Ein Gläschen Champagner und der britische Schienenverkehr hatten bisher nicht viel gemein. Von nun an schon. Am Dienstagabend weihte Königin Elizabeth II. mit einer pompösen Zeremonie den frisch renovierten Hochglanzbahnhof St. Pancras in London ein.
HB LONDON. Von der Station im Norden der Metropole fährt künftig nicht nur der Hochgeschwindigkeitszug Eurostar nach Paris und Brüssel - der Prachtbau beherbergt auch Europas längste Champagnerbar. Das Milliardenprojekt soll für ein neues Zeitalter des Zugverkehrs im Vereinten Königreich stehen. London ist um eine Attraktion reicher.
„Die bemerkenswerte Wiedergeburt dieses großartigen und glänzenden Bahnhofs bedeutet, dass die Menschen in ganz Großbritannien ein bisschen näher an Europa gerückt sind“, sagte die Monarchin. Für diesen Schritt wurden keine Kosten und Mühen gescheut: Das riesige Verkehrsprojekt kostete rund 8,3 Milliarden Euro und dauerte mehr als zehn Jahre.
Statt wie bisher vom Bahnhof Waterloo läuft vom 14. November an der Eurostar von St. Pancras in Richtung Kontinent. Höchstgeschwindigkeit: 300 Stundenkilometer. Die Reisenden sparen dadurch jeweils 20 Minuten. Nach Brüssel beträgt die Fahrzeit dann 1 Stunde und 51 Minuten und nach Paris 2 Stunden und 15 Minuten. Bis 2010 will Eurostar zehn Millionen Passagiere transportieren. Vor allem Geschäftsreisenden sollen vom Flugzeug in den Zug umsteigen.
Auch Deutschland könnte von der Erneuerung profitieren, liebäugelt die Deutsche Bahn doch schon mit der Schnellverbindung durch den Ärmelkanal-Tunnel nach London. Die Strecke von Köln über Brüssel sei „sehr attraktiv“, sagte ein Bahnsprecher. Dass aber die Bahn bei dem Betreiber Eurotunnel bereits einen Antrag für die Nutzung des Tunnels eingereicht habe, wie britische Zeitungen berichten, wies er zurück.
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Doch nicht nur die schnellere Verbindung zum Kontinent läutet in London die neue Ära des Schienenverkehrs ein. Nach der Renovierung erstrahlt das architektonische Meisterwerk St. Pancras mit seiner neugotischen Fassade im neuen Glanz. Nach dem Vorbild des New Yorker Grand Central verspricht der Bahnhof nicht nur Reisende zu locken, sondern auch Architekturliebhaber und Shopping-Freunde, die sich an der 90 Meter langen Champagnerbar vom Einkaufen in den umliegenden Boutiquen erholen können. 2009 soll in dem Bahnhof auch das von George Gilbert Scott entworfene Luxushotel Midland Grand Hotel wieder eröffnen.
Die 1868 erbaute Station gleich neben dem Bahnhof King's Cross, wo Zauberlehrling Harry Potter regelmäßig in den Hogwarts Express stieg, ist ein Schmuckstück des viktorianischen Zeitalters. Dreck, der sich 150 Jahre lang auf dem Ziegelsteingebäude gesammelt hatte, wurde entfernt, das Dach wurde mit 18 000 selbstreinigenden Glasscheiben versehen und 20 000 Liter originalgetreue Farbe wurden für das Eisenwerk verbraucht.
„Das wird eine neue Ära des Zugreisens sein“, sagte Eurostar-Chef Richard Brown im Vorfeld. Zuvor muss er allerdings noch sein vermutlich größtes Projekt hinter sich bringen: Den Umzug der Eurostar-Züge von Waterloo nach St. Pancras, für den die 17 rund 800 Tonnen schweren Züge in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verfrachtet werden müssen. Danach müssen sie nur noch pünktlich kommen.

