
Die Bundesbank war dieses Jahr viel in den Schlagzeilen. Ihr bisheriger Präsident, Axel Weber, trat im April überraschend zurück, da er im Rat der Europäischen Zentralbank keine Chance sah, das Überschreiten des Rubikons - die Staatsfinanzierung durch die Notenbank - zu verhindern.
So dringend die Klärung der Nachfolgefrage war, so schnell fand sich die Lösung: Jens Weidmann, bislang Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt, 43 Jahre alt, trat am 1.Mai 2011 das Amt des Bundesbankpräsidenten an. Jens Weidmann war fünf Jahre lang der engste wirtschafts- und finanzpolitische Berater der Bundeskanzlerin. Er hat die wichtigsten Entscheidungen auf diesem Gebiet vorbereitet, Alternativen abgewogen und mit den Fachressorts abgestimmt. Er muss es gut gemacht und das volle Vertrauen der Bundeskanzlerin erworben haben.
Seine jungen Jahre - er kam mit 38 Jahren ins Bundeskanzleramt - standen dem nicht im Wege. Sein bisheriger beruflicher Lebensweg war bereits so vielseitig, dass ihn auch fernstehende Aufgaben nicht überraschen konnten.
Weidmann hatte seine Ausbildung zum Volkswirt vielseitig angelegt mit Studium unter anderem in Frankreich und Bonn sowie Praktika im In- und Ausland. Er promovierte bei dem Geldtheoretiker Manfred J.M. Neumann in Bonn. Weidmann arbeitete im Internationalen Währungsfonds und wurde dann Generalsekretär des deutschen Sachverständigenrates, eine Position, die harte Arbeit und diplomatisches Geschick im Umgang mit fünf selbstbewussten Professoren erfordert. Wie seine Vorgänger und Nachfolger zeigten, ist diese Position durchaus karriereträchtig.
Es war der damalige Bundesbankpräsident Axel Weber, vorher selbst Mitglied des Sachverständigenrates und überdies Zweitgutachter bei der Promotion, der Weidmann als Abteilungsleiter für Geldpolitik und monetäre Analyse in die Bundesbank holte. Nicht wenige, die vorher diese Funktion innehatten, sind beruflich gut vorangekommen, wurden etwa Landeszentralbankpräsidenten oder Mitglieder des Direktoriums der Bundesbank oder wechselten zu internationalen Organisationen. Aber eine Berufung ins Bundeskanzleramt, das war doch eine Ausnahme.