Der dramatischste Zwischenfall ereignete sich ausgerechnet an einem Prestigeprojekt der Bahn: Am Berliner Hauptbahnhof, der erst vor acht Monaten eröffnet wurde, rissen die Sturmböen Donnerstagnacht ein zwei Tonnen schweres Eisenstück aus der seitlichen Glasfassade heraus. Der Bahnhof wurde nach Angaben der Feuerwehr sofort komplett evakuiert, da zunächst weitere Einsturzgefahr bestand. Ein zweiter Träger hatte sich gelöst und in einen dritten Träger verkeilt. Die Steintreppe auf der der Spree und dem Kanzleramt zugewandten Seite des mächtigen Baus wurde stark beschädigt. Verletzt wurde niemand.
Der Hauptbahnhof blieb am Freitag teilweise gesperrt. Fern-, Regional- und S-Bahnzüge können den Hauptbahnhof in Berlin-Mitte vorerst nicht auf den oberen Gleisen durchfahren, nur im Nord-Süd-Tunnel ist die Durchfahrt für Fernzüge möglich. Halten tun sie aber nicht. Der S-Bahnverkehr ist auf Busse verlagert. Am Freitagmittag soll der Bahnhof wieder vollständig geöffnet werden, kündigte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn an.
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Die Schadensursache werde noch geklärt, sagte Mehdorn weiter. Der Präsident des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme hatte im ZDF gesagt: „Es wird zu prüfen sein, ob die Statik richtig war, ob die Ausführung richtig war.“ Viele Menschen hätten Glück gehabt, da die die Bahnhöfe an und für sich in so einer Sturmnacht als sichere Orte galten.
Der Flugverkehr wurde auch am Freitag durch starken Wind und Regen beeinträchtigt. Allerdings fielen kaum noch Flüge aus, die Einschränkungen seien deutlich geringer als während des Orkantiefs „Kyrill“ am Vortag, hieß es bei Flughäfen, Fluggesellschaften und Flugsicherung. „Der Flugplan normalisiert sich allmählich wieder“, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Es gebe allerdings weiterhin noch vereinzelte Verspätungen.
Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hatte Freitagmorgen am größten deutschen Flughafen in Frankfurt erneut die Zahl der Starts und Landungen reduziert. Inzwischen läuft der Flugverkehr wieder weitgehend normal. Wegen des Orkans „Kyrill“ war der Flugverkehr in ganz Europa erheblich beeinträchtigt worden. Allein Lufthansa strich nach eigenen Angaben 330 Flüge. Davon seien rund 19 000 Passagiere betroffen gewesen, hieß es.
Viele Tote
Der Orkan „Kyrill“ wütete bis in die Nacht zum Freitag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde über Deutschland und kostete mindestens zehn Menschen das Leben. In ganze Europa starben 29 Menschen. Die in Hamburg erwartete schwere Sturmflut blieb allerdings aus. In anderen Ländern Europas kamen in dem Sturm mindestens 14 Menschen um.
Die Orkanschäden hatten den Zugverkehr am Donnerstagnachmittag bundesweit zum Erliegen gebracht. Die ganze Nacht arbeiteten Reparaturmannschaften an zerstörten Oberleitungen und beschädigten Gleisen, wie ein Sprecher sagte. Züge blieben in den Bahnhöfen stehen. Die Passagiere wurden mit Bussen oder Taxis weiterbefördert, in Hotels untergebracht oder übernachteten in Zügen und Bahnhöfen.
Mit zunehmender Sturmstärke wuchs gegen Abend die Zahl der Todesopfer. Vor den Augen seiner Eltern wurde in Bayern ein Baby von einer aus der Verankerung gerissenen Terrassentür erschlagen. Ebenfalls in Bayern wurde ein 73-Jähriger von einem herausgerissenen Scheunentor erdrückt. Ein Mann starb in Baden-Württemberg, als er mit dem Auto auf einen umgestürzten Baum fuhr. In Nordrhein-Westfalen wurden vier Menschen von entwurzelten Bäumen erschlagen, darunter ein 39-jähriger und ein 50-jähriger Feuerwehrmann im Einsatz. Im niedersächsischen Hildesheim sowie in Strausberg (Brandenburg) erlitten jeweils ein Autofahrer tödliche Verletzungen. In Sachsen-Anhalt kam ein Mann ums Leben, als in einer Gaststätte eine Wand auf ihn stürzte.
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