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Anlageprodukte
Steinbrück sagt Zockern den Kampf an

Peer Steinbrück sagt Spekulanten den Kampf an und sorgt damit in der Finanzbranche für Aufregung. Einen Produkttyp könnte es besonders treffen.
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DüsseldorfPeer Steinbrück hat den Wahlkampf eröffnet. Er tourt mit seinem 25-seitigen Papier zur „Bändigung der Finanzmärkte“ durch die SPD-Gremien. Dabei im Visier: Derivate. Im Handelsblatt schrieb der mögliche Kanzlerkandidat der SPD schon Anfang des Monats: „Die monetäre Welt hat sich von der Realwirtschaft abgekoppelt. Der Handel mit Derivaten erreicht ein Volumen von rund 600 Billionen Dollar, während das globale Wirtschaftsvolumen lediglich ein Zehntel beträgt. Gegen Derivate ist nichts zu sagen, wenn sie realwirtschaftlich unterlegt sind. Derivate ohne reale Grundlage sind dagegen Dynamitstangen, die an beiden Seiten angezündet werden können.“

Ein Generalangriff. Immer wieder plädierte der Kandidat in spe in den vergangenen Monaten für eine „Zähmung des Kapitalismus“  und für eine drastische Einschränkung hochriskanter Spekulationen wie eben die mit Derivaten. Zu Derivaten zählen auch Zertifikate, Aktienanleihen und Optionsscheine – allesamt Produkte für Privatanleger.

Offiziell wiegelt die Zertifikate-Branche ab. Betroffen sind nur die anderen. Und überhaupt sei das auch Verbandssache, heißt es bei den Emittenten der Zertifikate wie Deutscher Bank, Commerzbank oder Hypo-Vereinsbank. Der Deutsche Derivate Verband (DDV) lässt wissen: „Bei den von Herrn Steinbrück so harsch kritisierten Derivaten handelt es sich um Kreditderivate, die zwischen institutionellen Anlegern gehandelt werden“, sagt Hartmut Knüppel, geschäftsführender DDV-Vorstand. „Das hat mit derivativen Wertpapieren für Privatanleger überhaupt nichts zu tun.“ Viel Lärm um nichts also?

Ganz so einfach ist es wohl nicht. Denn im persönlichen Gespräch wird manch ein Banker deutlicher. Die Stimmung sei angespannt, berichtet ein Branchenkenner, der seinen Namen nicht lesen will. „Ja, in der Tat gibt es Befürchtungen, dass es zu Einschnitten kommt“, sagt ein anderer Insider, der sogar eine Hetzkampagne befürchtet. „In jedem Wahlkampf wird nach Themen gesucht, die das Wahlvolk mobilisieren sollen.“ Und dieses Mal könnte es eben auch die Zertifikate treffen – allen offiziellen Beschwichtigungen zum Trotz.

Mit den Bonus-, Discount-, Express-, Garantie- oder Hebelpapieren sowie Call- und Put-Optionsscheinen können Anleger auf fallende wie steigende Märkte setzen, aber auch in seitwärts laufenden Märkten Geld verdienen. In Verruf kamen die Zertifikate nach dem Crash der US-Investmentbank Lehman. Unzählige Papiere fielen aus, denn Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen. Geht der Emittent pleite, ist das Geld verloren. Durch den Ausfalls der Lehman-Bank und dem folgenden Börsenabsturz kam aber vor allem eines heraus: Unzählige Anleger hatten Zertifikate im Depot, ohne zu wissen, was das überhaupt ist – Stichwort „Lehman-Oma“.

Kommentare zu "Steinbrück sagt Zockern den Kampf an"

Alle Kommentare
  • Zertifikate sind Wetten gegen die Bank ("Die Bank gewinnt immer!"), wobei die Bank sofort den vollen Wetteinsatz kassiert, keine Sicherheiten bietet und die Bedingungen nachträglich änern kann.
    Wer solche Produkte kauft ist selbst schuld. Leider gilt noch immer die Grundlage aller Verkaufsstrategien: "Gier frisst Hirn"

  • Was sind Dynamitstanden, liebe Redaktion? Es gibt Korrekturprogramme die nicht einmal etwas kosten. Peinlicher geht es nicht.

  • Micha, Sie haben nichts verstanden! Die Bank wettet überhaupt nicht. Sie kassiert Margen, Zinsen und Spreads. Zertifikate bieten dem Käufer den Vorteil, daß ervjees Risiko abbilden kann: Er sowohl größere, als auch kleinere Risiken als 1:1 zum Underlying eingehen. Geht's gut, haben alle Spaß, geht's nicht gut hat nur die Bank den Spaß. Such is Life

  • Derivate, Verbriefung der Verbriefung der Verbriefung von irgend so einer toxischen Kreditausfallversicherung und vice versa... Weg damit wäre zu einfach. Aber 90% Steuer auf die Gewinne, ja bitte! Lieber Herr Steinbrück, seien Sie dann auch konsequent: Wenn Sie den Zockern den Kampf ansagen, würde ich es begrüßen, Sie unterstützen die Aktiensparer (da sind auch Rentner darunter) und Investoren. Nach einer Haltefrist von 15 Monaten müssten die Gewinne steuerfrei sein. Ansonsten werte ich ihre Aussagen als billigen Stimmenfang.

