0 Bewertungen
11.09.2007 

Die meisten Colors-Mitarbeiter sind Immigranten, sie kommen aus Bangladesch, China, Ägypten, El Salvador, Indien, Marokko und von den Philippinen. Für die meisten begann das Berufsleben in der neuen Heimat Amerika mit Jobs ganz unten in der Küchenhierarchie, schlecht bezahlt und mit langen Arbeitszeiten. Sie wurden herumkommandiert und angebrüllt und im schlimmsten Fall von einem Tag auf den anderen gefeuert. Deshalb ist ihnen so wichtig, dass es bei Colors anders zugeht. „Ich werde hier mit Respekt behandelt“, sagt Oscar Galindo, der Koch. „Ich muss nicht den Hinterausgang benutzen.“

Die Idee zur Gründung von Colors stand nach 9/11 nicht plötzlich im Raum, sondern entwickelte sich erst nach und nach. Die Federführung übernahm die gemeinnützige Organisation „Restaurant Opportunities Center of New York“ (ROC), die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Branche einsetzt. „Wir wollten mit Colors ein Positivbeispiel ins Leben rufen, an dem sich andere orientieren können“, sagt Caroline Keating, die das Projekt bei ROC betreut.

Fast vier Jahre dauerte es bis zur Eröffnung von Colors. Die Mitarbeiter, die keine Erfahrung in der Restaurantführung hatten, mussten geschult werden. Einige mussten erst einmal Englisch lernen. Das Schwierigste aber war, Geldgeber zu finden. Schließlich stellte ein Konsortium privater Investoren ein Darlehen von 1,2 Millionen Dollar bereit. Eine Kapitaleinlage von je einer halben Million Dollar steuerten das italienische Konsortium „Good Italian Food“ – ein Zusammenschluss diverser Kooperativen – und ROC bei.


Bildergalerie Bildergalerie: „Ground Zero“ bekommt langsam ein neues Gesicht


ROC und Good Italian Food halten zusammen 80 Prozent an der Kooperative, die Mitarbeiter insgesamt 20 Prozent. Jeder von ihnen musste, um anteilsberechtigt zu sein, 100 unbezahlte Arbeitsstunden leisten, die sogenannte „Schweißeinlage“. Sollte Colors jemals Gewinne erwirtschaften, erhalten sie einen Anteil. Einstweilen schreibt das Restaurant noch rote Zahlen; die Gewinnschwelle soll 2008 erreicht werden.

Ein ehrgeiziges Ziel, denn das Gastronomiegewerbe in New York ist knochenhart. Nach Expertenschätzungen gibt es 26 000 Restaurants. Neugründer haben es da schwer: 70 Prozent scheitern oder verkaufen innerhalb der ersten fünf Jahre.

Auch Colors hat zu kämpfen. Nach der Eröffnung Anfang 2006 waren die 125 Sitzplätze zunächst ausgebucht, dafür sorgten der Mitleidseffekt und Medienberichte. Außerdem kam die Speisekarte an: eine ausgefallene Mischung von Gerichten aus den Heimatländern der Mitarbeiter – von scharfem mexikanischem Ceviche (mariniertem rohem Fisch) über dominikanisches Schweinefilet mit Kochbananen bis zum Steak mit Chimichurri-Sauce. Selbst der anspruchsvolle Restaurantkritiker der „New York Times“ befand: „Die Gerichte erschließen eine Welt voller überraschender Höhepunkte.“ Eine Zeitlang war es angesagt, sich abends im Colors zu treffen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Was der größte Wettbewerbsvorteil in dem hart umkämpften Markt sein könnte.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor