Joachim Hunold: Passagiere, die seine Airline weniger kosten, sollen auch weniger bezahlen, meint der Air Berlin-Chef. Foto: ap
Den Griff in die Kundentaschen verkaufen die Linien als Preisgerechtigkeit. "Warum sollen Reisende, die uns weniger kosten, nicht auch weniger zahlen", sagt Easyjet
-Chef
Andy Harrison. Tatsächlich sind die neuen Einnahmequellen nur für die Linien reizvoll - und vor allem lukrativer als der reine Ticketverkauf. "Die verursachen wenig zusätzliche Kosten und sind darum zum überwiegenden Teil Gewinn", sagt Air-Berlin-Chef Joachim Hunold.
Laut der Studie von Booz Allen Hamilton liegen diese - vornehm "Nebenumsätze" genannten - Einnahmen heute bei bis zu gut acht Euro pro Passagier. Und alle Linien wollen sie in den nächsten fünf Jahren zumindest verdoppeln. Ryanair
will mit den Nebengeschäften pro Passagier im Schnitt gut 20 Euro umsetzen - ungefähr halb so viel wie heute mit den Tickets.
In kleinen Schritten wollen die Linien die vorhandenen Belastungen für Gepäck, Check-in, oder den Kerosinzuschlag anheben - und für weitere heute noch kostenlose Leistungen Geld verlangen wie die Beförderung des Kinderwagens, beschleunigte Gepäckrückgabe - oder demnächst womöglich gar für die Toilettenbenutzung.
Alles kostet extra: Die versteckten Gebühren der Billigflieger am Beispiel Ryanair
Über die Verwandlung von Gratisleistungen in Bezahldienste hinaus ersinnen die Linien auch neue Wege ins Portemonnaie der Kunden. Alle prüfen, die Handynutzung an Bord zu erlauben, denn wer telefoniert, zahlt einen kräftigen Aufschlag auf die üblichen Gesprächsgebühren. Und die Mitreisenden bezahlen mit ihrer Aufmerksamkeit, wie bei den Werbebannern im Flieger und auf den Internet-Seiten.
Auf dem Weg zu höheren Einnahmen müssen die Linien auch die eigentlichen Ticketpreise erhöhen. Wer offiziell fragt, erntet Entrüstung. "Im Gegenteil, wir werden die Zahl der Sonderangebote steigern. Unsere Preise kennen nur eine Richtung - nach unten", wischt Ryanair
-Chef
Michael O'Leary den Verdacht von Preiserhöhungen vom Tisch. Tatsächlich sind seine durchschnittlichen Ticketpreise im vorigen Jahr um gut sieben Prozent gestiegen.
Die Flut an Preisknüllern ist keine Freundlichkeit, sondern eine Folge des Geschäftsmodells "Billig". Laut der Studie von Booz Allen haben gerade die Discount-Marktführer Ryanair
und Easyjet
einen Vorteil, weil sie nur einen oder zwei Flugzeugtypen nutzen. "Diese Einheitsflotte spart Kosten für Wartung und Ausbildung", sagt Berater Ringbeck. "Doch da die Nachfrage je nach Tages- und Jahreszeit stark schwankt, die Flugzeuggröße aber gleich bleibt, müssen Billigflieger viele Maschinen notgedrungen über Sonderangebote füllen."
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