  • Ex-Bundesfinanzminister Steinbrück (SPD) will die Banken an die Kandare nehmen. Alles nur ein Wahlkampfgetöse. Nichts wird passieren, gar nichts. Die Banken werden weiter wie wild herumzocken und der Bürger darf die Baken in solidarischer Manier wie gewohnt retten.

    Die Bürger beschäftigen sich um die fiesen Machenschaften der Politiker zu wenig. Leider gibt es in Deutschland keine Partei die den Euro weg haben will. Deshalb ist keine der Parteien zurzeit wählbar. Die Gemeinschaftswährung mit dem Euro ist das eigentliche Problem überhaupt.

    Nach dem Willen der SPD soll eine Bankenunion in Europa die Notenpresse permanent unter dem Deckmantel der EZB oder dem ESM laufen. Leben auf pump, dass ist das Motto von der SPD, nichts anderes. Die Grünen sind nicht weit von der SPD entfernt. Und die FDP verstrickt sich ständig in Widersprüche. Während die CDU den Bockmist aus Brüssel unterstützt streitet die CSU vehement um ihr Dasein. Die Linken wollen verteilen wo nichts ist und die Piraten haben mit ihrer profillosen Anarchie zu tun. Nein, es gibt keine Partei die in Deutschland wählenswert ist.

  • Wie glaubwürdig... Ist das "System-medien-heilsalbe" auf die von der Bankenvergötterung wundgescheuerten Seelen der gutgläubigen Massen?

  • Das Wichtigste ist, Geschäftsbanken und "Investment-Gesellschaften" konsequent und vollständig zu trennen.
    Investment-Gesellschaften dürfen kein Zentralbankgeld erhalten und dürfen NIEMALS "gerettet" werden.
    Jeder Anleger muß so wissen, daß er es bei diesen Gesellschaften mit Spielkasinos zu tun hat.
    Wer sein Geld dort anlegen (und verlieren) will, soll es tun - aber ohne jede Hoffnung auf Rettung durch Steuergelder.
    Wenn Herr Steinbrück das hinbekommt, dann ist er ein Kanzler.

  • Ich bin kein Fan von Steinbrück und ob die SPD, die in ihrer Regierungszeit die tödlichen Finanzprodukte (über den unseligen Herrn Asmussen, der jetzt unser Geld in der EZB vernichtet) erst eingeführt hat, richtig regulieren würde, ist stark zu bezweifeln.

    Dennoch ist zu sagen, dass viele, insbesondere ungedeckte Derivate überflüssig sind wie ein Kropf. Sie schädigen die Realwirtschaft, da Anlagegelder, die sonst der Wirtschaft zugute kommen würden, zu den Banken umgelenkt werden. Diese reichen sie zu weit höheren Preisen als Kredite an die Wirtschaft weiter. Insofern sind viele Derivate doppelt schädlich: Sie schaffen hohe Risiken, die beim Platzen vom Steuerzahler zu tragen sind, und sie verteuern mittelbar die Kredite für die Realwirtschaft.
    Vieles von dem Mist kann man ersatzlos verbieten. Das 100%ige Weiterreichen von Risiken über z.B. Kreditderivate muss verboten werden. Wer nicht selbst für die Risiken haftet, geht natürlich irrsinnige Risiken ein und betrügt andere (siehe verbriefte Subprime-Kredite). Darüberhinaus brauchen wir dringend die Trennung des Bankgeschäfts vom Investmentbanking.

    Es gäbe daher genug zu tun für Steinbrück. Ob er jenseits der Propaganda das Richtige täte, ist leider zu bezweifeln. Die SPD hat uns vieles von dem Mist eingebrockt, mit dem wir kämpfen (Aufnahme Griechenlands in den Euro, Freigabe der Kreditderivate, Geschrei nach Schuldenvergemeinschaftung usw.). Die Glaubwürdigkeit dieser Partei ist leider Null.

  • Sie werden uns zurück in die finanzwirtschaftliche Steinzeit katapultieren! Der Rest der Welt schützt mit Derivaten sein Vermögen und wir werden zu Kartoffelbauern. Genauso wie in der Renaissance, als die Kirche Kurie und Inquisition einsetzte um den naturwissenschaftlichen Fortschritt unter Kontrolle zu halten.
    Aber der borniert einfältige SPD Wähler wird all das goutieren, so wie seinerzeit die Landbevölkerung die Predigten der Pfaffen. Bin gespannt, wie die "Hexenprozesse" der Zukunft aussehen werden

  • Volle Zustimmung! (Auch) Ich werde der SPD nichts mehr abnehmen. Schon gar nicht von einem, der die, in der Tat von Eichel unter Schröder eingefädelte, Derivatisierungsmanie nicht nur, und sei es nur via Abwesenheit in diversen Entscheidungsgremien (was er ja für sich als Entschuldigung bemüht), toleriert hat, sondern mit seiner Abgeltungsssteuer ab 2009 Derivate in punkto Verlustverrechnung ausgerechnet vs. Aktien, der per se eigentlich am besten geeigneten Anlageform zur real rentierlichen Altersvorsorge, noch privilegierte.
    Und auch die Diskussion einer vs. Derivate 10-fach höheren Aktientransaktionssteuer ist nur bezeichnend, was Steinbrück resp. die SPD wirklich umtreibt.

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