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MarktgeschehenMeinung monthly: Wie sicher ist der globale Aufschwung?

Der globale Aufschwung ist bemerkenswert stabil und breit aufgestellt. Die PMI-Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe stehen in praktisch allen bedeutenden Wirtschaftsregionen auf Expansion, alle wichtigen Wachstumslokomotiven – USA, Europa und Asien – stehen unter Dampf. Das Beruhigende an dieser Situation: Selbst wenn eine der Lokomotiven ausfallen sollte, wird der Zug weiter fahren, auch wenn er das ordentliche Tempo nicht ganz wird halten können. Die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft gedeiht in diesem Umfeld prächtig. Der Ifo-Index ist weiterhin nahe eines Allzeithochs und die Kapazitäten in der Industrie und am Arbeitsmarkt sind nahezu ausgelastet. Und noch etwas: Die wirtschaftliche Schwäche und die politische Unsicherheit, die viele Investoren in Bezug auf Frankreich zu Beginn des Jahres noch umgetrieben hat, hat sich in das Gegenteil verkehrt. Frankreichs neue Regierung unter Präsident Emmanuel Macron schickt sich an, das Land grundlegend zu reformieren und im Schulterschluss mit Deutschland die Währungsunion zu stärken. Aus dem einstigen Sorgenkind, das in Lethargie zu verfallen schien, wird voraussichtlich ein politischer und wirtschaftlicher Motor Europas.

Vorsicht vor Stromschnellen

Und dennoch: Das Bild erinnert auch an einen breiten Fluss, der oberflächlich betrachtet ruhig seinen Weg nimmt, bei genauerem Hinsehen aber von Strudeln und gefährlichen Strömungen durchzogen ist. 

Was passiert beispielsweise mit der Weltwirtschaft, sollte Präsident Donald Trump seine protektionistische Politik weiterverfolgen? Der häufig gehörten Behauptung, Trump würde vollmundig vieles verkünden, aber wenig umsetzen, kann in diesem Fall leider nicht zugestimmt werden. Schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit ist das Transpazifische Handelsabkommen, das kurz vor der Ratifizierung stand, vom US-Präsidenten gekippt worden. Das Einreiseverbot für sieben muslimisch geprägte Länder trägt eine nationalistische und protektionistische Handschrift. Das Gleiche gilt für die Beendigung des so genannten Dreamer-Programms, das unter Präsident Obama den Aufenthalt von Migrantenkindern legalisierte. Vor diesem Hintergrund scheint der Ausgang der Neuverhandlungen zwischen Mexiko, Kanada und den USA über die seit 1994 bestehende Freihandelszone NAFTA vollkommen ungewiss. Auch die Drohung von Trump, das Handelsabkommen Korus mit Südkorea aufzukündigen, muss ernst genommen werden.

Brexit und das Unfallrisiko

Zu einem Rückschlag für den Freihandel käme es auch, falls die sehr zäh verlaufenden Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU auf einen harten Bruch – konkret: Großbritannien würde auf den Status eines einfachen Mitglieds der Welthandelsorganisation zurückfallen – mit der EU zulaufen würden. Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere im Vereinigten Königreich, dem dortigen Bankensektor sowie über die Rückwirkungen für Europa nähmen zu und würden sich in einem erneuten Rückgang der Staatsanleihe-Renditen manifestieren.

Die Nordkoreakrise

Eine wesentlich schwerwiegenderen Tragweite hätte eine Zuspitzung des Nordkorea-Konfliktes. Von einer militärischen Auseinandersetzung wären vor allem Südkorea und Japan betroffen, die zusammen einen Anteil von knapp 10 Prozent der globalen Produktion an Gütern und Dienstleistungen haben und die über komplexe Wertschöpfungsketten eine erhebliche Bedeutung für den weltweiten Handel haben. Keine Frage: Renditen und Aktienkurse würden fallen, Risikoprämien steigen und die Konjunktur einbrechen.

