
Köln (SID) - Reiner Calmund, langjähriger Manager des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen, hat die selbst aufgebaute zu große Erwartungshaltung als Grund für die bislang enttäuschende Saison des Werksklubs ausgemacht. "Robin Dutt (der Bayer-Trainer, d.Red.) hat bei seinem Amtsantritt Platz 1 anvisiert, er wollte nach der Heynckes-Ära einiges verbessern. Diese Zielsetzung geht nicht auf", sagte "Calli" vor dem Derby am Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) zwischen dem 1. FC Köln und Bayer im Interview mit der Bild-Zeitung.
Der 63-Jährige ist nicht sicher, ob sich der umstrittene Coach bei Bayer halten wird: "Das hängt vom Erfolg ab. Ein guter Geschäftsführer muss in jedem Unternehmen Umsätze und Rendite erzielen, sonst bekommt er irgendwann die Briefmarke auf den Hintern geklebt. Jeder Fußball-Trainer muss die Erwartungen des Vereins - also Punkte und Tabellenplätze - erfüllen, sonst gibt es Probleme."
Bayer-Coach Dutt reagierte gelassen auf die Calmund-Kritik. "Die Kritik hat sich darauf bezogen, dass wir die Ziele vor der Saison etwas zu hoch geschraubt haben. Natürlich hatte ich damals nicht die Fakten auf dem Tisch liegen, die sich danach ergeben haben und die deutlich erklären, warum diese Saison so gelaufen ist. Er hat den Verlust von Vidal und die Verletztensituation angesprochen. Gemischt mit der Erwartungshaltung, die ich geschürt habe, ging der Plan nicht auf. Ich kann das nur unterstreichen, das war ein differenziertes Interview", erklärte Dutt.
Schwierigkeiten hat Calmund auch beim FC ausgemacht - vor allem im Verhältnis zwischen Trainer Ståle Solbakken und Sportdirektor Volker Finke: "Allein ihre öffentliche Aussagen, dass man trotz unterschiedlicher Auffassung professionell zusammenarbeitet, zeigt, dass die Chemie zwischen beiden nicht hundertprozentig stimmt."
Der wortgewaltige Ex-Manager rät dem FC dazu, den 2013 auslaufenden Vertrag mit Starspieler Lukas Podolski unter allen Umständen zu verlängern. "Die Kölner müssen alles versuchen, um Poldi in Köln zu halten - er ist Lebensversicherung und Sympathieträger in einer Person", sagte Calmund, "Lukas geht mit Sicherheit nicht zu dem meistbietenden Klub. Wenn Real Madrid, Barca oder ein großer Engländer nicht richtig Ernst machen, gibt es sehr gute Chancen."