Fußball Bundesliga: Schalke bestätigt in Köln seinen Aufwärtstrend

Fußball Bundesliga
Schalke bestätigt in Köln seinen Aufwärtstrend

3:1 ist kein außergewöhnliches Ergebnis im Fußball. Doch der Sieg des FC Schalke in eben dieser Höhe beim 1. FC Köln war ein außergewöhnliches Spiel mit vielen Aufregern, da genauso 5:4 hätte ausgehen können.
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KölnKöln kann Schalke - eigentlich: Alle drei Spiele hat der FC gegen die "Knappen" seit dem Wiederaufstieg gewonnen. Dass es beim vierten Aufeinandertreffen anders lief, hatten sie sich selbst zuzuschreiben. Klarste Chancen nicht genutzt, dumme Fehler in der Defensive - so kamen die alles andere als überragend spielenden Schalker nach 23 Minuten zu einer 2:0-Führung durch Huntelaar und Max Meyer. Das hätte eigentlich für ein Spitzenteam reichen müssen, um einen ruhigen Fußballnachmittag zu verbringen - tat es aber nicht.

Doch der Reihe nach: Schalkes Trainer Andre Breitenreiter wählte dieselbe Aufstellung wie beim 3:2-Sieg am Mittwoch gegen den Hamburger SV. Beim FC durften Jonas Hector und Filip Mladenovic von Anfang an ran. Dafür mussten Kevin Vogt und Mergim Mavraj auf der Bank Platz nehmen. Für ihn spielte Dominique Heintz wieder in der Innenverteidigung.
Es entstand eine tolle Halbzeit mit Chancen für sechs, sieben, acht Tore - die es wer ist, chronologisch erzählt zu werden: Nur zwei Minuten nach dem Anpfiff stand es bereits 1:0 für die Gäste: Höhlberg lupfte den Ball geschickt über Maroh und der Kölner Verteidiger wusste sich nicht anders zu helfen, als den Arm auszufahren und ihm ins Gesicht zu strecken. Mit der gelben Karte war Maroh da noch gut bedient. Den Elfmeter verwandelte Huntelaar, allerdings profitierte er dabei von einem Ausrutscher des Kölner Keepers Timo Horn. So manches Mal hatte der FC in der nahen Vergangenheit Pech bei Schiedsrichterentscheidungen - hier hatte Wolfgang Stark alles richtig gemacht.
Der Stimmung im mit gut 50.000 ausverkauften Stadion tat das keinen Abbruch - beide Fangruppen feuerten ihre Teams lautstark an in diesem traditionsreichen Westderby. Und die Gastgeber brauchten nicht lange, um sich von dem Schock zu erholen: In der neunten Minute flankte Risse wunderbar auf Modeste, doch der Torjäger köpfte daneben.
Schalke blieb allerdings das spielerisch gefälligere Team. Gute Seitenverlagerungen von Geis, dazu ein Max Meyer, der immer wieder zwischen die Linien kam. So musste Timo Horn schon sein ganzes Können aufbringen, um den tollen Schuss von Höjlberg aus dem Toreck zu fischen (11. Minute).
Das Spiel blieb hochklassig: Modeste schickt Bittencourt, der gibt hart hinein und Modeste verpasst nur hauchdünn. Auch der Nachschuss von Mladenovic Brachte trotz bester Lage nichts ein. Die Schalker wirkten hinten total verunsichert in dieser Phase. Wenige Minuten später scheiterte erneut Modeste an S04-Keeper Fährmann. Der wirft zu Geis, dessen Rückpass auf den Keeper total missrät. Bittencourt muss nur noch ins leere Tor schießen, doch er tut das so langsam, dass Fährmann den Ball noch zu fassen bekommt.
Die Führung der Gäste war nach 18 Minuten mehr als glücklich. Aber was passiert, wenn man solche Chancen nicht nutzt? Dann kommt der Meyer: Fünf Minuten nach diesem Sturmlauf der Kölner schießt der junge Spielmacher das 2:0 nach einer Ansammlung von Fahrlässigkeiten im FC-Strafraum. Maroh kommt weiter nicht in die Gänge und bereitet so ungewollt die Chance zur Entscheidung vor - doch Schöpfs Schuss wird noch geblockt.
