Telekom-Spitzel-Opfer in der bel étage

Freitag, 21.11.2008

Als Journalist fragt man sich in diesen Tagen ja schon: Was wäre wenn Obermann anruft? Wenn man erfährt, dass man ebenfalls von der Deutschen Telekom abgehört wurde?

Ist ja nicht mal unwahrscheinlich, schließlich bespitzelte der Konzern sogar Kinder. Und nicht nur Handy-Anschlüsse sind betroffen, sondern auch Festnetz-Nummern bei anderen Anbietern. Unser Chefredakteur Bernd Ziesemer hat dazu einen sehr passenden Leitartikel verfasst.

Einer, den es getroffen hat, ist Jürgen Berke. Er sitzt zwei Stockwerke über der Handelsblatt-Redaktion und beackert seit langer Zeit Telekom-Themen für die "Wirtschaftswoche". Für die neue Ausgabe unseres Medienpodcasts bel étage sprach ich mit ihm über das Gefühl, überwacht zu werden. Weiteres Thema: Die massive Umstrukturierung der Gruner + Jahr Wirtschaftspresse.

Zu hören gibt es die bel étage bei Itunes oder hier:

Die Lethargie des IT-Gipfels

Donnerstag, 20.11.2008

In Zeiten wie diesen, da es überall nicht knarzt, sondern kracht, sie nicht nur von Rezession sondern gar von Depression die Rede ist, wünschte man sich mal große Würfe. Gewaltige Änderungen. Titanische Anstrengungen.

Auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung gibt es die nicht. Es gibt lauwarme Ankündigungen und weltfremde Subventionierungen. Ein trauriges Manifest der Non-Wertschätzung von Informationstechnologie in Deutschland anno 2008.

Ein trauriger Tag für den deutschen Journalismus

Mittwoch, 19.11.2008

Dies ist ein trauriger Tag. Oder besser, in aller Deutlichkeit: ein beschissener. Meine Gedanken sind derzeit in Köln, München und Hamburg, bei den Kollegen von "Impulse", "Capital", "Börse Online" und der "FTD". Viele von sind vorerst gekündigt, können sich aber neu bewerben.

Das Abstrusum, für dass sie sich bewerben dürfen nennt sich Zentralredaktion. Es ist eine Idee, die sich nur Verlagsmanager ausdenken können, denen es mit keinem Deut um inhaltliche Qualität geht, sondern allein darum, den Platz zwischen den Anzeigen einigermaßen vollzukippen.

Mit Betazocker

Mittwoch, 19.11.2008

Gestern war ein harter Tag hier beim Handelsblatt. Durch einen technischen Defekt waren wir über Stunden von allen Datenverbindungen abgeschnitten. Deshalb kann ich erst heute ein Lob für die Kollegen der "Financial Times Deutschland" bloggen. Zu den finanziellen Schwierigkeiten von Firmenpatriarch Adolf Merckle fiel ihnen für die gestrige Ausgabe eine sehr böse und sehr schmunzelige Illustration ein:

Die Isolation des Barack Obama

Montag, 17.11.2008

Vielleicht müssen wir uns zurückhalten. Wir, die wir die technische Rückständigkeit deutscher Politiker anprangern. Denn ausgerechnet Barack Obama, der Volksvertreter, der es maßgeblich dem Web zu verdanken hat, dass er die US-Wahl gewann, muss sich vielleicht aus dem Netz verabschieden.

Was die "New York Times" da über die technische Isolation des US-Präsidenten berichtet, ist so aberwitzig, als stamme die Geschichte aus Deutschland.

Sätze, die wir uns einfach mal merken: das Ende der Halbgötter

Montag, 17.11.2008

Es ist wirklich nicht neu, was Rupert Murdoch da in einem Radiovortrag gesagt hat. Und doch scheint es bei vielen Journalisten in Germany noch nicht angekommen zu sein. Deshalb einfach mal als Merkzettel:

"It used to be that a handful of editors could decide what was news – and what was not. They acted as sort of demigods. If they ran a story, it became news. If they ignored an event, it never happened...

Today editors are losing this power. The internet, for example, provides access to thousands of new sources that cover things an editor might ignore. And if you aren't satisfied with that, you can start up your own blog and cover and comment on the news yourself."

