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10.05.2008 
Betten statt Bohnen

Absatz-Steigerung

von Brigitte Jurczyk

In Apulien erleben fast 500 Jahre alte Landgüter ein Comeback. Viele dieser einst vom Landadel bewohnten und bewirtschafteten Großfarmen werden zu luxuriösen Ferienresorts umgebaut. Eine neue Art, Italienisch zu lernen.

Teil des Weltkulturerbes: Viele Häuser in Alberobello in Apulien werden von Kegeldächern gekrönt Foto: dpaLupe

Teil des Weltkulturerbes: Viele Häuser in Alberobello in Apulien werden von Kegeldächern gekrönt Foto: dpa

Sie zieht sich und zieht sich. Diese bleichweiße Masse, die sich wie Kaugummi um den großen Holzspachtel von Francesco wickelt, den er immer wieder in die heiße Flüssigkeit im Bottich taucht. Plötzlich hält er inne, und mit einer schnellen Handbewegung ist der zähe Käsestrang zu einem Knoten gewickelt.

Francesco hält uns stolz das Ergebnis vor die Nase: Mozzarella! Und das, was im gekachelten Hinterzimmer des kleinen Lebensmittelladens so mit Hingabe jeden Tag frisch produziert wird, landet dann jeden Morgen zum Frühstück auf dem Büfett der Masseria Torre Maizza, zusammen mit frischem Obst, Landschinken und den „Dolce“, den kleinen Kuchen und Torten. Mittags finden die Gäste ihn im Picknickkorb unter den Olivenbäumen, und am Abend wird er als Vorspeise im zum Restaurant umgestalteten ehemaligen Stall serviert.

Das ist überhaupt nicht langweilig, sondern köstlich, weil dieser Mozzarella hier am Stiefelabsatz im Süden Italiens so viel besser schmeckt als seine wässrigen, in Plastik gehüllten Plagiate aus den deutschen Supermärkten. Und überhaupt, warum schmeckt hier alles so viel intensiver als bei uns? Cataldo knetet bedächtig seinen Nudelteig und schaut seine Kochschüler erstaunt an: „Weil wir sehr viel Wert auf die Qualität unserer Produkte legen!“ sagt der Küchenchef der Fünf-Sterne-Luxusherberge. Und die fängt dabei an, dass das Olivenöl natürlich selbst gemacht ist. Wie zum Beispiel in der Masseria Torre Coccaro, dem Schwesternhotel in Sichtweite von Torre Maizza.

In der Kochschule, gleich neben der Hauskapelle, sind drei Gäste um den großen Vorbereitungstisch versammelt. Und der Gemüsegarten des alten Landguts gibt sein Bestes dazu: Fenchel und Zucchiniblüten, dicke, grüne Bohnen und ein Blattgemüse, für dessen Namen es keine deutsche Übersetzung gibt. Das alles wird in viel, in sehr viel Olivenöl angebraten, mit Kräutern gewürzt und schließlich Gang für Gang zusammen mit Fisch und Fleisch, Nudeln und Risotto unter Kreuzgewölbedecken serviert.

Vittorio schaut mit seiner ganzen Familie vorbei. „Na, schmeckt's?“ und setzt sich an einen der mit weißen Tüchern gedeckten Tische zum Abendmahl. Vittorio hat mit seinem ganzen Clan die beiden über 500 Jahre alten Bauernhöfe samt Ländereien in Sichtweite zum Meer gekauft. Heruntergekommene, vor vielen Jahren schon verlassene und aufgegebene Farmen. Trutzige Gebäude mit Stallungen und Speichern, großen Toreinfahrten und einer Hauskapelle, an die heute die Kochschule grenzt. Hier nennt man sie Masseria.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Großfarmen in Süditalien werden zu Nobelherbergen

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