Vorbild gesucht
Der Banker des Jahres 2011

Keine Berufsgruppe ist so verrufen wie die Finanzindustriellen. Ihnen fehlt nicht nur der Bezug zur Gesellschaft, sondern auch eine Idee von der Zukunft der eigenen Zunft. Den Banker des Jahres gibt es deswegen nicht.
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DüsseldorfMir der Fragwürdigkeit bewusst, auf einen von mir verfassten Text zu verweisen, möchte ich doch an meine "Ungehaltene Rede" erinnern, die ich wegen ihres vorgeblich provokanten Inhalts im Jahr 2004 nicht halten durfte. Ich wollte damit, der ich in meinen Mannesjahren selbst ein sündiger, aber auch reuiger Bankkaufmann war, das Handeln der in der Welt des Geldes Handelnden anprangern.

Dabei hatte ich ihrem auf die Maxime des Gewinns ausgerichteten Tun die Maxime Immanuel Kants entgegengestellt, all jenes Handeln auszuschließen, das anderen schadet. Womit ich Kant posthum den Tort angetan habe, ihn und sie in einem Atemzug zu nennen.

Diese Feststellung scheint mir heute aktueller denn je. Beim Ausleben ihrer Lust, dem Profit nachzujagen, bedienen sich die Bankherren des von ihnen erfundenen künstlichen Geldes. Zwar hat es sich zu einem Naturgesetz herausgebildet, dass Geld keine Ware ist, doch haben diese Banker dieses eherne Regelwerk mit der Fabrikation wertloser Produkte außer Kraft gesetzt.

Was sie aus den Augen verloren haben, ist die Suche nach dem Sinn. In der Finanzindustrie herrscht die Kurzsichtigkeit über den langen Atem, der Herdentrieb über den eigenen Gedanken. Es gibt kaum einen dieser Herren, die Wegweisendes zu sagen hätten. Der Banker, der den Weg aus der Krise weisen könnte, ist ein noch unbekanntes Wesen.

Das offenbart der Blick auf ihr Handeln. Die Gewinne aus ihren Geldprodukten werden nur zu jenen Teilen zu konkretem Geld, die als Gewinnsteuern abzuführen und als Dividende auszuzahlen sind oder aber als Gehälter und Boni in die Taschen der Handelnden landen. Oder aber, wenn die Bank ins Straucheln geraten sollte, und sie dann von den Bürgern in einem aus konkretem Geld gewirkten Netz aufgefangen werden.

Der von den Investmentbanken erzielte Nettogewinn besteht aus abstraktem Geld und ist ohne volkswirtschaftlichen Nutzen. Ihr Handeln ist damit frei von Sinn.
Durch die Hinlenkung ihrer schöpferischen Fantasie und ihrer expansiven Kräfte auf die Kreierung, Produktion und den Vertrieb dieser neuen Produkte haben die großen Universalbanken ihre klassische Aufgabe, Dienstleister für die Wirtschaft zu sein, vernachlässigt. Damit haben sie sich vom realen Wirtschaftsleben abgekoppelt. Nunmehr agieren sie als Außenseiter in einer eigenen Welt. Dass die Bürger ihren Stand ächten, ist ihrer Egozentrik und ihrem Hochmut zuzuschreiben.
Als ihr Treiben durch den Ruin des Investmenthauses Lehman Brothers im Jahre 2008 offenbar wurde, rissen die Folgen dieses Tuns auch die produzierende Wirtschaft in die Tiefe. Es war faszinierend anzuschauen, mit welcher Arroganz die Bankleute diesen Schaden ignorierten. So war es für sie nur konsequent, dass sie, als sie sehr bald danach wahrnehmen durften, dass die Politik, außer Drohungen auszustoßen, Wirksames gegen die Fortsetzung ihrer Gewinnspiele nicht auszurichten vermochte, diese wieder aufnahmen.

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