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Die Geschichte des VW Golf: Vom Volks-Wagen zum ganz normalen Kompaktauto

Der neue Golf VII ist zum Erfolg verurteilt. Die Vorgänger-Generationen fanden rund 29 Millionen Käufer. Der meistverkaufte Kompaktwagen des Wolfsburger Konzerns wurde entsprechend vorsichtig weiterentwickelt, und soll dennoch revolutionäres bieten. Ein Blick auf den Neuen und die Geschichte der bisherigen sechs Generationen. Bitte klicken Sie auf die Modelle, um mehr zu erfahren.

Golf 7
Golf, 1. Generation (1974 – 1983)

Sein Erfolg überrascht sogar seine Erfinder. „Bisher wurden mehr als 26 Millionen Exemplare von ihm verkauft“, sagt der zuständige VW-Sprecher Bernd Schröder zum meistgebauten Volkswagen. Der Golf knüpft nahtlos an den Erfolg des Käfers an und überrundet ihn schnell als eines der erfolgreichsten Modelle aller Zeiten. Als Marktführer in einem extrem umkämpften Segment ist er auch Wegbegleiter einer ganzen Generation.

Die erste Genration des Käfer-Nachfolgers, der schon Anfang der 70er Jahre nicht mehr konkurrenzfähig ist, verkauft sich bis 1983 rund 6,72 Millionen Mal. Keine andere Golf-Generation erreicht je wieder eine solche Popularität.

Im 50-PS-Basismodell für 7.995 DM die Ausstattung spartanisch. Damals waren getönte Scheiben, Bremskraftverstärker, Servolenkung, Mittelkonsole, Nebelscheinwerfer und Cassettenradio noch erwähnenswerte Extras. Der Wagen wiegt nur rund 800 Kilo. Seine Stärke ist sein Allroundtalent. Als wichtige Ableger entstehen der Jetta ("Rucksack-Golf") und das Cabrio ("Erdbeerkörbchen") und 1982 der Caddy sowie der Golf Diesel und der GTI (beide 1976).

Golf, 2. Generation (1983 – 1991)

Seit der Golf 1974 auf den Markt kam, bestimmte er eine ganz eigene Klasse: die der Kompaktwagen. Und während die erste Generation in Südafrika fast unverändert als Citi noch bis 2009 weitergebaut wird, kommt hierzulande die zweite Generation auf den Markt, die etwas runder im Design wird, - und sie ist fast so erfolgreich wie die erste Generation. 6,41 Millionen Mal verkauft sich der Golf II bis 1991. 1988 läuft der 10millionste Golf vom Band.

Wichtige Ableger: Der Golf GTD ist zur Zeit seiner Präsentation das sparsamste Serienauto der Welt. Der GTI erhält einen 16V-Motor, außerdem bekommt der Synchro den ersten Allradantrieb für einen Golf. Und im Wendejahr 1989 bringen es die aufgeladenen G60-Modelle auf bis zu 160 PS. Servolenkung, ABS (ab Februar 1987), elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und Pollenfilter wurden beim Golf II nun angeboten, wenn auch teilweise zu happigen Preisen.

Golf, 3. Generation (1991 – 1997)

„Der Golf war immer ein Auto, das klassenlos ist. Es ist zugleich eins der wenigen Fahrzeuge, die ihrer Ursprungsform weitgehend treu geblieben sind“, sagt Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Selbst wenn die Bedeutung des Golf durch Konkurrenz auch aus dem eigenen Hause schrumpft und er nicht mehr das meistgebaute Autos des Konzerns ist. 1995 bescherten VW 350.000 verkaufte Golf in Deutschland einen Marktanteil von 54 Prozent, heute liegt er mit rund 200.000 verkauften Fahrzeugen bei rund 28 Prozent. In Generation III wird der Golf nun richtig rund, nicht allen gefällt das. Bei den Maßen und der (Motoren-)Technik bleibt aber neun Produktionsjahre nach dem Golf II vieles beim Alten, allerdings wird er nun deutlich schwerer. Wichtig sind die neuen, sparsamen TDI-Motoren und die kräftigen VR6. Erstmals wird auch ein Elektro-Golf als Kleinserie gebaut.

Wichtige Ableger: 2. Golf Cabrio Generation und Kombiversion (beide 1993), in Europa heißt das Stufenheck statt Jetta nun Vento. 4,96 Millionen Fahrzeuge werden von der 3. Generation bis 1997 verkauft. Nicht alle machen ihren Käufern Freude: Die frühen Jahrgänge kranken unter als "Lopez-Effekt" bekannt gewordenen schlechten Verarbeitungs- und Materialqualität.

Golf, 4. Generation (1997 – 2003)

Fast genau so erfolgreich wie die dritte Generation ist auch der Golf IV. Er findet bis 2003 rund 4,92 Millionen Abnehmer. Wie immer ist die Basis das drei- und fünftürige Schrägheck. Doch die Zahl der Ableger und Varianten wächst. Der Kunde kann bei dieser Generation zwischen 27 Motor-Getriebe-Kombinationen wählen.

