Trübe Aussichten
In der neuen Bankenwelt reichen Stellenkürzungen nicht aus

Schlechte Geschäfte, härtere Eigenkapitalregeln und trübe Umsatzaussichten: Dieser Dreiklang macht den Bankern Angst, vor allem den erfolgsverwöhnten Investmentbankern. Sie haben ein schwieriges Jahr hinter sich.
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Zürich, Düsseldorf, LondonBeispielsweise kündigte die Schweizer Großbank Credit Suisse nach enttäuschenden Quartalszahlen Anfang November an, ihren Stellenabbau zu verschärfen. Statt bisher 2000 sollen jetzt insgesamt 3500 Jobs wegfallen – das sind rund sieben Prozent. Auch die dänische Danske Bank will in den kommenden drei Jahren 2000 Stellen streichen, fast zehn Prozent aller Stellen.

Mit ihren Kürzungsplänen befinden sich die beiden Banken in bester Gesellschaft. Und Analysten sind skeptisch, dass der Trend bald enden wird.

Abschwünge hat es im Bankgeschäft immer wieder gegeben. Doch Banken müssen jetzt nicht nur mit sinkenden Einnahmen fertig werden. Die neuen Regeln wie die strengeren Eigenkapitalvorschriften Basel III oder das US-Gesetz Dodd-Frank schaffen eine neue Bankenwelt. Um sich darauf einzustellen, reichen Stellenkürzungen nicht aus. Kurz gefasst, brauchen Banken mehr Kapital und müssen Risiken abbauen. Das heißt, sie müssen auf Geschäfte verzichten. Noch ist nur in Umrissen erkennbar, welche Folgen das haben wird. „Basel III wird die Banken zwingen, ihr Geschäft zu verändern“, sagte Credit-Suisse-Chef Brady Dougan in seiner Strategieerklärung im Anschluss an die Präsentation der enttäuschenden Geschäftszahlen für das dritte Quartal. „Credit Suisse will hierbei eine Vorreiterrolle einnehmen.“

Weil es für die meisten Institute angesichts des Misstrauens der Investoren und der Rating-Agenturen sehr schwierig werden dürfte, sich frisches Kapital zu besorgen, müssen sie Risikoaktiva abbauen. Denn der Staat ist diesmal nicht in der Lage einzuspringen und den meisten Instituten wird es schwerfallen, die Lücke mit eigenen Gewinnen aufzufüllen, warnen die Analysten der britischen Bank Barclays. Gleichzeitig ist das Misstrauen der Investoren gegenüber der Finanzbranche so groß, dass viele Institute keine Chance sehen, neues Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen.

„Die höhere Kapitalunterlegung nötigt die Banken zur Disziplin und zwingt sie zu einer Portfoliobereinigung“, meint Eva Dewor von der Beratungsgesellschaft Accenture. Jedes Institut müsse jetzt genau überlegen, wie es sein knappes Kapital am besten einsetze. Der Anpassungsprozess sei bereits in vollem Gange.

Credit Suisse kürzt neben Jobs auch die eigene Bilanz. Im Anleihegeschäft will die Großbank risikogewichtete Aktiva im Volumen von 100 Milliarden Franken abbauen, das stellt eine Halbierung dar. Geschäfte wie ungesicherte Zins-Tauschgeschäfte oder Verbriefungen will die Credit Suisse ganz aufgeben.

Kommentare zu " Trübe Aussichten: In der neuen Bankenwelt reichen Stellenkürzungen nicht aus"

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  • Der Finanzsektor hat sich in weiten Teilen in den vergangen Jahren von der Realwirtschaft abgekoppelt. Mit immer neuen Finanzierungstechniken ,Finanzprodukten und Strategien wurde letztlich ein überdimensionierter und überbesetzter Bereich geschaffen.Die Finanzkrise hat diese Fehlentwicklungen auf drastische Weise offen gelegt. Eine Kehrtwende war daher unvermeidlich.

  • Der Finanzsektor hat sich in weiten Teilen in den vergangen Jahren von der Realwirtschaft abgekoppelt. Mit immer neuen Finanzierungstechniken ,Finanzprodukten und Strategien wurde letztlich ein überdimensionierter und überbesetzter Bereich geschaffen.Die Finanzkrise hat diese Fehlentwicklungen auf drastische Weise offen gelegt. Eine Kehrtwende war daher unvermeidlich.

  • "Die neuen Regeln wie die strengeren Eigenkapitalvorschriften Basel III oder das US-Gesetz Dodd-Frank schaffen eine neue Bankenwelt. Um sich darauf einzustellen, reichen Stellenkürzungen nicht aus. Kurz gefasst, brauchen Banken mehr Kapital und müssen Risiken abbauen."

    Heißt also, dass Stellenkürzungen schon mal ein Anfang sind, oder wie oder was?
    Könnte es nicht sein, dass diese Stellen dann zur Schaffung einer "neuen Bankenwelt" fehlen werden, wo es doch nun so viele neue Regeln umzusetzen gilt?
    Nein, das Credo lautet Stellenabbau zu erst! Wie gesamtgesellschaftlich der Sozialabbau an vorderster Stelle steht. Sind denn diejenigen, die nun unter Stellen- bzw. Sozialabbau zu leiden haben für die derzeitige Misere verantwortlich? Doch wohl nicht!
    Wäre es nicht naheliegender zunächstmal die Verantwortlichen auf den höchsten Entscheidungsebenen zu suchen und hier mit dem Abbau des Überbaus zu beginnen?
    Lauert nicht dort das Risiko?

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