Handball WM: Deutsche Handballer verlieren gegen Frankreich

Handball WM
Deutsche Handballer verlieren gegen Frankreich

Trotz einer guten ersten Halbzeit muss die deutsche Handball-Nationalmannschaft nach ihrer 23:30-Niederlage gegen Frankreich um den Einzug in die Hauptrunde der WM bangen.
  • 0

Handball-Bundestrainer Heiner Brand saß schon Minuten vor dem Abpfiff des Debakels konsterniert und frustriert auf der Bank. Nachdem die bittere WM-Lehrstunde beim 23:30 (10:13) gegen Frankreich dann endlich beendet war, fand Torhüter Silvio Heinevetter als Erster deutliche Worte. "Wie wir uns in den letzten 20 Minuten aufgegeben haben, das darf nicht sein. Da ziehen nicht alle mit", sagte Heinevetter, während Kapitän Pascal Hens mahnte: "Es kann nicht sein, dass wir anfangen, uns selbst zu zerfleischen. Richtung Halbfinale müssen wir gar nicht mehr denken."Nach der zweiten Schlappe in Folge muss die deutsche Mannschaft sogar um den Einzug in die Hauptrunde bangen und steht vor dem abschließenden fünften Gruppenspiel am Donnerstag gegen Tunesien (18.30 Uhr/live im ZDF) angesichts von 4:4 Punkten unter Zugzwang. Ein Punktgewinn gegen den Afrikameister reicht sicher für den Hauptrundeneinzug aus. Sollte Ägypten gegen den punktlosen WM-Neuling Bahrain zuvor siegen, kann sich die deutsche Mannschaft sogar eine Niederlage mit vier Toren Unterschied erlauben.Gegen Frankreich konnten vor 4250 Zuschauern auch Michael Kraus (7/3/HSV Hamburg) und Lars Kaufmann (5/FA Göppingen) als beste deutsche Werfer die Pleite gegen Olympiasieger und Europameister Frankreich nicht verhindern. Kraus unglücklich, Hens erneut enttäuschend"Die zweite Halbzeit war desolat, das kann man nicht akzeptieren. Nach der Halbzeit sind wir auseinandergebrochen. Wir haben uns Undiszipliniertheiten und blöde Fouls geleistet. Man muss da anders dagegenhalten, darüber werden wir reden", sagte Brand nach einer der schwächsten Angriffsleistungen der letzten Jahre. Mit Blick auf das entscheidende Spiel gegen Tunesien wies der Gummersbacher darauf hin, dass "die Mannschaft da in der Verantwortung" stehe. Noch am Mittwochabend sollte eine Krisensitzung der Spieler stattfinden.Zwei Tage nach der 24:26-Niederlage gegen Spanien entwickelte sich auch gegen die mit drei Bundesliga-Legionären gespickten Franzosen eine wahre Abwehrschlacht. Brand hatte überraschend Heinevetter im deutschen Tor das Vertrauen gegenüber Johannes Bitter gegeben, der im Duell mit den Iberern eine Weltklasseleistung gezeigt hatte. Auch der zuletzt harsch kritisierte Regisseur Kraus durfte diesmal von Beginn an spielen. Doch der Hamburger machte erneut eine unglückliche Figur und leistete sich allein in den ersten 22 Minuten fünf Fehlwürfe. Nach einem vielversprechenden Start (7:6/16.) verlor die DHB-Equipe völlig den Faden und biss sich an der wohl besten Abwehr im Welthandball um Keeper Thierry Omeyer (Kiel) die Zähne aus. Besonders der enttäuschende Hens fand kein Mittel gegen die eingespielte Defensive von Les Bleus, die zuletzt vor zehn Jahren ein WM-Duell gegen die Deutschen gewonnen hatte. Frankreich nutzt jede Schwäche des DHB-TeamsWährend dem Außenseiter ab Mitte der ersten Halbzeit binnen zwölf Minuten nur noch zwei Treffer gelangen, zogen die Franzosen angeführt vom Ex-Kieler Nikola Karabatic auf 13:8 (27.) davon. "Es tat in einigen Phasen weh, da zuzuschauen", meinte Keeper Bitter.Auch nach dem Wechsel erwies sich der Titelverteidiger, der bei der WM auf die verletzten Bundesligastars Daniel Narcisse (THW Kiel/Kreuzbandriss) und Guillaume Gille (HSV Hamburg) verzichten muss, als die klar überlegene Mannschaft. Jede Schwäche in der deutschen Deckung nutzten die Franzosen gnadenlos aus. Weil sich auf der Gegenseite Omeyer weiter steigerte und in zehn Minuten nur einen Gegentreffer zuließ, deutete sich beim 12:20 (43.) das Debakel an. Der Druck in Schweden ist auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 in London besonders groß: Ein Platz zwischen eins und sieben ist für die Brand-Auswahl quasi ein Muss. Während sich nur der Weltmeister direkt für die Sommerspiele im nächsten Jahr qualifiziert, garantieren die WM-Plätze zwei bis sieben immerhin die Teilnahme an den insgesamt drei Olympia-Qualifikationsturnieren im April 2012. Als Gastgeber fungieren der WM-Zweite, -Dritte und -Vierte.Dort treten dann zwölf Mannschaften an, die um insgesamt sechs freie Plätze für London kämpfen. Sollte die Turnierteilnahme verpasst werden, gibt es nur noch eine Möglichkeit, sich den olympischen Traum zu erfüllen: Der Titelgewinn bei der EM 2012 in Serbien. Bei der letzten Europameisterschaft 2010 in Österreich war die deutsche Mannschaft auf Rang zehn gelandet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%