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24.09.2008 
Überholtes Relikt der Vergangenheit

Büro-Service im Hotel wird zum Luxusgut

von Peter Seemann

Gute alte Zeiten: Wenn der Chef auf Reisen ging, fehlte ihm unterwegs seine Sekretärin. Er hatte niemand, der seine Post sortierte, Termine organisierte und Anrufe entgegennahm. Viele Hotels erkannten das Problem - und richteten Business-Center ein, in denen gut ausgebildete Kräfte für den Gast die Sekretärinnen-Arbeit übernahmen. Das ist nun vorbei.

DÜSSELDORF. Denn heute reist kaum ein Manager noch ohne die Minimalausstattung aus Handy, Blackberry und/ oder Laptop. Die Hotellerie hat's registriert. Statt in Büro-Services investiert sie in den Ausbau von Technik: in HighSpeed-Internet, Breitband- und W-Lan-Verbindungen.

Das Business Center gilt inzwischen als "überholtes Relikt der Vergangenheit" (Lindner Hotels), als "prähistorisch" (NH Hoteles) oder zumindest "auf dem Rückzug" (Hyatt). "Früher sind die Chefs ohne Sekretärin keinen Meter weit gekommen", erinnert sich eine Worldhotels-Managerin. Heute dagegen sei jedermann über sein mobiles Büro allzeit erreichbar und bereit - per Handy und per Mail, Tag und Nacht. Und das in den Zimmern, den Konferenzbereichen und in der Lobby. Der Kunde will es so.

Allerdings hat noch längst nicht jede Hotelkette aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Viele machen es wie einst beim Telefon: Sie setzen bei Internet-Zugang auf Preise, die oft höher sind als die monatliche Flatrate - und verschanzen sich hinter teuren Anbietern, für deren Preisgestaltung sie nichts könnten. Doch es gibt auch renommierte Marken, die den Internet-Zugang umsonst bieten. "Kostenfreies Internet ist ein Service ist, der dazu gehört wie Warmwasser im eigenen Bad", verkündete Rezidor-Chef Kurt Ritter, und gab damit den Startschuss für den kostenfreien W-Lan-Zugang in allen Radisson-SAS-Hotels in Europa. Das war im Herbst 2005.

Im ersten Augenblick zeigte sich die Konkurrenz geschockt: eine sprudelnde Geldquelle drohte zu versiegen. Inzwischen aber sind Anbieter wie Accor (Ibis, Novotel, Suitehotels) und die französische Economy-Kette B&B-Hotel dem Rezidor-Beispiel gefolgt. Und in den Vier- und Fünf-Sterne-Häusern von Sheraton, Four Points, Intercontinental, Kempinski und teils auch Mövenpick surfen Gäste inzwischen gratis. Mindestens in der Lobby.

Was W-Lan oder Ethernet-Anschluss im Zimmer angeht, ist es mit der Großzügigkeit allerdings nicht so weit her. Dafür riskieren internationale Ketten sogar Ärger mit ihrer weltweit reisenden Kundschaft: Wer zum Beispiel in Starwood-Häusern in Nordamerika nächtigt, ist am Zimmer-Schreibtisch den kostenlosen Zugang zum weltweiten Netz gewohnt. Hierzulande dagegen wird in den zum Konzern gehörenden Hotels immer noch kräftig abkassiert.

Solange es noch geht. So äußern die großen Ketten schon die Einschätzung, "dass in etwa fünf Jahren die heutige Variante von High-Speed Internet Zugang zu einer kostenfreien Selbstverständlichkeit werden wird", heißt es denn sogar bei Arabella-Starwood. Gründe seien sowohl sinkende Preise für die entsprechende Hardware als auch die steigende Anzahl von Neubauten mit moderner Verkabelung. Andere Häuser setzen auf eine "Flat-Charge" von wenigen Euro pro Tag, etwa Lindner Hotels und die deutschen Intercontinental-Hotels.

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