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20.03.2007 
Modemuseum

Vom Knistern der Erotik

von Uli Schulte Döinghaus

Wer schon immer mal wissen wollte, warum eigentlich von „knisternder Erotik“ gesprochen wird, der sollte sich entweder auf die Bundesstraße 103 begeben oder auf den Schienenstrang der Prignitzer Eisenbahngesellschaft. Beide Verkehrsmittel führen zum Schloss Meyenburg und damit ins Modemuseum der Josefine Edle von Krepl.

"Jedes Kleidungsstück hat etwas zu erzählen", sagt J.E. von Krepl. Foto: dpaLupe

"Jedes Kleidungsstück hat etwas zu erzählen", sagt J.E. von Krepl. Foto: dpa

BERLIN. In der Abteilung „1900“ des Modemuseum der Josefine Edle von Krepl sind Ballkleider ausgestellt, etwa ein türkisfarbenes mit feinem Tüllspitzenbesatz, die beim Raffen und Rüschen dermaßen geknistert haben, dass es den Galanen ganz anders geworden sein muss – vor knisternder Erotik, vor Andeutungen, Versprechen und Geheimnissen. „Die Ballkleider mitsamt Unterkleidern und Besatz sind aus einem Stoff, der eigens wegen des erotischen Effekts so genäht worden ist“, sagt Edle von Krepl und führt, hexenrothaarig und quicklebendig, durch ihre Kollektion, hier auf einen historischen Bezug verweisend, dort eine Geschichte dazu erzählend. Dazu kommt dezente Musik aus dem Hintergrund, mal ein Charleston, mal Swing, mal Rock ’n’ Roll – alles im Stil der Zeit, deren Damenmode hier präsentiert wird.

Dabei hat von Krepl ihre Sammlung natürlich in lockerer Chronologie angeordnet, Dekade folgt auf Dekade bis Ende der 1970er-Jahre, aber auch in einer Ton-in-Ton-Optik, die dem Gang durch die Ausstellung einen zusätzlichen Reiz gibt. Auf Schwarz folgen Rottöne, Weißes wird von Lichtgrünem abgelöst. „Jedes Kleidungsstück hat etwas zu erzählen“, sagt J.E. von Krepl, „weil es getragen wurde.“ Von einem Hochzeitskleid ist da beispielsweise die Rede, das die Besitzerin erst, in Tränen aufgelöst, im Greisenalter überstreifte. Zur Hochzeit war es nie gekommen, weil der Bräutigam im Krieg umkam.

Oder da wäre die Geschichte von dem goldenen Gürtel, der heute die Taille eines dezent rosa geblümten 50er-Jahre-Sommerkleides umschnürt. „So einen Gürtel hatte meine Mutter auch,“ habe eine Besucherin entzückt gerufen. Was eigentlich nichts Besonderes ist, weil viele Mütter Gürtel haben und hatten. Wenn da nicht die Sache mit den Biss-Stellen gewesen wäre, die den Goldgürtel so einzigartig machen. „Das ist ja der von meiner Mutter“, habe die Besucherin gerufen, „da sind ja meine Biss-Stellen noch dran.“

Als Kleinkind habe sie, so die Besucherin, immer an dem Gürtel herumgeknabbert, in Taillenhöhe. Nun sei das Teil, nach einer interessanten und langen Odyssee durch halb Europa, nach Meyenburg zurückgekehrt, wo die entzückte Besitzerin es jeden Tag studieren könnte, wenn sie wollte: Sie ist quasi Nachbarin, lebt in dem brandenburgischen Ort Meyenburg. Das Schlossgebäude von Meyenburg, umgeben von einer eindrucksvollen Parkanlage, geht auf eine Bausubstanz des 14. Jahrhunderts zurück, wurde im 19. Jahrhundert neu gebaut und bis vor einem Dreivierteljahr gründlichst renoviert.

Heute beherbergt das Schloss die Bibliothek des städtischen Eigentümers, ein Heimatmuseum, einen Veranstaltungssaal – und das Modemuseum der Josefine Edle von Krepl. Deren Leidenschaft fürs Textile begann mit einem schwarzen Satinkleid, das die Großmutter ihrer 14-jährigen Enkelin schenkte, und mit dem „raffiniert gerafften Brautkleid meiner eleganten Mutter aus Wien, die eine unglaubliche Schönheit war“, sagt Josefine Edle von Krepl. Der Erbadelstitel „Edler“ wurde einem ihrer Vorfahren verliehen, der sich als Kriegsherr in österreichischen Diensten hervorgetan hat. Später verschlug es Teile der Wiener Familie, liebes- und kriegsbedingt, in die Mark Brandenburg, wo Josefine in Fürstenwalde bei Berlin geboren wurde.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Nach Modedesign- und Journalistikstudium war sie 13 Jahre lang Redakteurin der DDR-Frauenzeitschrift „Für Dich“.

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