So kommt 1998 mit 4 Motion der Allradantrieb, 1999 folgen sparsame Pumpe-Düse-Diesel und der Schleuderschutz ESP wird serienmäßig. Der Golf feiert 1999 seinen 25. Geburtstag, der GTI zwei Jahre später, 2001. Er leistet nun 180 PS. Stärker ist nur noch der supersportliche R32, dessen erste Kleinserie so reisenden Absatz findet, dass VW nachlegen muss. Zwar weist der Golf im TÜV-Report von 2007 nur eine geringe Fehlerquote aus, doch es gibt etliche konstruktionsbedingte Mängel, die bei der HU nicht ermittelt werden und hohe Kosten verursachen können.

Golf, 5. Generation (2003 – 2008)

Der Golf kommt in die Jahre. Für viele Käufer ist er nicht mehr das Maß der Dinge in der Kompaktklasse. Am 31. Dezember 2008 sind in Deutschland noch 786.554 Golf V zugelassen, zum gleichen Zeitpunkt sind aber vom Vorgängermodell mit 1.558.955 Stück fast doppelt so viele Fahrzeuge angemeldet. Immerhin 3,27 Millionen Käufer findet die 5. Generation.

Dabei gibt es technisch viel Neues: Zahlreiche Sicherheits-Features und Assistenzsysteme, neue FSI-Motoren, Tiptronic, 6-Gang-DSG-Getriebe, und die BlueMotion-Spritspar-Technologie. Wichtige Ableger sind der Mini-Van Golf Plus, mit mehr Platz (für Senioren), der CrossGolf, der neue Variant auf Jetta-Basis sowie die GT und GT Sport-Modelle, die sowohl Kompressor als auch Turbolader haben. Last but not least wird der GTI im Jahr 2006 30 Jahre alt (und leistet nun 200 PS), was natürlich mit einem Sondermodell gefeiert wird. Gleiches gilt für den Golf im Jahr 2004.

Golf, 6. Generation (2008 - 2012)

Die Verkaufs- und Zulassungszahlen gehen weiter in den Keller, auch wenn der Golf auf europäischer Ebene immer noch eines der meistverkauften Fahrzeuge ist. Von 2008 bis Ende Juni 2012 entscheiden sich 2,85 Millionen Käufer für den Kompaktwagen. Mittlerweile ist auch dessen Cabrio-Ableger umfassend überarbeitet, erstmals gibt es eine GTI-Version des offenen Golf. Beim geschlossenen Schrägheck werden Dach, Front, Heck und die Leuchten deutlich überarbeitet, innen wird die Geräuschdämmung besser. Golf Plus und Golf Variant sind nach wie vor beliebte Ableger, letzterer basiert aber noch auf dem Golf V.

Was sich 1974 wohl niemand vorstellen konnte: Der Golf wiegt nun 1.270 - 1.541 Kilo, er bietet (auf Wunsch) einen Parklenkassistenten in Verbindung mit einer Rückfahrkamera, adaptive Fahrwerksregelung, ein indirektes Reifendruckkontrollsystem, Bi-Xenonscheinwerfer, dynamisches Kurvenlicht, Rückleuchten mit LED-Technik usw. usw. Der Sechszylindermotor entfällt, der sportlichste Golf R leistet nun 270 PS. Und seit 2009 kann der Wolfsburger Kompaktstar als BiFuel-Variante bestellt werden, die mit Benzin oder Autogas betankt werden kann

Golf, 7. Generation (2012 - ?)

Auf die Frage, wie viele Arbeitsplätze der Wagen sichere, verweist VW auf Studien, wonach die Zahl der Jobs inklusive Zulieferer auf mehr als 50.000 geschätzt wird. Allein 2011 Jahr baut der Konzern fast 914.000 Exemplare des Vorgänger-Modells vom Golf 7. Um diesen Erfolg nicht zu gefährden, wird die siebte Golf-Generation erneut so dezent weiterentwickelt, dass sich das vertraute Bild nicht revolutionär verändert.

Er ist 56 Millimeter länger als bisher (und misst damit 4.255 mm), 13 Millimeter breiter (1.799), 28 Millimeter niedriger (1.452), der Radstand wuchs um 59 auf 2.627 mm, der Kofferraum bietet 30 Liter mehr als die 6. Generation, und damit 380 Liter, die Ladekante weicht 17 Millimeter nach unten und das Gewicht liegt mit 1.150 rund 67 Kilo unterm Vorgänger.

Was bedeutet das? Längerer Radstand steht für etwas mehr Fahrkomfort. Das Umklappverhältnis der Rücksitze bleibt (40:60), mit niedrigerer Ladekante und mehr Stauraum wird der Neue aber praktischer. Der moderate Größenzuwachs soll den Passagieren zu Gute kommen, sie haben hinten 1,5 cm mehr Bein- und 3,1 cm mehr Schulterfreiheit.

Für die Generation Facebook bietet VW einen „Modularen Infotainment-Baukasten“, Touchscreen, Internet-Zugang und Sprach-Anwahl sozialer Netzwerke kostet aber Aufpreis.

Ebenso wie die ganze Armada von Assistenzsystemen, wie Notbremse, Spurwechsel- und Müdigkeitswarner, usw. Im Innenraum wird alles noch ein wenig edler und ergonomischer. Und natürlich wird der Golf sparsamer mit Kraftstoff umgehen. VW verspricht für den 140-PS-Benziner mit Zylinderabschaltung 4,8 L/100 km. Neu ist auch die Produktion per Modularem Querbaukasten, aber das ist eine andere Geschichte ...