Lobbyisten des Jahres Von der Protestbewegung zur grünen Volkspartei

Noch nie hatten die Grünen so viel politischen Rückenwind wie in diesem Jahr. Sie profitieren vom grün-gesellschaftlichen Mainstream. Doch für den großen Durchbruch braucht die Partei einen neuen Partner - die CDU.
  • Klaus Engel
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Grüne Luftballons am Rande einer Berliner Wahlparty: Die Partei erlebt einen Zuspruch wie nie zuvor. Quelle: dpa

Grüne Luftballons am Rande einer Berliner Wahlparty: Die Partei erlebt einen Zuspruch wie nie zuvor.

(Foto: dpa)

Das Jahr 2011 war eindeutig das Jahr der Grünen. Sie haben erreicht, wovon andere Lobbyisten nur träumen können.

Die Kernforderungen der Partei, die vor 30 Jahren die politische Bühne der Bundesrepublik Deutschland betrat, sind inzwischen fast alle Wirklichkeit geworden: der Atomausstieg, die Energiewende hin zur alternativen Erzeugung, die Abschaffung der Wehrpflicht, die Frauenquote, die Verkehrspolitik, der Verbraucherschutz.

Als i-Tüpfelchen für die Leistung gibt es in Deutschland – und noch dazu im jahrzehntelang von der CDU dominierten Baden-Württemberg – den ersten grünen Ministerpräsidenten Deutschlands. Die Wahl Winfried Kretschmanns zum Landesvater im Ländle markiert einen Meilenstein für die Partei. Die Grünen sind damit auf dem besten Weg, sich vom einstigen Verweigerer-Sammelbecken zur Volkspartei zu entwickeln.

Die grüne Erfolgsserie hat dabei nicht allein mit dem Reaktorunglück in Fukushima zu tun, wie uns manche glauben machen wollen. Sie ist eher eine langfristige Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.

Die Grünen genießen bis heute ungebrochen hohe Unterstützung bei jungen Menschen. Darüber sollten auch nicht der Erfolg der Piratenpartei und die guten Prognosen für diese Partei hinwegtäuschen. Denn ob die Piraten nach ihrem ersten Wahlerfolg in Berlin auf Dauer im grünen Unterholz wildern können, da sind Zweifel durchaus angebracht.

Die wirkliche Überraschung aber ist, dass die grünen Wähler der ersten Stunde „durchgewachsen“ sind. Sie stehen oft noch als Besserverdienende treu zu ihrer Partei und den alten Idealen. Sie beherrschen über weite Strecken die politische Kultur: Sie pflegen ihren ökologisch korrekten Hedonismus und ihre zumindest subjektiv empfundene Nachhaltigkeit im unmittelbaren Lebensumfeld. Dass in grünen Haushalten zwei, oft gar drei Autos gefahren werden und der Nachwuchs im PS-starken Geländewagen mit Greenpeace-Aufkleber in den Kindergarten gebracht wird, nimmt ihnen so lange keiner übel, wie die politische Konkurrenz daraus kein Thema macht.

Und damit nicht genug. Das grüne Establishment geht in den Metropolen sogar lebensweltlich schon längst mit Konservativen in einem schwarz-grünen Milieu auf. Der alte Bürgerschreck Daniel Cohn-Bendit bringt das auf den Punkt: „Wir Grünen und die CDU treffen uns auf Vernissagen und Opernpremieren. Da sind die Sozialdemokraten, diese Banausen, nie dabei.“ Die Bionade-Bourgeoisie ist schick.

Die CDU wendet sich aus Wahltaktik den Grünen zu
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8 Kommentare zu "Lobbyisten des Jahres: Von der Protestbewegung zur grünen Volkspartei"

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  • Die Grünen eine Volkspartei, dass ich nicht Lache…. Die Schreiberlinge des Handelsblattes haben keine Ahnung, obwohl vielleicht die Wähler der Grünen. Die Grünen sind für mich die Nazipartei der Neuzeit und ihre Wähler die gleichen wie damals.

  • Ohne Zweifel ist die Kombination aus Rohstoffen, Energie und Wissen der Schlüssel für eine wirtschaftliche Dominanz, wenn die Völker solcher Länder von Arbeitswillen beseelt sind und ein Qualitätsbewußtsein entwickelt haben.

    Die heutigen alimentierten Umverteilungseliten zerstreuen sich im Wind, wenn die Alimente ausbleiben. Parteiendiktatur, Behörden-Wasserköpfe und Lobbyismus sind dann böse Erinnerungen an die Zeit mit einer Staatsquote von über 50 Prozent. Dann brechen wieder die Tugenden durch, die Deutsche auch 1945 bis 1955 beseelt haben, bis es gelang, sie erneut in die Irre zu führen. Der Rest ist Geschichte.

    Hans Kolpak
    Deutsche ZivilGesellschaft

  • Alle Grünen: ÜBERFLÜSSIG & GEFÄHRLICH!

    http://www.youtube.com/watch?v=UpAUQY4Wwlo

    http://www.youtube.com/watch?v=8FTfTDKiFbI&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=EuM42474g4g&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=CCjtgd_f3G4&feature=related

    C. Roth: HOHL & DAUERBEKIFFT
    http://www.youtube.com/watch?v=9uLtmJ7h5_o&feature=related

  • Die Grünen sind m.E. nach überflüssig!
    Es wird Zeit, dass die Medien diese Partei einmal hinterfragen.

    http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2010/11/07/9-11-10-deutschfeindliche-zitate-der-grunen-u-a/

  • Grüne Volkspartei, dass ich nicht lache. Das sind Sozis im grünen Mäntelchen, und genau auch solche Volksverbrecher wie Gabriel oder Murksel. Einfach Abschaum.

  • Solange die Grünen weiterhin stets Rückendeckung durch die Medien erhalten, braucht sich die Partei keine Sorgen machen. So belegt u.a. eine Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin, dass Politikjournalisten mit großer Mehrheit links (meist grün) orientiert sind. Und nicht nur das: 32,5 Prozent der Befragten geben an, mit ihrer Arbeit "die politische Tagesordnung beeinflussen und Themen auf die Agenda setzen" zu wollen.

    Erst wenn die Medien anfangen würden, der Dagegen-Partei auf den Zahn zu fühlen, würde sich die Stimmung im Land schnell ändern. Schließlich haben die Grünen keine wirkliche Antwort auf vielen drängenden Fragen, wie z.B. den demographischen Wandel, die Überschuldung Deutschlands, usw…

  • "der werktätige Teil" sind dann doch nur Einwanderer aus Suedeuropaischen Pleitelaender. Die sollen bitte schoen arbeiten und eindeutig keinen Krach machen.

  • Ein wichtiger Punkt wurde in dem Artikel noch nicht erwähnt. Der demographische Wandel, der speziell die CDU immer stärker zur Seniorenunion mutieren lässt.
    Somt treffen bei Grün/Schwarz diejenigen, die den Industriestandort Deutschland aus ideologischen ruinieren möchten, mit solchen zusammen, denen das aus biologischen Gründen nichts mehr ausmacht. Weil sie nämlich ihre Renten und Pensionen in Ruhe geniessen wollen und deshalb der werktätige Teil der Bevölkerung doch bitte nicht mehr so viel Krach machen soll.
    Tolle Ergänzung.

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