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12.07.2008 
Weiterhin Einschränkungen

Notbremsung war nicht Ursache für ICE-Unfall

Die Entgleisung eines ICE am Kölner Hauptbahnhof ist nach ersten Ermittlungen nicht auf die Notbremsung durch das Zugpersonal zurückzuführen. Nun suchen die Ermittler nach Materialfehlern. Die Bahn überprüft derweil weitere die Züge der dritten Generation, weshalb es auch am Samstag noch zu Einschränkungen im ICE-Verkehr kam.

Wegen Sicherheitstests bei ICE-3-Zügen müssen sich Bahnkunden auch am Samstag auf Einschränkungen einstellen. Foto: dpaLupe

Wegen Sicherheitstests bei ICE-3-Zügen müssen sich Bahnkunden auch am Samstag auf Einschränkungen einstellen. Foto: dpa

HB BERLIN. Die Notbremsung "war nicht die Ursache der Entgleisung", sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Das Fahrpersonal hatte den Zug am Mittwoch während der Fahrt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt-Köln gestoppt, nachdem sich wiederholt Reisende über verdächtige Geräusche beschwert hatten. Nach ersten Angaben der Bahn entgleiste der Zug der jüngsten Schnellzuggeneration ICE-3 wegen einer defekten Radsatzwelle. Verletzt wurde niemand. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte Ermittlungen gegen die Zugbegleiter eingeleitet und ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Bei Hinweisen auf Materialfehler würden die Ermittler möglicherweise auch an den Siemens-Konzern als Hersteller der Züge herantreten, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bereits am Freitag erklärt.

Die Bahn geht bisher wegen der regelmäßigen Untersuchung der Züge von einem Einzelfall aus. Die Bahn hatte am Freitag dennoch fast alle ICE der dritten Generation zur Überprüfung aus dem Verkehr gezogen. Deshalb kam es auch am Samstag wegen zu Einschränkungen im ICE-Verkehr. Das Ersatzprogramm laufe aber gut an, teilte die Bahn mit. Mehr als 60 Prozent der ICE 3-Fahrten könnten wieder stattfinden. Mit Einschränkungen sei vor allem im Raum Köln und Frankfurt zu rechnen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn stellte sich hinter das Unternehmen. Die Rückrufaktion für 61 ICE-Züge sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte Verbandschef Karl-Peter Naumann der "Bild"-Zeitung. Die Züge würden regelmäßig kontrolliert.

Dagegen warnte der Schienenverkehrsexperte Markus Hecht von der Technischen Universität Berlin vor einer Bagatellisierung: "Ein solcher Defekt ist das gefährlichste, was es gibt", sagte er dem "Tagesspiegel". Der Achsschaden müsse bereits länger vorhanden gewesen sein.

Nach dem schwersten Eisenbahnunglück in Deutschland vor zehn Jahren im niedersächsischen Eschede war der Bahn mangelhafte Wartung vorgeworfen worden. Damals war ein ICE wegen eines defekten Radreifens entgleist. 101 Menschen starben.

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