In den deutschen Küstenregionen, die sich auf einen schweren Kampf mit den Elementen eingerichtet hatten, gab es Verletzte; die materiellen Schäden hielten sich in Grenzen. Die Sturmflut auf der Nordseeinsel Sylt war weniger schlimm als erwartet. Auf den ostfriesischen Inseln Norderney und Borkum blieb die befürchtete schwere Sturmflut aus.
Im Ärmelkanal spielten sich dramatische Szenen ab, als der Container-Frachter „MS Napoli“ wegen eines Motorschadens in Seenot geriet. Trotz meterhoher Wellen konnten alle 26 Besatzungsmitglieder gerettet werden. In Deutschland wurden die Fährverbindungen auf Nord- und Ostsee sowie dem Bodensee zeitweise eingestellt.
Auf den britischen Inseln starben durch „Kyrill“ mindestens zehn Menschen, andere Quellen sprachen von zwölf Toten. In zehntausenden Haushalten brach die Stromversorgung zusammen. Die Schnellzugverbindung Eurostar zwischen London und dem europäischen Festland durch den Kanaltunnel wurde eingestellt. Der Fährverkehr zwischen Dover und Nordfrankreich wurde am frühen Morgen nach französischen Behördenangaben wieder aufgenommen. Drei Menschen starben jeweils in den Niederlanden und in Tschechien, zwei in Frankreich und einer in Belgien. In Krems (Österreich) wurde eine Frau aus ihrem völlig zerstörten Haus gerettet.
Etliche Schulen, Kindergärten und Behörden hatten am Donnerstag Kinder und Mitarbeiter nach Hause geschickt. In Bayern und Teilen von Hessen und Nordrhein-Westfalen haben die Kinder auch am Freitag schulfrei.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärte, „Kyrill“ sei der stärkste Orkan seit „Lothar“ an Weihnachten 1999. Damals kamen europaweit 125 Menschen ums Leben, besonders schwer betroffen war Frankreich mit 86 Toten.
Die stärksten Böen des Orkans „Kyrill“ wurden auf dem Wendelstein in Bayern gemessen, sie erreichten eine Stärke von 202 Kilometern in der Stunde. Auf dem Brocken im Harz wurden 198 km/h gemessen, auf der Zugspitze 176 km/h sowie je 172 km/h auf der Wasserkuppe und dem Fichtelberg (je 172 km/h).
Nach Mitternacht verlor „Kyrill“ an Wucht. Für den Westen und Nordwesten Deutschlands wurden die Unwetterwarnungen inzwischen teilweise aufgehoben, die Küste und der Osten sowie Teile Mittel- und Süddeutschlands müssen weiterhin mit schweren Sturmböen rechnen.


