Familienunternehmer des Jahres
Ludwig Merckle - Der Retter

Nach dem tragischen Tod seines Vaters hat Ludwig Merckle die angeschlagene Unternehmensgruppe wieder auf starke Beine gestellt. Den allgegenwärtigen Pessimismus hat er stets souverän ignoriert.
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„Hinfallen“, so soll der berühmte griechische Philosoph Sokrates einmal gesagt haben, „ist nicht schlimm. Schlimm ist nur, dort liegen zu bleiben, wo man hingefallen ist.“

Als Ludwig Merckle vor knapp drei Jahren die familieneigene Unternehmensgruppe in die globale Finanzkrise geraten sah, und kurz darauf unter tragischen Umständen auch noch seinen Vater, Adolf Merckle, verlor, muss ihm dies wie ein tiefer Fall vorgekommen sein. Auch mich persönlich machten die außerordentlichen Entwicklungen der Firmengruppe und der schmerzhafte Verlust des Vollblutunternehmers Adolf Merckle zutiefst betroffen. Doch Merckle blieb nicht liegen.

Nach einer langen Ära des erfolgreichen Wachstums hatten kreditfinanzierte Übernahmen innerhalb der Merckle-Gruppe zu einer zu hohen Verschuldung geführt. Von angespannten Finanzmärkten verunsichert, forderten nervöse Banken zusätzliche Sicherheiten und Kredittilgungen. Das einzigartige Lebenswerk, welches die Familie Merckle über viele Jahrzehnte mit unbändigem Mut, Einsatz und Fleiß geschaffen hat, drohte in sich zusammenzufallen. Viele Vertreter aus Wirtschaft und Medien waren sich sicher: Von dem Verbund aus so namhaften Firmen wie Ratiopharm, Heidelberg Cement und Phoenix sowie ihren rund 100.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 35 Milliarden Euro würde nicht mehr viel übrig bleiben.

Seitdem hat sich das Bild jedoch entscheidend aufgehellt. Innerhalb kurzer Zeit ist es dem 46-jährigen Sohn gelungen, die Unternehmensgruppe zu konsolidieren und auf ein neues Fundament zu stellen. Dank seiner klaren Strategie steht sie mittlerweile kleiner, aber schlagkräftiger da. Haben die Merckle-Holding im Jahr 2009 noch Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe geplagt, ist sie heute quasi schuldenfrei. Der Verkauf von Ratiopharm gelang – trotz unverändert schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen – mit beachtlichem Ergebnis. Leistungsstarke Unternehmen, auf deren Veräußerung Spekulanten gehofft hatten, konnten in der Gruppe verbleiben. So meldete beispielsweise der Pistenbully-Hersteller Kässbohrer im abgelaufenen Jahr einen neuen Rekordumsatz.

Besonders eindrucksvoll demonstriert die Entwicklung von Heidelberg Cement die erfolgreiche Neuausrichtung. Im zyklischen Baugeschäft aktiv, bekam der Konzern die Auswirkungen der Lehman Brothers-Pleite auf die Realwirtschaft in voller Wucht zu spüren. Umsatzeinbrüche von bis zu 45 Prozent, Rezession in wichtigen Absatzmärkten und eine steigende Verschuldung gehörten zu den großen Herausforderungen, vor denen das Traditionsunternehmen stand. Beherzt erwirkte das Management mit seinem langjährigen Aufsichtsratsmitglied Ludwig Merckle eine Kapitalerhöhung, dank derer die Schulden erfolgreich refinanziert wurden. Der Lohn für die Anstrengungen blieb nicht aus: Im Juni 2011 entschied die Deutsche Börse, Heidelberg Cement in den Dax aufzunehmen – als erstes deutsches Unternehmen im Bau- und Baustoffsektor überhaupt.

Als Europäischer Kommissar für Energie freut es mich besonders, dass ein Teil der Einsparungen durch Energieeffizienzprogramme und ressourcenschonende Arbeitstechniken erzielt werden. Die Weichen für nachhaltiges Wirtschaften sind aber auch deshalb gestellt, weil Ludwig Merckle seine Anteile unlängst wieder auf mehr als 25 Prozent erhöht hat und das Unternehmen damit vor feindlichen Übernahmen bewahren kann..

Kommentare zu " Familienunternehmer des Jahres: Ludwig Merckle - Der Retter"

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  • War es nicht Herr Merckle jr., der sich in VW-Aktien verspekuliert hatte und damit die finanzielle Krise des Konzerns überhaupt ausgelöst hat?

  • War es nicht Ministerpräsident a.D. Oettinger und seine Baden-Württembergische Landesregierung, welche Herrn Merckle sen. eine Landesbürgschaft verwehrt hatte und damit seinen Teil zu dieser unternehmerischen, aber auch familiären Tragödie beigetragen hat. Diesen Herrn nunmehr eine Laudatio auf Herrn Merckle jun. schreiben zu lassen zeigt einmal mehr den moralischen Verfall unserer Politik- und Medienlandschaft.

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