Lange Wartezeiten, gestrichene Flüge und verärgerte Passagiere – nach der chaotischen Inbetriebnahme des Terminals 5 erntet British Airways harsche Kritik aus der Wirtschaft und von der Aufsichtsbehörde. Und Firmenchef Willie Walsh gerät zunehmend unter Druck. Auch am Montag hielten die Störungen an, die Marke von 300 gestrichenen Flügen seit Inbetriebnahme wurde durchbrochen.
dih/HB LONDON. Die größte britische Airline strich zum Wochenbeginn weitere 54 Flüge, unter anderem nach Deutschland. Zuvor waren seit der chaotischen Inbetriebnahme des Terminals fünf am vergangenen Donnerstag bereits insgesamt rund 250 Flüge abgesagt worden. Tausende Reisende waren betroffen. Nicht nur verärgerte Passagiere, sondern auch Politiker und Wirtschaftsvertreter machten ihrem Unmut Luft. Die Diskussion um personelle Konsequenzen hat begonnen – und sie reicht bis zu BA-Chef Willie Walsh.
Ein Sprecher von BA konnte auf Anfrage nicht sagen, wann mit einem normalen Betrieb des neuen Terminals zu rechnen ist. Kurz nach der Inbetriebnahme der hochmoderne Abfertigungshalle, deren Bau umgerechnet mehr als fünf Mrd. Euro gekostet hat, war die automatisierte Gepäckabfertigung zusammengebrochen.
Derweil entschuldigte sich BA-Chef Willie Walsh erneut bei den Passagieren, die unter den Pannen am Terminal fünf zu leiden hatten. "Wir werden keine Ruhe geben, bis unser Service wieder auf dem hohen Standard ist, den unsere Kunden zu Recht erwarten", sagte Walsh. Ein Team von Ingenieuren und IT-Experten arbeite hart daran, Fehler an der Gepäckanlage zu beheben. Diese seien bei den Testläufen vor Inbetriebnahme des Terminals nicht bemerkt worden.
Die Pannen sind für Vorstandschef Willie Walsh besonders peinlich, weil er seit Jahren bei jeder Gelegenheit versprochen hat, dass BA seinen Passagieren mit dem Umzug ins Terminal 5 endlich einen besseren Service bieten werde. Die drittgrößte europäische Fluggesellschaft war zuletzt in einer europaweiten Vergleichsstudie die mit den meisten verlorenen Koffern. Am Sonntag hatte Walsh von Fortschritten mit dem Gepäcksystem gesprochen. „Wir arbeiten daran, von Tag zu Tag die Zahl der Flüge zu erhöhen“, versprach er.
Bereits am Sonntag stapelten sich 15 000 Gepäckstücke im Flughafen, die wegen Pannen im Gepäcksystem nicht eingeladen wurden. Der Fernsehsender BBC zeigte meterhohe Berge von Koffern und Taschen in den Katakomben des gewaltigen Glaspalastes am Westrand des Flughafens.
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Das Chaos hatte am Donnerstag gleich nach der Eröffnung des Terminals 5 begonnen. Die Gepäckabfertigung kam nach wenigen Stunden zum Stillstand. Die Ursache dafür war offenbar, dass Gepäckarbeiter nach Problemen mit der Parkplatzsuche und an den Sicherheitskontrollen nicht rechtzeitig am Arbeitsplatz waren. Dadurch kam es schon früh zu einem Rückstau an unverladenen Koffern. Manche Passagiere saßen bis zu drei Stunden in Flugzeugen fest, um dann doch ohne ihr Gepäck abzufliegen. Schließlich zog BA die Notbremse, strich Flüge und ließ Passagiere nur noch mit Handgepäck einchecken. Gewerkschafter warfen der Gesellschaft vor, das Personal nicht ausreichend auf die Abläufe am neuen Terminal vorbereitet zu haben.
„Das Chaos, das wir am Terminal 5 erleben, ist ein weiteres deprimierendes Kapitel in der Geschichte des bröckelnden britischen Verkehrssystems“, klagte David Frost, Generaldirektor der Britischen Handelskammer. Verkehrsministerin Ruth Kelly sagte, die Regierung stehe bereit, zu helfen. Die Flughafen-Aufsichtsbehörde CAA mahnte BA, im Umgang mit Betroffenen EU-Vorschriften einzuhalten. Die Fluggesellschaft hatte zunächst nur die Zahlung von 100 Pfund pro Kopf angeboten, statt gestrandeten Passagieren Hotelbetten zu besorgen. Kommentatoren britischer Zeitungen diskutierten bereits, ob das Desaster Walsh das Amt kosten könnte.
Terminal 5 spielt eine Schlüsselrolle für die Modernisierung des passagierreichsten Flughafens Europas. BA will hier fast alle Flüge zusammenziehen. Doch der Zeitplan für den schrittweisen Umzug steht nun in Frage. Verschiebt er sich deutlich, dann wird das auch den Bau des neuen Zentralterminals Heathrow East weiter verzögern.
Willie Walshs Blamage
Schlüsselrolle
Seit Willie Walsh Chef von British Airways (BA) wurde, hat er auf den Umzug in das Terminal 5 hingearbeitet. Das neue Terminal soll ein „Flughafenerlebnis des 21. Jahrhunderts“ bieten und für BA einen großen Schritt nach vorn bedeuten. Mit modernen Arbeitspraktiken wollte Walsh die Abläufe effizienter gestalten und Geld sparen.
Verdienste
Auch wenn der verpatzte Start im Terminal 5 schmerzt, Walsh hat sich in seiner kurzen Amtszeit um BA verdient gemacht. Er bereinigte das Streckennetz um Verlustbringer, senkte die Kosten und handelte eine Lösung für das Pensionsdefizit aus. Die in Heathrow traditionell mächtigen Gewerkschaften werden nun allerdings versuchen, den Fehlstart im Terminal 5 als Ergebnis des Sparkurses darzustellen.

