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DAX Sentiment-Index: Bären dämpfen DAX-Korrektur

DAX SENTIMENT INDEX

Bären dämpfen DAX-Korrektur

"Wir haben keine Pläne für einen 'Grexit'!" Nicht einmal mit solch deutlichen Worten kann Ex-Ministerpräsident Lucas Papademos die Investoren weltweit besänftigen. Die Krise hat sich derart verschärft - ganz gleich ob man damit das politische Tohuwabohu, die strauchelnde Wirtschaft oder die hohen Schuldenberge meint - dass viele Marktteilnehmer mittlerweile fest mit einem Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone, kurz: "Grexit", rechnen. Denn längst hat man erkannt, dass eine Währungsunion ohne Transferzahlungen auf Dauer nicht funktionieren wird.

Beim G8-Gipfel am Wochenende dürften die Europäer gewiss mit guten Ratschlägen und Vorwürfen bombardiert worden sein. Umso spannender ist das heutige EU-Treffen: Zwar verlangt die ganze Welt nach einer Lösung, doch Eurolands Offizielle scheinen sich überhaupt nicht auf eine gemeinsame Linie einigen zu können. Direkte Transferzahlungen an die angeschlagenen Peripherie-Staaten sind natürlich nicht nur verpönt, sondern auch rechtlich unmöglich. Daher rücken immer öfter indirekte Transfermöglichkeiten ins Zentrum der Diskussionen, wie etwa Eurobonds: Aber während Frankreichs Präsident François Hollande heute Eurobonds einfordern will, ließ die Bundesregierung erneut verlauten, gemeinsame Anleihen aller Euroländer seien "nicht der richtige Weg". Und an dieser Haltung wolle man auch bis zum nächsten Gipfel im Juni nichts ändern. Am Ende würde es uns aber nicht wundern, wenn doch in naher Zukunft eine Art Gemeinschaftsanleihe vereinbart würde. Schließlich wäre das kein echtes Novum - die Anleihen des EFSF sind doch längst eine Form von Eurobonds.

DAX wie Börsianer reagierten auf die Fortsetzung des griechischen Dramas ziemlich unentschlossen: Der heimische Leitindex rutschte am Freitag auf ein neues Korrekturtief, konnte sich in der Zwischenzeit aber wieder bis zum Erhebungsniveau der Vorwoche erholen. Zur Schnäppchenjagd ließen sich die von der Börse Frankfurt befragten mittelfristig orientierten Anleger allerdings nicht animieren. Vielmehr kehrten 8 Prozent der Investoren dem bullishen Lager den Rücken. Die jüngste Erholung des DAX könnte vielmehr den einstigen Pessimisten zu verdanken sein, die Gewinne eingestrichen haben: 5 Prozent der Panelteilnehmer verließen das Bärenlager. Damit hat sich die deutliche Polarisierung der Vorwoche wieder drastisch reduziert - die Marktteilnehmer, die noch in der vergangenen Woche beherzt neue Positionen eingegangen waren, haben offenbar mehr vom DAX erwartet, nicht aber damit gerechnet, dass er heute völlig unverändert notiert. Offenbar sind die Vermögensverwalter unentschlossen, ob etwa ein Austritt Griechenlands am Ende positiv oder negativ für den Rest der Eurozone und insbesondere für Deutschland zu bewerten ist. Zumindest erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dass sich die Bundesrepublik vom Rest des Währungsraums abkoppeln kann. Während sie für Deutschland für 2012 ein Wachstum von 1,2 Prozent prophezeit, dürfte die Eurozone insgesamt um 0,1 Prozent schrumpfen. Die Entkopplung am Aktienmarkt findet längst statt: Während der heimische Leitindex noch Jahresgewinne aufweisen kann, notieren viele seiner europäischen Indexkollegen tief im Minus.

Die gute und gleichzeitig schlechte Nachricht für den DAX: Er ist derzeit nicht von großen Schieflagen belastet, so dass sich der von einigen Marktauguren befürchtete Sommerausverkauf letztlich als harmlose, richtungslose Sommerflaute entpuppen könnte. Potenzial für große Sprünge können wir aber von mittelfristiger Seite auch nicht erkennen.

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