Doch Manhattans Schickeria ist launisch, und die Moden sind schnelllebig. Nach einigen Monaten ebbte der Kundenstrom ab. Die Koop-Mitglieder erkannten, dass sie so nicht weitermachen konnten. Sie handelten so wie jeder vernünftige Unternehmer: Sie versuchten, ihr Produkt zu optimieren. Die Analyse ergab: Colors war zu hochklassig, zu teuer, um Stammkunden aus der Umgebung zu gewinnen. Also stellten sie die Speisekarte auf ein mittleres Preissegment um und verzichteten auf die edlen weißen Tischdecken, die – so die Befürchtung – Durchschnittskunden abschrecken könnten.
Die Anteilseigner votierten außerdem für niedrigere Kosten und damit für eine Kürzung der eigenen Gehälter: Der Stundenlohn, zuvor 13,50 Dollar, sank auf 9,45 Dollar – ein Einheitslohn für alle, vom Tellerwäscher bis zum Manager. Mancher könnte woanders wohl mehr verdienen, Manager Rojas zum Beispiel, doch er bleibt: „Ich glaube an unsere Idee.“
Kein Platz für Träumereien
Die Idee spricht auch Menschen an, die mit Windows of the World nichts zu tun hatten. Marie Wiggins, 44 Jahre und in Haiti geboren, früher Kassenführerin in einem Büro, arbeitet jetzt als Hostess bei Colors. Sie steht am Eingang, begrüßt die Gäste und begleitet sie zum Tisch. „Es ist anders, wenn man nicht für andere arbeitet, sondern für sich selbst.“
Die einzigartige Motivation der Mitarbeiter ist womöglich ihr größter Wettbewerbsvorteil in dem hart umkämpften Markt. Stammgast Howard Tomlinson, dessen Büro sich im Nachbarhaus befindet, jedenfalls findet die Atmosphäre unvergleichlich: „Die Leute sind so warmherzig und aufmerksam wie in keinem anderen Lokal, das ich kenne.“
Natürlich verfolgen die Colors-Mitarbeiter den Fortgang der Bauarbeiten an Ground Zero. Wäre es denkbar, dass Colors dort einen Ableger errichtet? Nein, sagen Victor und Caroline, darüber wollen sie noch nicht nachdenken. „Wir müssen erst mal dieses Restaurant zu einem wirtschaftlichen Erfolg machen und unsere Schulden abbezahlen.“ Der Traum von einer besseren Gastronomie-Welt soll nicht an Träumereien scheitern.


