Nach dem Flugzeugabsturz im Sudan, bei dem 30 Menschen ums Leben kamen, stehen die afrikanischen Airlines in der Kritik. Nicht ganz zu unrecht: Rund 20 Prozent aller Flugzeugabstürze ereignen sich auf dem schwarzen Kontinent. Die meisten afrikanischen Flugzeuge sind völlig veraltet.
KAPSTADT. Es geschah angeblich kurz nach dem Aufsetzen der Maschine, also zu einem Zeitpunkt, als die kritische Landephase längst vorüber war. Darauf besteht zumindest Jusuf Ibrahim, Chef des Flughafens von Khartum, wo sich am Dienstagabend das jüngste folgenschwere Flugzeugunglück auf afrikanischem Boden ereignete. Ibrahim zufolge war der Airbus A 310 der Sudan Airways nach einem schweren Sandsturm zunächst sicher und ohne größere Probleme in der sudanesischen Hauptstadt Khartum gelandet. Während sich die Piloten bereits mit dem Tower über die Parkposition unterhielten, sei dann plötzlich das rechte Triebwerk explodiert. In Minutenschnelle, so Ibrahim, hätten sich die Flammen von der Tragfläche über den Vorderteil des Flugzeugs bis ins Cockpit gefressen.
Andere Augenzeugen berichten hingegen, dass die Landung extrem hart gewesen sei. Dies könnte nach Ansicht von Luftfahrtexperten dazu geführt haben, dass einige Zylinder geborsten seien, was wiederum zu einer Explosion geführt haben könne. Mindestens 30 der 214 Insassen des Airbus überlebten die Bruchlandung nicht.
Das Unglück reiht sich ein in eine lange Liste von Flugzeugabstürzen auf afrikanischem Boden. Obwohl der Schwarze Kontinent nur einen Anteil von knapp drei Prozent am weltweiten Flugverkehrsaufkommen hat, wird der Himmel zwischen Kap und Kairo immer gefährlicher. Nach Angaben der Internationalen Luftfahrtagentur Iata entfallen inzwischen fast 20 Prozent aller tödlichen Flugzeugkatastrophen auf Afrika. Während im vergangenen Jahr die weltweite Unfallrate im Schnitt bei drei Vorfällen pro einer Million Flüge lag, kommt Afrika auf fast zehn Unfälle pro eine Million Starts.
Meist führen mangelnde Kontrolle, die Missachtung von Regeln, schlechte Wartung und überaltertes Material zum Absturz. Die Europäische Union hat daher vor zwei Jahren 85 afrikanische Fluglinien auf eine schwarze Liste gesetzt. Sie dürfen wegen schlechter Sicherheitsstandards keine europäischen Flughäfen mehr ansteuern.
Ein weiterer Grund für die Probleme in Afrika liegt darin, dass sich trotz der angeblichen Bereitschaft vieler Staaten zur Liberalisierung des Luftverkehrs noch immer fast alle Airlines in staatlichen Händen befinden. Aus falschem Nationalstolz halten viele afrikanische Länder schlecht geführte Airlines mit altersschwachen und unzureichend gewarteten Flugzeugen am Leben.
International konkurrenzfähig sind nur ganz wenige von ihnen: Neben der South African Airways (SAA), die inzwischen sogar zur Star Alliance zählt, sind dies die eng mit der KLM kooperierende Kenya Airways sowie die Ethiopian Airlines. „Während viele afrikanische Gesellschaften mit horrenden Schulden und ohne klare Strategie ums Überleben kämpfen, hat sich Ethiopian Airlines einen Ruf für Sicherheit, Verlässlichkeit und eine moderne Flotte erworben“, sagt Nick Fadugba, Herausgeber des Branchen-Fachblatts für afrikanische Luftfahrt.
Berüchtigt für seinen schlechten Sicherheitsstandard ist hingegen vor allem Nigeria, das mit 140 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land des Kontinents. Nach einer Absturzserie im Jahr 2005 gab es dort auch zuletzt wieder zwei schwere Unfälle. „In Nigeria ist aber zumindest der politische Wille vorhanden, etwas zu verbessern“, sagt Iata-Experte Mike O´Brien.
Anlass zur Sorge geben vor allem die vielen kleineren Länder, die, wie etwa Swasiland, Sierra Leone oder der Kongo, die Sicherheitsbilanz besonders stark trüben. In diesen Ländern registrieren dubiose Betreiber aus aller Welt altersschwache Flieger vor allem für den Frachtverkehr, da es kaum eine Überwachung durch die Behörden gibt. Für Touristen und Geschäftsreisende aus Europa spielen solche Carrier aber kaum eine Rolle, da sie keine Passagierdienste offerieren.


