zertifikaten. Die Banken freuen sich ...

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