Das Problem der Schuldenobergrenze

Zu Beginn des kommenden Jahres könnte die US-Schuldenobergrenze erneut auf die Agenda kommen und Nervosität auslösen. Die Schuldenobergrenze ist eine Besonderheit in den USA, die eine gesetzliche Begrenzung der Verschuldung vorsieht und bei ihrem Erreichen regelmäßig für erhebliche politische Spannungen sorgt. Im Jahr 2013 war es nach dem Scheitern der Verhandlungen über eine Anhebung der Schuldenobergrenze zu einem vorübergehenden Ausgabenstopp im öffentlichen Sektor gekommen. Nach einem kürzlich geschlossenen Abkommen zwischen Trump und den Demokraten wird die Schuldenobergrenze im Dezember erreicht werden.

Chinas Überschuldung wirft Fragen auf

Wie groß ist das Risiko, das von China ausgeht? Das Wirtschaftswachstum in China ist überraschend kräftig, so dass das Land in diesem Jahr auf einen BIP-Zuwachs von 6,7 % zusteuert. Das ist in etwa die Größenordnung des letzten Jahres. Gleichzeitig hat sich die Verschuldung im Unternehmenssektor jedoch weiter erhöht und übertrifft mit 150 % des BIP jedes andere Schwellenland. Die Regierung versucht derweil auf der regulatorischen Ebene alles, um eine Finanzmarktkrise schon im Keim zu ersticken. So interpretieren wir jedenfalls den Eingriff in den Handel mit Kryptowährungen, insbesondere mit der Kryptowährung Bitcoin, die in China eine wachsende Rolle gespielt hat. Hintergrund dieser Eingriffe dürfte der massive  Anstieg des Bitcoin-Kurses innerhalb eines Jahres von rund 600 US-Dollar auf etwa 4000 US-Dollar gewesen sein. Ein Risiko geht vom Immobilienmarkt aus, wo nach massiven Preisanstiegen ein Preiseinbruch die Baukonjunktur und damit auch das BIP Chinas erheblich treffen würde. Insgesamt halten wir an unserer Einschätzung fest, dass sich das Wachstum in China verlangsamt und eine Finanzmarktkrise verhindert wird.

Ist die Welt auf eine Zinswende vorbereitet?

Und schließlich die Frage aller Fragen: Wie wird die Welt eine Straffung der Geldpolitik in den USA und in der Eurozone verkraften? Bei einem vorsichtigen Vorgehen der Notenbanken – die Fed hat seit Ende 2015 vier Zinsschritte durchgeführt, weitere vier sollten bis Ende 2018 folgen – halten wir die Konjunktur für ausreichend robust, um mit den dann höheren Refinanzierungskosten fertig zu werden. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geht es bislang noch nicht um Leitzinserhöhungen, sondern um den Beginn des so genannten Tapering. Genau dieser Schritt, dessen Ankündigung wir für Oktober erwarten, könnte die Renditen aber relativ kräftig erhöhen. Zehnjährige Bunds dürften per Jahresende auf 0,8 % gestiegen sein, von derzeit 0,40 %. In Ländern wie Italien und Portugal könnten die Renditesteigerungen noch etwas höher ausfallen. Werden diese Staaten deswegen in Schwierigkeiten kommen? Eher nicht. Die Konjunktur läuft auch im Süden Europas mittlerweile relativ rund. Damit steigen auch die Steuereinnahmen und erleichtern es, einen höheren Schuldendienst zu leisten. Dazu kommt, dass höhere langfristige Renditen sich nur teilweise in höhere Zinszahlungen übersetzen, weil die Laufzeit der Anleihen im Durchschnitt fünf bis sechs Jahre ist.

Wie beim Fußball

Insgesamt lassen wir uns bei unseren Prognosen von den guten Konjunkturdaten leiten und rechnen mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 % in diesem und von 3,7 % im kommenden Jahr. Es wird aber immer wieder Momente geben, bei denen Ereignisse diese Prognosen in Frage stellen. Letztlich ist es wie beim Fußball: Am Ergebnis selber ist nicht zu erkennen, ob das Spiel auch mal auf der Kippe stand.


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