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DAX Sentiment-Index: Bären sehen sich überrumpelt

DAX SENTIMENT INDEX

Bären sehen sich überrumpelt

Die Bären hatten in den letzten Tagen nichts zu lachen: Nachdem unser Sentiment-Barometer in der vergangenen Woche zurück in pessimistisches Terrain gefallen war, markierte der DAX am Donnerstag nicht nur sein vorläufiges Tief, sondern konnte sogleich ordentlich aufholen. In der Zwischenzeit geht der heimische Leitindex gar auf Tuchfühlung mit der 7.400er Marke. Ihre bearishen Ambitionen haben viele der mittelfristig orientierten Anleger, die die Börse Frankfurt regelmäßig befragt, vorerst schon wieder über Bord geworfen: Heute verlassen 17 Prozent der Befragten das Pessimistenlager, während das Bullencamp Zulauf in Höhe von 13 Prozent erhält. Unser Bull/Bear-Index, der die Gesamtstimmung misst, vollführt erneut - ähnlich wie schon vor zwei Wochen - einen gewaltigen Satz und notiert nun auf dem vierthöchsten Stand des Jahres.

An der Nachrichtenlage dürfte der kräftige Stimmungsschwenk kaum festzumachen sein, denn seit die Europäische Zentralbank in die Bresche gesprungen ist und unlimitierte Staatsanleihekäufe - auf Antrag - angekündigt hat, scheint der Reform- und Krisenlösungseifer der Politiker nachgelassen zu haben. Zumindest sind allerorten kleine Fortschritte zu erkennen, ob es nun um die Einführung einer gemeinsamen Transaktionssteuer oder das engere Zusammenrücken der Euroländer geht. Die Troika, so hieß es beim Internationalen Währungsfonds, habe sich mit Griechenland in den meisten strittigen Punkten bereits geeinigt und in Spanien kommt man dem Rettungsgesuch, das die Weichen für EZB-Anleihekäufe stellen soll, in Trippelschritten näher. Gestern hieß es in der Presse, Spaniens Regierung werde einen Antrag auf eine präventive Kreditlinie stellen, wolle vorerst aber noch abwarten, um auch die Folgen für andere Staaten abschätzen zu können. Schließlich kursiert die Befürchtung, dass sich der Markt nach einem Hilfsantrag Spaniens förmlich auf Italien stürzen und das Land zu einem ähnlichen Schritt zwingen könnte. Dabei sollten doch dank des jüngsten EZB-Coups derlei Ansteckungsgefahren gebannt sein.

Auch aus den USA kommen noch keine uneingeschränkt positiven Nachrichten. Zwar hat sich das Verbrauchervertrauen zuletzt sehr ermutigend entwickelt, was auf eine weitere konjunkturelle Erholung hoffen lässt. Doch nach wie vor steuert das Land auf die sogenannte Fiskalklippe zu. Gemeint ist bekanntlich eine Reihe von drohenden Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die der amerikanischen Wirtschaft einen empfindlichen Rückschlag versetzen könnte. Mittlerweile sehen 42 Prozent aller internationalen Vermögensverwalter hierin das Hauptrisiko für die Märkte, so die jüngste globale Fondsmanager-Studie von Bank of America/Merrill Lynch.

Auch der jüngste DAX-Anstieg reicht für eine großangelegte Kapitulation der Bären nicht aus. Schließlich ist es nicht das erste Mal in den letzten Wochen, dass der Leitindex in Richtung 7.400er Marke marschiert. Der aktuelle Erholungsdrang des Euros liefert Hinweise auf Interesse aus dem Ausland und auch heimische Vermögensverwalter könnten mit frischen Kapitalflüssen konfrontiert worden sein - überzeugende Argumente, um zunächst von einem Teil ihrer bearishen Engagements abzurücken. Sie haben ihre Positionen aber wohl noch nicht im gleichen Maße angepasst, wie der drastische Stimmungswechsel vermuten lässt. Zumal sie dem DAX auf lange Sicht keine allzu großen Sprünge prophezeien. Die Stimmung dürfte bei nächster Gelegenheit schon wieder nachlassen, der DAX jedoch wohl kaum.

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