0 Bewertungen
07.04.2008 
Kommission macht Weg frei

EU erlaubt Telefonieren über den Wolken

Die EU-Kommission macht den Weg für Handy-Telefonate auf innereuropäischen Flügen frei. Mehrere europäische Fluglinien wollen nun noch in diesem Jahr Mobilienfunknetze in ihre Maschinen einbauen. Während Air France bereit einen Modellversuch an Bord gestartet hat, erteilen deutsche Linien ihren Passagieren auch weiterhin Quasselverbot.

Telefonieren über den Wolken: Die EU-Kommission hat den Weg frei gemacht. Foto: apLupe

Telefonieren über den Wolken: Die EU-Kommission hat den Weg frei gemacht. Foto: ap

HB BRÜSSEL/BERLIN. Die Brüsseler Behörde verabschiedete am Montag europaweit einheitliche Regeln für die Einführung von Bordsystemen, die Telefongespräche ohne Gefährdung der Sicherheit ermöglichen. Handy-Telefonate an Bord waren lange wegen der Befürchtung verboten, dass sie die Funktionsfähigkeit der Bordinstrumente beeinträchtigen könnten. Die Lufthansa und Air Berlin wollen Mobiltelefonate aber auch künftig nicht zulassen.

Die französische Fluggesellschaft Air France dagegen hat bereits einen Modellversuch an Bord einer ihrer Maschinen gestartet, wie eine Sprecherin der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EAFSA) in Köln mitteilte. Außerhalb der EU bietet Emirates den Service seit dem 20. März auf einem seiner Flugzeuge an.

Nach Angaben der EU-Kommission planen mehrere europäische Fluggesellschaften, noch in diesem Jahr ebenfalls Mobilfunknetze in ihre Maschinen einzubauen. Darunter sind Ryanair, British Midland and die portugiesische Fluggesellschaft TAP.

Die Lufthansa will den Gebrauch von Mobiltelefonen in ihren Flugzeugen nicht erlauben. Kundennachfragen hätten eine große Mehrheit dagegen ergeben, sagte LH-Sprecher Jan Bärwalde. „Die Leute möchten nicht gestört werden.“ Die Lufthansa setze weiter auf einen Breitband-Internetzugang während des Flugs, wie dies bereits von 2004 bis Ende 2006 erfolgreich angeboten worden sei. Nunmehr suche die LH einen neuen Partner für die technische Umsetzung.

Auch die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, Air Berlin, will keine Handy-Gespräche an Bord ermöglichen. „Das wird eher als Störung empfunden“, sagte Sprecherin Alexandra Müller.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Telefonieren im Flugzeug könnte teuer werden

Das Bundesverkehrsministerium hatte bereits Anfang März die rechtlichen Voraussetzungen für Handy-Telefonate in Flugzeugen geschaffen. Sofern die nötigen technischen Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind, dürfen deutsche Fluggesellschaften seither die Nutzung von Handys an Bord erlauben.

Ohne europaweit einheitlichen Ansatz hätten die Airlines den neuen Service aber nur auf Inlandsflügen anbieten können und für alle übrigen Verbindungen eine eigene Zulassung bei der jeweiligen nationalen Behörde erwirken müssen. Mit der Kommissionsentscheidung ist klargestellt, dass eine etwa in Deutschland erlangte Zulassung automatisch auch in allen übrigen 26 EU-Staaten gilt.

Da im internationalen Luftraum die Bestimmungen des Heimatlands einer jeden Fluggesellschaft gelten, werden USA-Reisende künftig auch über dem Atlantik telefonieren können. Für den US-Luftraum müssten die Fluggesellschaften hingegen eine eigene Genehmigung besorgen, dasselbe gilt für Flüge in andere Weltregionen.

Die von den Telefonanbietern AeroMobile, OnAir und H4 hergestellten neuen Bordsysteme sind über Satellit mit dem Boden verbunden. Spezielle Instrumente verhindern, dass sich die Mobiltelefone direkt in terrestrische Netzwerke am Boden einwählen und die Flugzeugtechnik stören.

Die Preisgrenzen für Mobilfunkgespräche im EU-Ausland werden im Flugzeug nicht gelten, da sie nur für terrestrische Mobilfunknetze festgelegt wurden. „Wir gehen davon aus, dass die neuen Dienste ein bisschen teurer sein werden als Mobiltelefonate am Boden“, sagte Kommissionssprecher Martin Selmayr.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

Bildergalerien

 

zurück vor
  • Der letzte Kahn: Große Ge...

    Der letzte Kahn: Große Gesten, große Gefühle

    Eingehüllt in eine Bayern-Fahne hat Oliver Kahn die Fußball-Bühne verlassen. Als der Torwart-Titan am Dienstagabend Abschied nahm, erhoben sich die 69 000 Zuschauer in der Allianz Arena und feierten den scheidenden Schlussmann. Wie Fans und Prominenz aus Sport, Po...Bildergalerie 

  • Die Ruhe nach dem Sturm

    Die Ruhe nach dem Sturm

    Die Metropole New Orleans hat „Gustav“ glimpflich überstanden. Der Wirbelsturm hat inzwischen über Land weiter an Kraft verloren und wurde zum Tropensturm herabgestuft. Dennoch hinterließ er eine Schneise der Verwüstung. Der Tag nach dem Hurrikan in Bildern. Bildergalerie 

  • Von Tränen, Eheglück und ...

    Von Tränen, Eheglück und Nasenklemmen bei Olympia

    Zwei Wochen lang präsentierten sich Athleten und Funktionäre bei den Olympischen Spielen in Peking der Welt. Welche Figur die Olympioniken in Peking machten – und wem das Gold für die außergewöhnlichste Performance gebührt.Bildergalerie 

  • Das Geheimnis des Sieges

    Das Geheimnis des Sieges

    Ein Boxer und ein Radfahrer grübeln über alternative Siegstrategien, ein Stabhochspringer und ein Taekwondo-Kämpfer fühlen sich wie verwandelt. Basketballerinnnen sind einiges gewohnt, und eine Judoka gibt ihr Geheimnis preis. Die Olympia-Zitate.Bildergalerie