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23.10.2008 
ICE-Chaos

Von der Bahn in den Bummelbus

von Nils Rüdel

Auf vielen Fernstrecken der Bahn kommen sich die Passagiere dieser Tage näher. Stehend, Halt suchend, fluchend. Züge sind nur halb so lang wie sonst, fallen aus oder werden durch langsamere ersetzt – und bei der Bahn-Hotline ist man gerne mal überfragt. Grund ist eine groß angelegte Überprüfungsaktion vieler ICE-Züge. Für Bahnchef Hartmut Mehdorn steht der Schuldige schon fest.

ICE am Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: apLupe

ICE am Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: ap

DÜSSELDORF. "Schienenersatzverkehr" ist ein Wort, bei dem es nicht nur den Liebhaber der deutschen Sprache graust. Auch der Bahnfahrer bekommt schlechte Laune, denkt er dabei doch an langsame, rumpelnde Provisorien. Vor allem, wenn er normalerweise im Hightech-ICE mit 300 Stundenkilometern durch den Westerwald nach Frankfurt geschossen wird.

Nun ist aber diese Woche auf deutschen Fernstrecken gar nichts normal, weil die Bahn nach und nach alle 130 ICE-3 und-Neigetechnikzüge vorübergehend aus dem Verkehr zieht, um den Zustand der Achsen per Ultraschall zu überprüfen. Hintergrund ist der Achsbruch eines ICE 3 im Sommer in Köln. Außerdem hatten Techniker vor kurzem bei einem Zug einen Haarriss entdeckt. Und jetzt gehen der Bahn die Züge aus.

Und wo der Zug fehlt, muss zur Not der Omnibus ran. So rückten etwa am Dienstag zehn Busse in Montabaur und Limburg an und karrten die Passagiere aus Köln zum Frankfurter Flughafen weiter. Am Mittwoch waren es nochmal sechs Busse. Pech hatte der, der von den Bussen nichts wusste und Termine einhalten musste. Bei der eigens eingerichteten Bahn-Hotline war man über den Ersatzverkehr nämlich selbst überrascht ("Bus? Wo haben Sie das denn erfahren?" - "Auf Ihrer Webseite" - "Also bei mir steht da nichts").

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Andere Reisende bekamen zwar ihren Zug, mussten dann allerdings stehen und aufpassen, dass ihnen die automatische Schiebetür nicht zu nahe kam. Wieder andere Passagiere wanderten ziellos durch den Bahnhof, weil sich das Gleis mehrfach änderte.

Nach Auskunft der Bahn betreffen die Einschränkungen nur jeden fünften Reisenden. Außerdem werde sich die Lage am Wochenende entspannen, kündigte ein Sprecher an. "Wir sind auf einem guten Weg". Er warb bei den Kunden um Verständnis, die Sicherheit gehe nun mal "immer vor".

Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte derweil der "Bild"-Zeitung: "Der Unmut vieler Reisender ist absolut verständlich. Ich bedauere das sehr". Kritik an der Bahn sei allerdings nicht gerechtfertigt. Mit Blick auf die ICE-Bauer Siemens und Bombardier sagte Mehdorn: "Statt Kontrollen ursprünglich nach 480 000 Kilometer müssen die Zugachsen derzeit alle 30 000 Kilometer kontrolliert werden. Das ist so, als ob ein Autofahrer alle sechs Wochen zum TÜV müsste." Die Bahn erwarte, "dass die Industrie ihr Leistungsversprechen einhält."

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