Ökonomin des Jahres
Beatrice Weder di Mauro - Die Wahrheitssprecherin

Beatrice Weder di Mauro spricht in der Euro-Krise aus, was viele Wissenschaftler lieber verschweigen: unangenehme Wahrheiten. Diese Unerschrockenheit macht sie zur Ökonomin des Jahres.
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Eine verbindliche Schuldenbremse, mehr Rechte für Europa statt für die Einzelstaaten, der Eintritt in eine Fiskalunion: Mit den Beschlüssen der Staats- und Regierungschefs vor einigen Wochen startete die EU „in eine neue Ära“, wie das Handelsblatt schrieb. Damit verschafften sich die Regierungsspitzen der Euro-Zone zumindest eine Atempause an den Finanzmärkten – und sie verschafften Beatrice Weder di Mauro die Bestätigung, dass ihre Sicht auf die Probleme eine Richtschnur zur Lösung ist.

Denn in vielen – wenn auch nicht in allen – Aspekten erinnern die Beschlüsse des Gipfels an die Empfehlungen, die Beatrice Weder di Mauro in den Wochen zuvor Europas Politikern mit auf den Weg gegeben hatte.

Die Ökonomin hat damit geschafft, was nicht vielen Wissenschaftlern gelingt: Gehört zu werden in einer Zeit, in der sich die Gewählten oft eher mit hektischen und kurzlebigen Symbolakten aufhalten als mit der Orientierung am langfristig Gebotenen. Es ist kein Zufall, dass die Ratingagenturen und mit ihnen die Märkte in diesem Fall eher die Sofortmaßnahmen im Rettungspaket als die dauerhafte Perspektive vermissen.

Weder di Mauros Wort hat Gewicht, weil sie internationales Ansehen genießt und nicht nur in einem der beteiligten Länder. Ihr Wort hat Gewicht, weil sie ihre Kritik auf den Punkt bringt, dabei aber immer konstruktiv bleibt. Und ihr Wort hat Gewicht, weil sie sich mit dem Thema Staatsverschuldung auskennt wie kaum ein anderer Wirtschaftswissenschaftler.

Das liegt an ihrer Biografie: Aufgewachsen als Tochter eines Expatriats in Guatemala, lernte die Schweizerin früh kennen, wie verheerend sich ein überbordender Schuldenapparat auf Wohlstand und Lebensweise der Bevölkerung auswirkt. Diese Erfahrung trug zu ihrer Entscheidung bei, Forschung über Finanz- und Schuldenkrisen zu betreiben.

Seit 2001 lehrt Beatrice Weder di Mauro als Professorin an der Universität Mainz, seit 2004 ist sie Mitglied des deutschen Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, mithin eine der fünf „Wirtschaftsweisen“ – als erste Frau überhaupt, als erste Ausländerin überhaupt.

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Beatrice Weder di Mauro - Die Wahrheitssprecherin

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Überzeugte Verfechterin der Währungsunion

Kommentare zu " Ökonomin des Jahres: Beatrice Weder di Mauro - Die Wahrheitssprecherin "

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  • Bevor sich die Professorin zu solchen Feststellungen
    hinreißen läßt, sollte sie sich lieber mit dem Absatz
    2. Euro-Gewinner Deutschland? der FAZ ''Sorge um
    Deutschland und Europa befassen'' in der dargelegt
    wird, daß der Erfolg nicht wegen des Euro, sondern
    trotz des Euro und wegen dessen Krise gekommen ist.
    Vielleicht hat Beatrice Weder di Mauro noch Zeit,
    mit einem Vorgehen gegen das hemmungslosen Gelddrucken
    und Anfkaufens von faulen Staatsanleihen der EZB in
    Verbindung mit Target II, sich als deutsche Johanna
    von Orleans zu profilieren, um das finanzielle Aus-
    bluten der BRD noch zu verhindern. Viel Zeit bleibt
    ihr allerdings nicht!!









  • Frau de Mauro mag eine Verfechterin der Währungsunion sein, ihre Ratschläge Schuldenbremsen und harte Sparpolitik für alle sind wohlfeil, aber trotzdem kontraproduktiv und schlicht falsch. Sie geben außer eine Wiederholung der Fehler von gestern, keinerlei ökonomische Zukunftsperspektive. Wer sich und anderen, wie Frau de Mauro, einredet, die Staatsschulden seien das Problem der Eurokrise, der missachtet eindeutige Fakten, die das Gegenteil belegen, nämlich die Tatsache, dass wir nach wie vor eine Finanz- und Bankenkrise haben, deren Folge die hohen Staatsverschuldungen sind. Der Glaube an die Funktion der Finanzmärkte als Regulator wirtschaftlichen Fehlverhaltens ist eine Chimäre, deren Tradierung zu Scheinlösungen geführt hat. Die Finanzmärkte sind spekulationsgetrieben und keine verlässliche Prognose für wirtschaftliche Endscheidungen. Sie sind herdengetrieben wo viele glauben aus der Tendenz ließe sich sinnvolles makroökonomisches Handeln erkennen. Die Tatsache, dass der Herdentrieb noch dadurch verstärkt wird, dass Computersysteme menschliche Urteilskraft ersetzen sollen, indem sich Kaskaden von 90 Millionstel Sekunden Endscheidungen um den Erdball rasen zeigt, wie losgelöst von jeder realwirtschaftlichen Vernunft lemminghaftes hintereinanderher rennen zur ökonomischen Notwendigkeit hochstilisiert wird. Wenn Frau de Mauro darin den Sinn der Krisenlösung sehen will, sei ihr das gegönnt. Der Erkenntniswert tendiert gleichwohl nach Null, weil hier einer Pseudowissenschaft das Wort geredet wird, die sich, so hofiert, selbst ad absurdum führt.

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