Redaktion der "Süddeutschen Zeitung" an Geschäftführung: Ihr habt keine Ahnung

Montag, 17.11.2008

In Zeiten, da ein drastischer Stellenabbau ansteht, ist es als Personalverantwortlicher verdammt schwer, seine Mannen einigermaßen bei Arbeitslaune zu halten. Wie man das nicht tut, hat anscheinend schon "Waz"-Chefredakteur Ulrich Reitz demonstriert. Besorgte Redakteure mit "Mahlzeit" zu einer Betriebsversammlung zu begrüßen, strahlt schon eine bemerkenswerte Ich-nehm-die-Sache-hier-nicht-ernst-Haltung aus.

Ebenfalls nicht wirklich hilfreich ist es, zwischen den Zeilen zu formulieren, dass die Geschäftsführung keine Ahnung hat, man aber bitte kuschen möge. So geschehen bei einer E-Mail, die ein Ressortleiter der "Süddeutschen Zeitung" an seine Leute geschickt hat, und die über mehrere Ecken zu mir kam.

Lutz Heilmann demonstriert, was die Linke von Demokratie hält: nichts

Samstag, 15.11.2008

Noch immer sieht mancher die Linke als Kuscheltierchen der Demokratie. Wenn es mal was zu weinen gibt, kann man sie aus dem Schrank holen und ein wenig lieb haben. So als Gegengewicht zum grausamen Rest der Welt.

Lutz Heilmann, Bundestagsabgeordneter jener Gruppierung, offenbart nun mit aller Wucht, wie weit die Linke von demokratischen Grundwerten und Vernunft entfernt ist: Galaxien weit.

Heilmann behauptet, bestimmte Informationen in der Wikipedia über ihn seien falsch. Und er ließ die Verbindung zu Wikipedia kappen. Leider fand er in Lübeck auch noch einen Richter, der diese unglaubliche Maßnahme tatsächlich anordnete.

Wer dieser Heilmann ist, das zeigt auch ein Artikel von Spiegel Online aus dem Jahr 2005. Ausschnitt:
"Ähnlich sieht das Hubertus Knabe, Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Heilmann habe im Bundestag "nichts zu suchen", sagte Knabe im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Wenn ein ehemaliger hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter im Parlament sitze, würde "die Beteiligung an einem Instrument der inneren Unterdrückung zu einem Kavaliersdelikt" verharmlost, sagte Knabe."

Glücklicherweise kommt man trotzdem auf die deutschen Wikipedia-Seiten - auch auf den bewussten Artikel. Nur eben über einen kleinen Umweg, der vielen nicht bewusst sein dürfte.

Doch es ist allein das grundsätzliche Ansinnen, dass ein bezeichnendes Licht auf Heilmann wirft: Er versucht Millionen Menschen den Zugang zur größten freien Wissensdatenbank der Welt zu blockieren - weil er sich beleidigt fühlte.

Dieses Vorgehen sollten jene im Kopf behalten die glauben, die Linke sei eine normale demokratische Partei. Der Begriff SED-Nachfolger umschreibt sie auch weiterhin sehr, sehr gut.

Die tiefe Egalität von Sueddeutsche.de

Donnerstag, 13.11.2008

Der Online-Auftritt der "Süddeutschen Zeitung" hat einst für mächtig Wirbel gesorgt. Zwar lässt er Kommentare zu, doch wurden die Zeiten, in denen Kommentare abgegeben werden dürfen bayerisch-bürokratisch beschränkt. Zwischen 19 und 8 Uhr geht nix, am Wochenende auch nicht.

Ich frage mich: warum? Schließlich scheinen die Kommentare der Redaktion doch ohnehin egal zu sein.

"New York Times" beendet den Irak-Krieg. Fast.

Mittwoch, 12.11.2008

Wussten Sie schon? Der Irak-Krieg ist beendet. US-Universitäten verlangen künftig keine Studiengebühren mehr. Harvard schließt seine Business School. Ach ja, mehr Radwege soll es in den USA auch demnächst geben. Schreibt alles die heutige "New York Times".

Na ja, also... nicht die richtige "New York Times"...
Technorati Profile