
Frankfurt (SID) - Angesichts der jüngsten Fälle von Depressionen und Burn-outs im Profifußball sieht Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm ein gesamtgesellschaftliches Problem. "Wenn man sich die Fakten anschaut, sind Burn-out und Depressionen inzwischen die neuen Volkskrankheiten", sagte Lahm der Frankfurter Rundschau.
Nach dem Selbstmordversuch des Schiedsrichters Babak Rafati im November vergangenen Jahres war eine Debatte über den vermeintlich zu hohen Druck im Profifußball entstanden. Zuletzt hatten sich der damalige Trainer des Bundesligisten Schalke 04, Ralf Rangnick, sowie Torhüter Markus Miller von Hannover 96 öffentlich zu einem Burn-out bekannt und eine Auszeit vom Bundesliga-Alltag genommen.
"Ich sehe eine Depression als eine Krankheit an, aber nicht im Umkehrschluss grundsätzlich den Konkurrenzkampf als eine Krankheit des Leistungssports. Leider werden Depressionen und Burn-outs noch zu oft als Schwäche ausgelegt, auch wenn sich das zuletzt vielleicht geändert hat", sagte Lahm.
Gleichzeitig riet Lahm schwulen Fußball-Profis erneut davon ab, sich öffentlich zu ihrer Homosexualität zu bekennen: "Im Stadion geht es selten politisch korrekt zu. Fußball ist wie früher Gladiatorenkampf. Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft schon so weit ist, schwule Profi-Fußballer als etwas Selbstverständliches zu akzeptieren, so wie es in anderen Bereichen bereits möglich ist."
Den Zwist mit Michael Ballack, von dem Lahm die Kapitänsbinde der DFB-Auswahl übernommen hatte, hält Lahm für überbewertet. "Ich glaube, dass unser Verhältnis in der Öffentlichkeit schlechter gemacht wird, als es tatsächlich ist", sagte Lahm, der ein Treffen mit Ballack nicht für nötig erachtet: "Dafür gibt es keinen Grund. Wir haben uns auf dem Platz schon ganz normal begrüßt. Es ist ein normales Verhältnis unter Kollegen."