Börsengänge 2011
Wenn der Börsengang aufs Glatteis führt

Der Gang aufs Parkett war 2011 für viele Unternehmen ein riskanter Gang aufs Glatteis. Die Börsenturbulenzen haben einigen sogar die Lust auf den IPO komplett verdorben. Wissenswertes zu einer mageren IPO-Saison.
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DüsseldorfDas Jahr 2011 wird nicht gerade wegen der großen Euphorie der Anleger in die Annalen der Geschichte eingehen. Viele Unternehmen bekamen das zu spüren, als sie am Kapitalmarkt frisches Geld einsammeln wollten. Für einige gab es nur zwei Alternativen: Lassen wir den Börsengang kleiner ausfallen – oder ganz ausfallen?

Besonders seit dem großen Börsensturz im August ist jede Lust auf Risiko verflogen. Anlegerbevorzugen Staatsanleihen und Tagesgeldkonten – sichere Anlagen mit geringen Renditen – anstatt auf Risiko zu setzen und neue Aktien zu zeichnen. Besonders am Ende des Jahres ist der IPO-Markt (Initial Public Offering) fast ausgetrocknet. Von Oktober bis November gingen weltweit nur 148 Unternehmen an die Börse, bei denen insgesamt 15 Milliarden US-Dollar eingesammelt wurden, hat das Beratungsunternehmen Ernst & Young errechnet. Im Vorjahr seien es im gleichen Zeitraum noch 306 Börsengänge mit einem Volumen von 104 Milliarden Euro gewesen. Doch es könnte schlimmer sein: Immerhin liegt die Anzahl der Börsengänge von Januar bis November noch doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum des Krisenjahres 2009.

„IPO-Kandidaten befürchten, bei einem Börsengang nicht die gewünschten Summen realisieren zu können. Entsprechend viele Unternehmen verschieben ihre IPO-Pläne und warten auf bessere Zeiten“, so Roger Müller, Partner Financial Accounting Advisory Services bei Ernst & Young. „Die aktuelle Volatilität an den Weltbörsen und die Euro-Krise ist Gift für das IPO-Klima.“ Auch wenn die IPO-Saison 2011 etwas dürftig war, haben einige bekannte Namen und große Player den Gang aufs Parkett gewagt. Es wurden sogar einige Rekorde gebrochen.

Eine starke IPO-Saision hatte trotz allem noch die Branche der Internet- und Social-Media-Unternehmen. Linkedin glänzte an seinem ersten Börsentag zeitweise mit einem Plus von 170 Prozent. Facebook verschob den eigenen Börsengang zwar auf 2012, schraubte die Erwartungen an den Unternehmenswert jedoch immer höher. Derzeit gehen Experten davon aus, dass Facebook an der Börse einen Wert von 100 Milliarden Dollar erzielen würde. Doch die Vorbilder sind zum Teil ernüchternd, einige der Internetbörsengänge wurden innerhalb kurzer Zeit vom Top zum Flop - erst vor einigen Wochen gesehen bei Groupon.

Der größte Börsengang des Jahres war gleichzeitig der größte, den es an der Londoner Börse je gab. Der Schweizer Rohstoffgigant Glencore verdiente (inklusive dem zweiten Börsengang des Unternehmens an der Börse in Hongkong) elf Milliarden Dollar.

Doch auch wenn der größte Börsengang des Jahres in Europalag – 68 Prozent aller Neuemissionen fanden in den ersten elf Monaten dieses Jahres in Schwellenländern statt, so die Ernst & Young-Studie, außerdem auch vier der zehn größten Börsengänge. Die aktivsten IPO-Länder waren China, Polen und Australien.

Bis sich wieder mehr Unternehmen an die Börse wagen, kann es noch einige Monate dauern - selbst wenn die Euro-Krise bis dahin einigermaßen im Griff ist. Laut Roger Müller dürfte es bis März 2012 keine Trendwende geben. Erst wenn sich die Staatsschuldenkrise legt und die Märkte ruhiger werden, werde sich das Klima für Börsengänge wieder verbessern.

Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

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