Serie „Gesichter der Krise“
Maribors Bürgermeister strebt nach Unabhängigkeit

Franc Kangler ist Bürgermeister von Sloweniens zweitgrößter Stadt Maribor. Und als solcher muss er als Folge der Euro-Krise sparen – und das ganz gewaltig. Für die wachsende Verschuldung sieht er nur eine Lösung – und die ist ungewöhnlich.
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WienSlowenien ist ein kleines Land. Sehr gut vergleichbar mit Thüringen, zwei Millionen Einwohner und gut 20.000 Quadratmeter Fläche. Als eigenständiger Staat aber eben souverän. Die wirtschaftlichen Probleme des Landes sind gewaltig. Vor der Finanzkrise galt Slowenien noch als Vorzeigebeispiel für ganz Osteuropa, das kleine Land durfte deshalb 2007 der Euro-Zone beitreten. Heute jedoch wächst die Staatsverschuldung gewaltig, Slowenien muss rigide sparen.

Auch Franc Kangler steht damit vor einer neuen Situation. Der 46-jährige ist Bürgermeister von Maribor, mit etwa 120.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Kangler schimpft, weil er selbst gewaltig sparen muss. „Das ganze Geld geht in unsere Hauptstadt, nach Ljubljana“, ist seine größte Klage.

Der Bürgermeister von Maribor, ein Konservativer und seit Jahren Vollblutpolitiker, will dieser – aus seiner Sicht – einseitigen Geldverteilung ein Ende setzen, mit einem ziemlich spektakulären Vorschlag. Maribor und am besten gleich der gesamte Nordosten des kleinen Landes sollen unabhängig werden und die Trennung vom Rest des Landes samt der Hauptstadt Ljubljana einleiten.

Historisch gesehen gäbe es für solch einen Schritt sogar eine gewisse Parallele. Maribor ist das Zentrum der Provinz „Stajerska“, der Untersteiermark, gehörte also bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zur Steiermark und zu Österreich. Von daher gibt es viele traditionelle Verbindungen nach Graz und nach Wien – und weniger nach Ljubljana.

Die Unabhängigkeit für Maribor und die die Stadt umgebenden Landkreise wird aber wohl mit ziemlicher Sicherheit der Traum von Franc Kangler bleiben. Denn das wäre in etwa so, wenn Eisenach und das westliche Thüringen nach Souveränität streben würden. Und so etwas würde allein schon aus wirtschaftlichen Gründen überhaupt nicht funktionieren.

Der Bürgermeister aus Maribor hat einen Gedanken laut geäußert, der ihm wohl ordentlich Wählerstimmen bringen sollte. Die Realität sieht ganz anders: Die Regierung in Ljubljana wird weitere ordentliche Sparbeschlüsse über das ganze Land verhängen – und damit auch Maribor treffen. Vielleicht der einzige Trost für Franc Kangler in dieser wenig komfortablen Situation: Auch weiter nördlich, in Graz und in Wien, muss kräftig gespart werden.   

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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