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13.08.2008 
Sportverbände

Trainer, wechsle dich!

von Marcus Pfeil

Kanu-Gold vs. Achter-Blamage: Während der 21-jährige Slalomkanute Alexander Grimm die Topfavoriten auf die Plätze verwies und überraschend das erste Gold für Deutschland holte, schied der Deutschland-Achter fast zeitgleich sang und klanglos aus. Über den unterschiedlichen Umgang zweier Sportverbände mit ihren Athleten.

Hat trotz Trainerwechsel alles richtig gemacht: Slalomkanute Alexander Grimm holte in Peking die Goldmedaille. Foto: dpaLupe

Hat trotz Trainerwechsel alles richtig gemacht: Slalomkanute Alexander Grimm holte in Peking die Goldmedaille. Foto: dpa

PEKING. Im Ziel sacken sie zusammen. Minutenlang treibt der Deutschland-Achter im Shunyi-Park umher. Und als sie endlich anlegen, lassen sich alle acht Riemenruderer auf den Steg fallen. Sie haben diesen Hoffnungslauf als letztes der sechs Boote beendet. Sie wissen in diesem Moment, dass diese Niederlage nicht nur ihre eigene ist. Dass sie mehr bedeutet als ein Finale, das am Sonntag ohne das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) gestartet wird. Sie wissen, dass diese Niederlage den DRV in seinen Grundfesten erschüttert. Es ist Viertel nach fünf, es ist das erste Mal, dass bei diesen Spielen die Sonne scheint.

Fast zeitgleich, 300 Meter auf der anderen Seite des künstlich angelegten Kanals, realisiert Alexander Grimm (21) seinen Sieg. Es ist das erste Gold für Deutschland in Peking. Grimm ist Slalomkanute. In seiner Sportart muss ein Kajak möglichst schnell im reißenden Wasser durch einen Parcour aus Stangen manövriert werden. Und Grimm war dabei schneller als Topfavorit Fabien Lefèvre und Benjamin Boukpeti, der mit seinem dritten Platz die erste Medaille bei den Olympischen Spielen für Togo holte.

Der Untergang des Deutschland-Achters und Grimms Gold sind zwei verschiedene Geschichten dieser Olympische Spiele. Aber beide haben Anfang Juni mit einem Trainerwechsel begonnen. Im größten deutschen Ruderboot saßen damals noch acht andere Athleten, nur Steuermann Peter Thiede war schon dabei, als die Crew, die 2007 bei der WM Silber und im Jahr zuvor Gold gewonnen hatte, auf dem Schweizer Rotsee mehr als zehn Sekunden nach den Kanadiern ins Ziel kam. Dieser riesige Zeitabstand trieb DRV-Sportdirektor Michael Müller dazu, die Besatzung auszutauschen und Trainer Dieter Grahn zu entmachten. Den neuen Achter rekrutierte er aus den vier besten Zweier-Booten und installierte Christian Viedt als Interimstrainer. Es war eine einsame Entscheidung Müllers, obgleich er damals sagte, dass jeder Fachmann erkannt habe, dass die Zeit der Jungs vorbei sei.

Auch Alexander Grimm hat seit drei Monaten einen neuen Trainer. Weil einige der Wildwasserkanuten nicht länger unter Bundestrainer Helmut Schröter trainieren wollten, beförderte der Deutsche Kanuverband Sven Peiler zu dessen Nachfolger. "Die Athleten wollten es so, also haben wir reagiert", sagt Ulrich Feldhoff, bis zum Ende des Jahres noch Präsident des Kanu-Weltverbandes ICF.

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