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05.10.2008 
Privatfluganbieter

Total abgehoben

von Dirk Heilmann

Schade, dass Privatjets nur für Milliardäre und Popstars sind. Oder vielleicht doch nicht? Eine neue Generation von Privatjet-Firmen schickt sich an, Vermögende und Topmanager in Europa massenhaft zum Umstieg zu bewegen. Nachdem Billigflieger und Terroristen dem Linienflugverkehr auch noch den letzten Nimbus genommen haben, halten Privatfluganbieter die Zeit für reif, Fliegen wieder zum Genuss zu machen.

Für das Fliegen mit Privatfluganbietern spricht nicht nur der Komfort. An Bord kann man auch mit dem Blackberry oder Notebook arbeiten, ohne dass der Banknachbar große Ohren macht. Foto: ReutersLupe

Für das Fliegen mit Privatfluganbietern spricht nicht nur der Komfort. An Bord kann man auch mit dem Blackberry oder Notebook arbeiten, ohne dass der Banknachbar große Ohren macht. Foto: Reuters

Das futuristische Flughafengebäude von Farnborough glänzt in der Sonne, als die Limousine vorbeirollt. Sie bleibt neben der steil nach oben gebogenen linken Flügelspitze des Learjets stehen. Die kurze Treppe des schnittigen Fliegers ist heruntergeklappt. Neben ihr stehen Pilot und Copilot, beide in leuchtend weißen Hemden mit schwarzgelben Schulterklappen. „Welcome“, ein Lächeln, ein kräftiger Händedruck und schon sind wir an Bord. Es riecht nach Leder, die Sessel sind straff und bequem wie Sportwagensitze.

Nur ein paar Minuten später rollen wir auf die Landebahn. Die Triebwerke am Heck surren kraftvoll, und überraschend schnell und steil steigt die Maschine an. Bald wird die Luft azurblau, und England liegt tief unter uns. „Wir sind auf 45 000 Fuß“, sagt der Kapitän durch – vier Kilometer höher als Jumbos und Airbusse fliegen. Vorne faucht die Espressomaschine, und die Stewardess bringt Kanapees auf einem Tablett.

So mondän kann Fliegen sein. Kein Schlangestehen in muffiger Luft, nicht auf Socken durch die Sicherheitsschleuse, keine Gewaltmärsche durch endlose Labyrinthe, nie wieder eingezwängt zwischen Mitmenschen mit Übergewicht und Körperpflegedefiziten. Auf kürzestem Weg zum nächstgelegenen Flughafen, von Tür zu Gangway und dann in luxuriöser, ruhiger Umgebung arbeiten oder entspannen.

Schade, dass Privatjets nur für Milliardäre und Popstars sind. Oder vielleicht doch nicht? Eine neue Generation von Privatjet-Firmen schickt sich an, Vermögende und Topmanager in Europa massenhaft zum Umstieg zu bewegen. Nachdem Billigflieger und Terroristen dem Linienflugverkehr auch noch den letzten Nimbus genommen haben, ist die Zeit reif, Fliegen wieder zum Genuss zu machen, glauben sie. Schade nur, dass die von langer Hand geplante Offensive nun ausgerechnet mit der schlimmsten Finanzkrise seit Jahrzehnten zusammenfällt.

Doch davon lässt sich Jonathan Breeze nicht erschüttern, jedenfalls nicht nach außen. Der ehemalige Pilot der Royal Air Force startet zusammen mit dem Wiener Investmentbanker Viktor Popovic den bislang größten Angriff auf den im Vergleich zu den USA unterentwickelten Privatjet-Markt. 110 Learjet 60 XR2 für 1,5 Milliarden Dollar hat ihr Start-up Jet Republic beim kanadischen Hersteller Bombardier bestellt – einen größeren Privatjet-Auftrag gab es in Europa noch nie. Hauptfinanzier ist der mexikanische Milliardär Ricardo Salinas Pliego.

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