Sechs Milliarden Euro hat der neue Luxus-Terminal am Flughafen London Heathrow gekostet, 15 000 Freiwillige haben als Versuchskaninchen ein halbes Jahr lang alle Abläufe um den Flugbetrieb geprobt. Doch als am Donnerstag die ersten echten Passagiere durch den Glaspalast geschleust wurden, brach das Chaos aus und setzte sich auch am Freitag fort.
LONDON. Diesmal wollten sie nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen. Ein halbes Jahr lang testeten der Flughafenbetreiber BAA und die Fluggesellschaft British Airways (BA) die Technik im neuen Terminal 5 auf dem Londoner Flughafen Heathrow. Rund 15 000 Freiwillige checkten, nur mit Frühstück und Goodie-Bag belohnt, als Versuchskaninchen in imaginäre Flüge ein, stiegen als Passagier-Darsteller um und ließen Fantasie-Pässe kontrollieren. 12 000 Gepäckstücke, vom nagelneuen Hartschalenkoffer bis zur halb zerrissenen Reisetasche, wurden wieder und wieder mit Etiketten versehen und kreuz und quer über die 18 Kilometer Gepäckband geschickt.
Am Donnerstag war es dann endlich so weit: Zwei Wochen nach der feierlichen Eröffnung durch die Queen strömten die ersten Passagiere in den lichten Glasbau des Star-Architekten Richard Rogers. Die meisten Inlandsflüge und Europaflüge sowie eine Reihe von Interkontinentalflügen von British Airways zogen von anderen Terminals des Londoner Drehkreuzes in das neue Terminal um.
Bild für Bild: Terminal 5 – der umstrittene Edelschuppen
Doch es dauerte nicht lange, und das Chaos brach aus. Passagiere, die um 8.30 Uhr mit dem Flieger aus Frankfurt ankamen, warteten bis zu zwei Stunden auf ihr Gepäck. 75 Minuten dauerte es für die Fluggäste der Morgenmaschine aus Hamburg. Auch Abreisenden ging es nicht besser. Passagiere, die in einer Maschine nach Los Angeles auf dem Rollfeld saßen, beobachteten erstaunt, wie ihre Koffer erst ein- und dann wieder ausgeladen wurden. Drei Stunden Verspätung waren die Folge.
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British Airways wiegelte ab, es habe ein paar kleinere Probleme gegeben, wie sie bei Inbetriebnahme eines so großen Komplexes nicht ungewöhnlich seien. Mitarbeiter hätten länger als erwartet gebraucht, um ihre Autos zu parken und die Sicherheitskontrollen zu passieren. Auch habe es Probleme mit dem Gepäcksystem gegeben. Um 14 Uhr dann zog die Fluggesellschaft die Notbremse und sagte 34 Flüge nach Europa und innerhalb von Großbritannien komplett ab.
Schon am Vortag hatte BAA in letzter Minute die Sicherheitsprozeduren umstellen müssen. Im neuen Terminal 5 sollten alle Passagiere, die in Inlandsflüge einsteigen oder die von Auslands- in Inlandsflüge umsteigen, vor der Sicherheitskontrolle und vor dem Einsteigen ins Flugzeug Fingerabdrücke abgeben und fotografiert werden. Bei einer Pressebesichtigung im Januar reagierten Vertreter von BAA und BA noch erstaunt auf die Frage, ob das nicht datenschutzrechtliche Fragen aufwerfe. Doch nun verzichten sie erst einmal auf die Sicherheitsmaßnahme, die sie ergriffen haben, damit sich im weitläufigen Einkaufs- und Gastronomiebereich des Terminals internationale und nationale Passagiere mischen können. Der britische Datenschutzbeauftragte hatte gewarnt, dass sie möglicherweise gegen geltendes Recht verstoße.
Der neue Terminal 5 kostete sechs Milliarden Euro und war seit 19 Jahren in Vorbereitung. Er wird ausschließlich von British Airways genutzt. Die Fluggesellschaft zieht hier fast alle Flüge an ihrem Drehkreuz London-Heathrow zusammen. Das Gebäude soll die drangvolle Enge in Heathrow beenden. Als nächster Schritt wird das klaustrophobisch enge Terminal 2 abgerissen und durch ein neues, noch größeres Zentralgebäude ersetzt.
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Auch am zweiten Tag seit der chaotischen Inbetriebnahme des neuen Terminals in London-Hetahrow mussten Fluggäste am Freitag wieder mit Verspätungen, verschwundenem Gepäck oder der Streichung ihrer Flüge rechnen.
British Airways wollte nach eigenen Angaben versuchen, trotz erheblicher Probleme mit der Gepäckabfertigung etwa 80 Prozent der geplanten Maschinen starten und landen.
Bei den 20 Prozent der bereits am Morgen gestrichenen Flüge handele es sich ausschließlich um Inlands- sowie europäische Kurzstrecken, erklärte ein Sprecher. Alle Langstreckenflüge sollten stattfinden. Passagiere sollten vor der Anreise zum Flughafen möglichst im Internet prüfen, ob ihr Flug startet.


