Das Chaos hatte am Donnerstag gleich nach der Eröffnung des Terminals 5 begonnen. Die Gepäckabfertigung kam nach wenigen Stunden zum Stillstand. Die Ursache dafür war offenbar, dass Gepäckarbeiter nach Problemen mit der Parkplatzsuche und an den Sicherheitskontrollen nicht rechtzeitig am Arbeitsplatz waren. Dadurch kam es schon früh zu einem Rückstau an unverladenen Koffern. Manche Passagiere saßen bis zu drei Stunden in Flugzeugen fest, um dann doch ohne ihr Gepäck abzufliegen. Schließlich zog BA die Notbremse, strich Flüge und ließ Passagiere nur noch mit Handgepäck einchecken. Gewerkschafter warfen der Gesellschaft vor, das Personal nicht ausreichend auf die Abläufe am neuen Terminal vorbereitet zu haben.
„Das Chaos, das wir am Terminal 5 erleben, ist ein weiteres deprimierendes Kapitel in der Geschichte des bröckelnden britischen Verkehrssystems“, klagte David Frost, Generaldirektor der Britischen Handelskammer. Verkehrsministerin Ruth Kelly sagte, die Regierung stehe bereit, zu helfen. Die Flughafen-Aufsichtsbehörde CAA mahnte BA, im Umgang mit Betroffenen EU-Vorschriften einzuhalten. Die Fluggesellschaft hatte zunächst nur die Zahlung von 100 Pfund pro Kopf angeboten, statt gestrandeten Passagieren Hotelbetten zu besorgen. Kommentatoren britischer Zeitungen diskutierten bereits, ob das Desaster Walsh das Amt kosten könnte.
Terminal 5 spielt eine Schlüsselrolle für die Modernisierung des passagierreichsten Flughafens Europas. BA will hier fast alle Flüge zusammenziehen. Doch der Zeitplan für den schrittweisen Umzug steht nun in Frage. Verschiebt er sich deutlich, dann wird das auch den Bau des neuen Zentralterminals Heathrow East weiter verzögern.
Willie Walshs Blamage
Schlüsselrolle
Seit Willie Walsh Chef von British Airways (BA) wurde, hat er auf den Umzug in das Terminal 5 hingearbeitet. Das neue Terminal soll ein „Flughafenerlebnis des 21. Jahrhunderts“ bieten und für BA einen großen Schritt nach vorn bedeuten. Mit modernen Arbeitspraktiken wollte Walsh die Abläufe effizienter gestalten und Geld sparen.
Verdienste
Auch wenn der verpatzte Start im Terminal 5 schmerzt, Walsh hat sich in seiner kurzen Amtszeit um BA verdient gemacht. Er bereinigte das Streckennetz um Verlustbringer, senkte die Kosten und handelte eine Lösung für das Pensionsdefizit aus. Die in Heathrow traditionell mächtigen Gewerkschaften werden nun allerdings versuchen, den Fehlstart im Terminal 5 als Ergebnis des Sparkurses darzustellen.


