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Notenbanken öffnen die Geldschleusen

Notenbanken öffnen die Geldschleusen

Über der Europäischen Union schwebt nach wie vor das Damoklesschwert der Staatsschuldenkrise, Amerika leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit und Japan kämpft, wie einst Don Quijote gegen Windmühlen, gegen die Deflation. Als Allheilmittel wird in solchen Situationen gerne die Geldpolitik gesehen und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Fokus der Finanzmärkte in den letzten Wochen wieder einmal auf die Notenbanken und ihr Handeln richtete. Auch wenn sich die Interventionen in den Details unterscheiden, haben sie alle eins gemeinsam: die Notenpressen wurden wieder angeworfen.

Aller guten Dinge sind drei
Den Anfang machte die Europäische Zentralbank (EZB). Aufgrund steigender Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen und der Diskussion über den Fortbestand der Eurozone und ihrer gemeinsamen Währung wuchs mit jedem Basispunkt mehr Rendite der Druck auf die EZB zu handeln. Die Märkte sollten nicht enttäuscht werden. Die Währungshüter beschlossen unter ihrem Vorsitzenden Mario Draghi, unbegrenzt kurzlaufende Staatsanleihen kriselnder Euromitglieder zu kaufen und somit die Zinsen der jeweiligen Papiere zu senken. Als Bedingung für diese Hilfe müssen die betroffenen Länder unter den Rettungsschirm ESM (European Stability Mechanism) schlüpfen und sich strikten Auflagen unterwerfen. Das Anleihenkaufprogramm ist umstritten, da nach Ansicht zahlreicher Kritiker die EZB damit gegen das Verbot der Staatsfinanzierung verstößt.

Zu weniger strittigen Maßnahmen griff dagegen der Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke. Im Gegensatz zur EZB berücksichtigt die Fed bei ihren geldpolitschen Entscheidungen neben der Preisstabilität der heimischen Währung auch die wirtschaftliche Entwicklung und den Arbeitsmarkt. Um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren und die Konjunktur anzuheizen, kündigte die Notenbank Mitte September die dritte Runde ihres geldpolitischen Lockerungskurses an, das sogenannte Quantitative Easing oder kurz QE3. Anders als bei den beiden vorherigen Programmen konzentriert sich die Fed diesmal nur auf den Kauf von Hypotheken besicherter Wertpapiere. Die Zentralbank hofft dadurch die Vergabe von Hypothekendarlehen anzukurbeln, die Immobilienpreise zu stabilisieren und das Verbrauchervertrauen zu stärken. Das würde höhere Konsumausgaben bewirken, die über einen Anstieg der Unternehmensausgaben zu neu geschaffenen Stellen und einer rückläufigen Arbeitslosigkeit führen sollen. Monatlich sollen für QE3 40 Milliarden US-Dollar bereitgestellt werden und zwar so lange, bis sich die Lage substanziell verbessert.

Die dritte Notenbank im Bunde ist die Bank of Japan (BoJ). Für die meisten Marktteilnehmer überraschend lockerten nach der europäischen und amerikanischen Zentralbank auch die japanischen Notenbanker ihre Geldpolitik. Angesichts der jüngsten Yen-Stärke und einer hartnäckigen Deflation im Land beschloss der BoJ-Rat, das laufende Schatzwechsel- und Staatsanleihenkaufprogramm um 10 Billionen Yen aufzustocken und bis Dezember 2013 zu verlängern. Das Gesamtvolumen der Wertpapierkäufe steigt somit von 70 Billionen auf 80 Billionen Yen (entspricht ca. 790 Mrd. Euro).

Erfolg umstritten
Trotz der zahlreichen Kritik an den Maßnahmen der EZB können die Notenbanker schon die ersten Erfolge für sich verbuchen. Obwohl keines der Krisenländer bisher die Hilfe in Anspruch genommen hat, sind deren Finanzierungskosten deutlich gefallen. Allein die letzte Anleihenauktion Spaniens am 20.09.2012 war mehrfach überzeichnet und die Rendite für zehnjährige Anleihen fiel deutlich auf 5,67 %. Einen weniger erfolgreichen Start prognostizieren Experten hingegen der Maßnahme der amerikanischen Notenbank. Es fehlt schlichtweg das Personal um neue Anträge auf Hypothekendarlehen zu prüfen und zu genehmigen. Somit droht QE3 dort, wo es wirklich helfen soll, nämlich am US-Immobilienmarkt, wirkungslos zu verpuffen. Ebenfalls fragwürdig ist der Erfolg des japanischen Staatsanleihenkaufprogramms. Ob nach über 20 Jahren Deflation nun die Wende eingeläutet wurde und die Inflationsziele der Notenbank erreicht werden, wird sich erst in einigen Monaten zeigen.

Nach der Notenbanksitzung ist vor der Notenbanksitzung
Der Appetit der Märkte auf weitere Geldspritzen ist inzwischen groß. Kaum wurden die letzten Maßnahmen bekanntgegeben, spekulieren die Märkte schon auf weitere geldpolitische Lockerungen. Während in den USA und Japan weitere Staatsanleihenkäufe vorstellbar sind, wird bei der EZB über eine erneute Senkung des Leitzinses, die Ausweitung der langfristigen Geldgeschäfte (LTRO) oder eine Herabsetzung des Zinssatzes für Einlagen der Geschäftsbanken unter null nachgedacht. Wenn auch Sie mal in der Rolle des obersten Währungshüters schlüpfen und für die zukünftige Geldpolitik verantwortlich sein wollen, dann versuchen Sie Ihr Glück mit dem in unserer Rubrik "imEcho" vorgestellten Spiel der EZB: €CONOMIA.





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