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Sparkassen und Comdirect: Banken verführen Kleinanleger zum Zocken

Die Commerzbank-Tochter Comdirect bietet jetzt hochspekulative Wetten an. Auch der Online-Broker der Sparkassen mischt mit. Dabei können Kunden viel gewinnen – oder alles verlieren. Die Banken stört nicht, dass sie zum Handlanger der Zocker werden.

Roulette-Spiel: CFDs sind hoch spekulativ. Kritiker vergleichen Investments mit Zockerei im Casino. Quelle: dapd
Roulette-Spiel: CFDs sind hoch spekulativ. Kritiker vergleichen Investments mit Zockerei im Casino. Quelle: dapd

DüsseldorfSie wollen die Guten sein. Die Commerzbank beispielsweise, die noch zu einem Viertel in Staatshand ist. Oder die Sparkassen-Gruppe, öffentlich-rechtlich geführt – und von kommunalen Würdenträgern mitbestimmt. Ihre Vorstände lassen keine Gelegenheit aus, um die Unmoral der Finanzmärkte anzuprangern. „Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, zu sagen, Banken hätten nichts aus der Krise gelernt. Natürlich haben wir das“, sagt etwa Commerzbank-Vorstand Martin Blessing. Und Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis betont, wie sehr jene Banken, die er vertritt, der „dienenden Funktion für die Kunden“ nachkommen. „Probleme machen diejenigen, die Geschäfte ohne Bezug zu realen Kunden machen“, fügt er hinzu.

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Was die Chefs erzählen, gilt nicht – zumindest nicht immer

Doch was die Bankenchefs erzählen, gilt nicht, wenn es um den Umgang mit Kunden geht. Nach S-Broker, dem Onlineableger der Sparkassen-Gruppe, bietet jetzt auch die Commerzbank-Tochter Comdirect ein Produkt an, bei dem es nur um eines geht: Zocken wie im Casino.

CFDs

„Contracts for difference“ – auf Deutsch: Differenzkontrakte – nennen sich die Produkte, die bislang nur von ausländischen Banken angeboten worden waren. Dabei handelt es sich um Wetten auf die Entwicklung an den Aktien-, Devisen- oder Rohstoffmärkten. Ihnen liegt kein realer Wert, also keine Aktie, kein Rohstoff- oder Devisendepot zugrunde. Der Gewinn oder Verlust einer solchen Wette entspricht der Differenz zwischen dem Eröffnungs- und dem Schlusspreis einer CFD-Transaktion. Anleger können sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse des jeweiligen Basiswerts setzen – und das mit teils enormem Hebel und geringem Kapitaleinsatz. Das verspricht nicht nur satte Gewinne, wenn die Wette aufgeht. Es kann auch schwer danebengehen und Anlegern hohe Verluste bescheren.

Interview „Ein Ritterschlag für CFDs“

Spekulieren mit hohem Hebel hat nichts mit Kasino zu tun, sagt René Diehl. Der Vorstand der Wertpapierhandelsbank Cefdex erklärt, warum CFDs besser sind als ihr Ruf und was der Markteintritt der Comdirect bedeutet.

Interview: „Ein Ritterschlag für CFDs“

Comdirect bietet die Differenzkontrakte seit September 2011 an. Der Sparkassen-Ableger S-Broker ging schon im Februar an den Start. Spekulationen, dass auch die Deutsche Bank mit ihrem Online-Broker Maxblue in diesem Jahr mit einem entsprechenden Angebot an den Start geht, dementiert die Bank: Man habe sich den Markt angeschaut und tue dies auch weiter, es sei aber nichts geplant.

Einer, der den Markt ganz genau beobachtet, ist Jens Kleine vom Steinbeis Research Center for Financial Services. Er spricht vom „Image des reinen Zockerprodukts“, wenn er das Thema CFD erwähnt. Ausländische Anbieter tummeln sich bereits seit Jahren auf dem deutschen Markt. 60000 CFD-Konten dürfte es seiner Schätzung nach inzwischen in Deutschland geben. Bei den Kunden stellt Kleine eine besondere Börsenaffinität fest. Der Markteinstieg von Comdirect und des S-Brokers werde der Branche „sicherlich einen weiteren positiven Impuls geben“.

  • 06.10.2011, 10:19 UhrAnonymer Benutzer: Moika

    Ich denke, daß jeder Anleger grundsätzlich zuerst einmal selbst für sein Geld und damit, wie er es anlegt, verantwortlich ist.

    Daß Banken und Sparkassen jetzt den Kleinanlegern diese Geschäfte ermöglichen, ist der Tatsache geschuldet, daß das Investmentgeschäft kaum noch etwas abwirft. Also muß es jetzt die Quantität bringen, nachdem man die Qualität verloren hat.

    Das perfide dabei ist ja, daß die Banken hier mit der Statistik arbeiten. Die wissen, daß mindestens 80 Prozent der Kleinanleger, die in Derivaten handeln, verlieren. Also sichern die Banken die Geschäfte nur zu 20 Prozent über die Börse ab, bei den restlichen 80 Prozent macht der Kunde ein direktes Geschäft mit der Bank - nur weiß er es eben nicht und der Haupbatzen des Anlegekapitals der Kunden fließt direkt in die Taschen der Banken.

    Ich halte solche Geschäfte einfach für unsittlich, weil den Banke von vorneherein bekannt ist, auf welcher Seite der Verlierer steht.

    Das sind keine seriösen Bankgeschäfte mehr, das ist der direkte Griff in das Portemonnaie der Kunden. Normalerweise nennt man so etwas Diebstahl.

  • 05.10.2011, 22:10 UhrAnonymer Benutzer: ChristianAchilles

    Dieses Angebot des Sparkassen-Broker wird nur erfahrenen Vieltradern angeboten, nicht Kleinanlegern. Die Überschrift legt zu Unrecht anderes nahe.

    Christian Achilles
    Leiter Kommunikation und Medien
    Deutscher Sparkassen- und Giroverband

  • 05.10.2011, 17:42 UhrAnonymer Benutzer: Fakten

    @kuac: Wenn Sie glauben, bei Bank-Produkten würden keine klaren Regeln herrschen, machen Sie doch den Selbstversuch und eröffnen ein CFD-Konto. Wenn Sie dann beim fünften Formular zur Selbstauskunft und zur Risiko-Aufklärung angelangt sind, sprechen wir uns wieder.
    Und woher haben Sie das Märchen, daß Anleger Verluste vom Staat erstattet bekämen? Fragen Sie 'mal die Anleger, die 2008 Geld verloren haben, ob auch nur einer davon seine Verluste erstattet bekam!

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