Dabei sollte die Situation der Billigflieger längst entspannter sein. Denn, so eine Untersuchung der Wirtschaftswoche, von den mindestens 70 Billigfliegern, die seit 1998 in Europa aktiv waren, sind rund drei Viertel vom Markt durch Pleite oder Übernahmen verschwunden. "Die irren Preisbrecher sind endlich weg", sagt ein Airlinemanager. "Und ihre Maschinen fliegen jetzt nicht mehr gegen uns, sondern größtenteils in Asien."
Doch das hat den Druck auf die Verbliebenen kaum gemindert, das Gerangel nimmt an Schärfe noch zu. Air Berlin
will nach der DBA und der LTU bald die Condor schlucken. Germanwings und Tuifly verhandeln ebenso über eine Fusion wie Clickair und Vueling
aus Spanien. Und das verbliebene Dutzend kann sich entweder wie Centralwings oder Skyeurope angesichts roter Zahlen längere Preisattacken nur schwer leisten - oder fliegt abseits, etwa in Nischenregionen wie Skandinavien und Russland oder wie die Tui
-Tochter
Thomsonfly vorwiegend für Reiseveranstalter.
Einziger Effekt der geringeren Zahl an Wettbewerbern: So kann der Rest Mehrkosten teilweise an die Kunden weitergeben. Auch wenn gerade Ryanair
und Easyjet
mit immer neuen Rabatten werben. "Sie haben bereits steigende Durchschnittserträge", sagt Chris Avery, Analyst der Investmentbank JP Morgan.
Und das ist erst der Anfang. "Der durchschnittliche Umsatz pro Flugsessel sollte im Februar gegenüber dem Vorjahr um drei bis fünf Prozent steigen", heißt es lapidar in einer Finanzmarktmitteilung von Easyjet.![]()
Marktübersicht: Der deutsche Airline-Markt vor der Neuordnung
Wer die steigenden Reisekosten noch nicht bemerkt hat, spürt sie spätestens bei der nächsten Buchung. Denn egal, ob er sich für den Schnäppchenmarkt, zwei für eins oder ein fliegendes Blind Date entscheidet - nach dem letzten Klick auf einer der Buchungsmaschinen ist es eigentlich immer teurer als erwartet.
Die Gründe verbergen sich eben hinter jenem Sternchen, das am Ende eines jeden Werbespruchs auf eine kleine Fußnote verweist. Dort steht in schönen Worten, dass es Spartickets bevorzugt außerhalb der Haupt-reisezeiten sowie abseits von Sonnenrouten wie nach Mallorca gibt und dass immer mehr von dem, was früher im Ticketpreis enthalten war, jetzt bezahlt werden muss.
"Statt die Preise deutlich zu erhöhen, lassen sich gerade Billigflieger lieber immer mehr Zusatzleistungen extra bezahlen", sagt Berater Ringbeck. War es anfangs nur der Kaffee an Bord, so ist es nun auch der Check-in am Flughafen, die Gepäckaufgabe oder die Platzkarte.
Telefonische Beratung ist pro Minute inzwischen so teuer wie Telefonsex. Am Ende kommt eine vierköpfige Familie mit jeweils 20 Kilo Gepäck und zwei Kindersitzen etwa bei Ryanair
leicht auf Zusatzkosten von gut 660 Euro - ohne Kaffee, Brötchen, Kreditkartengebühr beim Buchen oder die Anreise zum Flughafen, die bei den oft abgelegenen Ryanair
-Landeplätzen
meist teuerer ist als bei der Konkurrenz.
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