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28.09.2008 
Sekt und Selters im früheren „Schmierigen Löffel“

Reisegastronomie-Riese SSP nimmt Flughäfen stärker ins Visier

von Ingo Reich

Wer als Bahnreisender im Berliner Hauptbahnhof vor der Abfahrt schnell noch eine Kleinigkeit essen will, hat die Qual der Wahl: Buletten bei Burger King, Pizza bei Pizza Hut, Meeresgetier beim Sylter Fischspezialist Gosch oder ein Korneck beim Backfilialist Kamps. Doch was der hungrige Kunde nicht weiß, hinter allen Franchise-Läden steht ein Betreiber: der Reisegastronomie-Riese SSP. Jetzt nimmt der Verkehrs-Caterer auch die Flughäfen stärker ins Visier.

Dosen mit Kaviar: Der "Schmierige Löffel" am Berliner Hauptbahnhof hat sich ganz schön gemacht. Foto: dpaLupe

Dosen mit Kaviar: Der "Schmierige Löffel" am Berliner Hauptbahnhof hat sich ganz schön gemacht. Foto: dpa

FRANKFURT. Um die zahlungskräftigeren Flugreisenden zu erreichen, will SSP seine Kooperation mit der Luxus-Caterer Caviar House & Prunier intensivieren. Die erste gemeinsame Seafood-Bar entstand im März am Hongkong International Airport, weitere Spitzendestinationen sollen folgen.

Während immer mehr Airlines auch in der Business-Class am Essen sparen, soll der anspruchsvolle Reisende, zumindest in der Flughafengastronomie, nicht auf den gewohnten Kaviar, Hummer und Champagner verzichten. Vorbei ist die Zeit, als die meisten Flughafenrestaurants den Beinamen „Zum schmierigen Löffel“ trugen. Johann Weinzettls liebster Gast ist der Franzose: Denn der Liebhaber guter Weine und des „Savoir Vivre“ legt auch auf Reisen viel Wert auf die Qualität seiner Speisen – und lässt sich dies einiges kosten. Der unkomplizierteste ist der Brite: Der Inselbewohner greift morgens zum vorgefertigten Sandwich und schiebt sich am Abend noch eine Fertigmahlzeit in die Mikrowelle. Der Deutsche hingegen schwört auf sein warmes Mittagessen.

Weinzettl kennt das Verhalten seiner internationalen Kundschaft aus dem Eff-eff, denn der 52-Jährige ist der Deutschland- und Europachef von SSP. SSP ist der führende Betreiber von Catering- und Einzelhandelskonzessionen in Bahnhöfen, Flughäfen und an Autobahnen in Europa und Asien. Mit einem Jahresumsatz von mehr als 1,9 Mrd. Euro bedienen SSP-Mitarbeiter nach eigenen Angaben rund 4,6 Millionen Kunden täglich. In 29 Ländern ist SSP vertreten. SSP (Select Service Partner) war ursprünglich ein Tochterunternehmen der skandinavischen Fluggesellschaft SAS und befindet sich seit zwei Jahren im Besitz der schwedischen Investorengruppe EQT.

Seit 2004 gehört auch die reichlich angestaubte Mitropa, die 2006 in SSP Deutschland umbenannt wurde, mit ihren rund 220 Filialen zu SSP. Der international tätige Reisegastronom expandiert auch in der Bundesrepublik kräftig: So hat SSP erst kürzlich von Lufthansa 36 Flughafen-Restaurants übernommen und ist außerdem eine Partnerschaft mit der US-Kaffee-Kette Starbucks eingegangen: Innerhalb der nächsten drei Jahre will SSP als Lizenpartner 150 Starbucks-Outlets an Flughäfen und Bahnhöfen in ganz Europa eröffnen. Dabei hat SSP hat neben Starbucks bereits die eigene Café-Marke „Caffé Ritazza“ und das Franchisekonzept Segafredo im Markenportfolio. „Wir wollen für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas anbieten“, sagt Weinzettl.

Gut gerüstet für die Expansion sieht sich die deutsche SSP-Tochter in jedem Fall. So kam im Mai Cornelius Everke neu in die Geschäftsleitung. Er hatte seit 2002 Starbucks in Deutschland mit aufgebaut. Das Ausschenken teurer Kaffeespezialitäten war aber mit dem einstigen Partner Karstadt-Quelle (heute: Arcandor) zum Verlustgeschäft geraten. Weinzettl glaubt indessen fest an die Zukunft von Starbucks – zumindest an die Profitabilität der Outlets unter seiner Regie – und rechnet mit einer stetigen Ausweitung des Deutschland-Geschäftes, das er im nächsten Jahr von 141 auf 154 Mill. Euro steigern will.

Konkurrenten wie die unter Marché International firmierende Verkehrsgastronomie des Mövenpick-Konzerns schauen derweil in die Röhre. Denn auch die Schweizer haben das lukrative Flughafengeschäft für sich entdeckt. „Zur Zeit konzentrieren wir uns auf die Expansion in Osteuropa, beispielsweise in Ungarn und Slowenien. Dort sehen wir derzeit das beste Wachstumspotenzial“, beruhigt sich Marché-Chef Oliver Altherr.

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