
Frankfurt (SID) - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) schiebt der kommerziellen Nutzung der Spielpläne ab Januar 2012 einen Riegel vor - und droht Wettanbietern vorsorglich mit einer Klage. "Es wird nicht so sein, dass wir tatenlos zusehen, wie ein Glücksspielvertrag kommt, der die Interessen des Sports ignoriert. Wir erwägen dann, gegen die unerlaubte Nutzung der Spielpläne vorzugehen. Und nach Auffassung der DFL bestehen gute Erfolgsaussichten, dass in Deutschland ein entsprechender Schutz gerichtlich anerkannt wird", sagte DFL-Chef Christian Seifert bei einem Hintergrundgespräch in Frankfurt/Main.
Der urheberrechtliche Schutz bezieht sich allerdings nur auf Wettanbieter und andere Unternehmen, die den Bundesliga-Spielplan zu kommerziellen Zwecken nutzen wollen. Redaktionelle Berichterstattung ist nicht betroffen. "Der Spielplan stellt ein urheberrechtlich geschütztes Werk dar, da die DFL bei seiner Erstellung eine erhebliche schöpferische Leistung erbringt. Diese besteht insbesondere aus der Anordnung der Begegnungen mit Blick auf verschiedene Kriterien wie die sportliche Ausgeglichenheit, Attraktivität für die Fans sowie Sicherheitsbelange und die Auswahl der konkreten Spieltermine", erläuterte DFL-Justiziar Holger Blask.
Die DFL hat den Spielplan-Schutz auf den Jahresbeginn 2012 terminiert, da bis zu diesem Zeitpunkt ursprünglich der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft treten sollte. Allerdings scheint der von 15 Bundesländern ausgehandelte Entwurf nicht mit dem EU-Recht vereinbar. Dem Entwurf zufolge sollten sieben bundesweite Konzessionen für private Wettanbieter vergeben werden. 16,66 Prozent des Einsatzes bei einem Wettanbieter sollen als Abgabe an den Bund gehen. Das bezeichnen die DFL und andere Sportorganisationen allerdings als realitätsfern.
Laut mehrerer Schätzungen entgingen dem deutschen Profi-Sport in der Vergangenheit mehrere Hundert Millionen Euro an Sponsorengeldern, da private Wettanbieter nicht mehr auf Trikots und Banden werben durften. So prangt der Name des Anbieters bwin auf dem Trikot des spanischen Fußball-Rekordmeisters Real Madrid, während der Sportwettenanbieter in Deutschland keine Möglichkeit der Werbung hatte.
Deshalb kritisiert Seifert, dass die jüngsten Vorschläge der Organisationen des Sports wie DFL oder DOSB nicht in den neuen Glücksspielstaatsvertrag einfließen. "Sollte eine angemessene Teilhabe des Sports nicht zustande kommen, sieht sich die DFL als Treuhänderin der Klubs gezwungen, Maßnahmen zur Sicherstellung einer angemessenen Beteiligung des Profi-Fußballs an den Umsätzen dieses Marktes zu ergreifen", sagte Seifert.