Beinahe irrational, wie sehr diese Partie in dieser Phase hin und her pendelte. Denn gerade, als die Schalker alles im Griff zu haben schienen und dem 3:0 nahe waren, verkürzte der FC quasi aus dem nichts: Alle Schalker Verteidiger konzentrierten sich bei der Flanke vn Mladenovic auf Modeste, doch der Ball kam zu Bittencourt, der unbedrängt einköpfen konnte (33.). Die Gäste reagierten auf das 2:1 prompt und trafen durch Belhanda die Latte.
Selbst die hungrigsten VIPs taten sich bis zum Halbzeitpfiff schwer, ihre Plätze wie üblich vorzeitig zu verlassen - so sehr lag das 2:2 in der Luft. Daran änderte auch das unsportliche Zeitspiel der Gäste nichts. Richtig Glück hatten die Schalker, als Schiedsrichter Stark das klare Foulspiel von Neustädter an Lehmann nicht ahndete - es war allerdings auch eine schwer erkennbare Szene. Direkt danach hätte auch Mladenovic Elfmeter bekommen können, doch er ließ sich nicht fallen, sondern rannte weiter. Ein sportliches Verhalten, das Lob verdient.
Um es kurz zu machen: Das Spiel blieb aufregend anzuschauen, kam aber nicht mehr an das Niveau der ersten 45 Minuten heran. Schalke stand etwas tiefer, ließ aber immer wieder die Konzentration vermissen, um Köln zu entnerven. Die wiederum konnten sich zunächst keine ganz klaren Chancen erspielen. Stets fehlen ein paar Zentimeter oder Zehntel.
Eine Anekdote, die nachdenklich stimmen sollte: Schalkes Torwart Fährmann wird in der 62. Minute zum dritten Mal wegen Zeitspiels ermahnt, ohne die längst fällige gelbe Karte zu sehen. Schleichend wird das Verhalten der Profis immer unsportlicher. Durch ein solches Maß an Gutmütigkeit seitens der Referees wird es gefördert, statt eingedämmt. Das zeigte sich mit jeder Minute mehr, als auch andere S04-Kicker es völlig übertriebenes Maß an Zeitspiel an den Tag legten.
Dass die Schalker auch anders können, zeigte Leroy Sane direkt nach seiner Einwechslung mit einem feinen Fernschuss, der aber auch einen Meter am rechten Pfosten vorbeiflog (64.). Zwar zeigte die "Knappen" nicht mehr viel nach vorne, aber sie standen nun tiefer, was Köln ganz und gar nicht schmeckte. Bis plötzlich Modeste nach einem genialen Pass von Bittencourt allein vorm Gäste-Tor stand, doch den Ball nicht gut genug annahmen konnte. Es war nicht sein Tag trotz großen Bemühens.
Eine Minute später zeigte Fährmann, dass er auch ein guter Torwart ist: Den Schlenzer des eingewechselten Philip Hosinger hätte nicht jeder gehalten. Und damit rettete er seiner Mannschaft den Sieg, den vier Minuten später der eingewechselte Franco Di Santo mit dem 3:1 perfekt machte. Wieder kam Maroh zu spät. Doch der wesentliche Anteil dieses Treffers liegt bei Johannes Geis, der das Siel zuvor mit einem starken Pass auf die linke Seite geöffnet hat.
Damit war die Partie aber auch noch nicht rum. Es gab weiter Torszenen auf beiden Seiten, doch die Schalker ließen das 4:1 liegen - und Kölns Modeste wurde der Treffer zum 2:3 zu Unrecht wegen Abseits abgepfiffen. Insofern setzt sich die Liste mit negativen Schiedsricherentscheidungen fort. Mit dem Videobeweis, dessen Testphase der internationale Fußballverband am Samstag beschlossen hat, hätten die Gastgeber gegen Schalke ein Tor mehr und ein Elfmeter mehr auf dem Konto gehabt.
Die Kölner haben nun aus vier Spielen nur einen Punkt geholt, spielen jedoch einen zu guten Ball, damit Abstiegssorgen gerechtfertigt wären. Nun geht es mit sechs Punkten Vorsprung auf Rang 16 nach Hannover, bevor dann die Münchener Bayern zum nächsten Heimspiel kommen. Schalke muss am nächsten Freitag zu Hertha BSC - ein wichtiges Spiel gegen einen direkten Konkurrenten um die internationalen Plätze.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
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