Die Tradition der Billigflieger reicht bis in die 70er Jahre zurück. Damals begann Southwest Airlines in den USA mit ersten Billigflügen. Dass der Weg goldrichtig war, zeigt die Fluglinie bis heute: Während klassische Fluglinien wie United Airlines und US Airways Insolvenzantrag stellen mussten, blieb Southwest stets profitabel: Im Vorjahr war das Unternehmen mit 495 Mill. US-Dollar Gewinn die drittprofitabelste Airline der Welt.
HB DÜSSELDORF. Seit einigen Jahren machen in einer zweiten Welle die Billigflieger aus Europa von sich reden und erobern dabei mehr und mehr auch in kostenbewussten europäischen Unternehmen das Reisemanagement. Das belegt etwa die jüngste Vereinbarung des Bundes mit dem Billigflieger Hapag-Lloyd Express (HLX). In einer dritten Welle schicken sich nun die Budget-Flieger in Asien an, den bevölkerungsreichsten Kontinent mit Taxi-Tickets zu erobern.
Für diese Strategie gibt es gute Gründe: Mit aktuell rund vier Milliarden Einwohnern leben zwei Drittel der Weltbevölkerung in Asien, davon allein in Indien und China etwa 2,3 Milliarden; in Europa sind es „nur“ gut 700 Millionen. In den Ländern Asiens bildet sich langsam eine Mittelschicht heraus – etwa gut verdienende Angestellte in der indischen Computerindustrie – die häufiger beruflich verreisen müssen und deren Arbeitgeber die Reisespesen über preiswerte Tickets im Griff halten möchten. Zudem nimmt der innerasiatische Geschäftsreise-Verkehr rasant zu. So stieg der Flugverkehr innerhalb Asiens 2004 nach Berechnungen des „Centre for Asia Pacific Aviation“ um satte 22,5 Prozent auf 117 Mill. Passagiere.
Das hat gravierende Auswirkungen auf den asiatischen Flugmarkt: Fast täglich öffnet irgendwo zwischen Indien und den Philippinen ein neuer Billig-Carrier seinen Flugbetrieb: Zwischen 30 und 40, so die Schätzungen, drängen sich zur Zeit auf dem Markt, von denen einige als „Preiswertvariante“ renommierter Linien-Carrier wie Thai Airways (Nokair) oder Singapore Airlines (Tiger Airways) gegründet wurden.
Als Pionier für Billigtickets gilt die indische Air Deccan. 1995 startete das Unternehmen aus der Hightech-Metropole Bangalore mit Helikopter-Flügen: Inzwischen wurde die Flotte auf ATR-42-Maschinen umgestellt, mit der rund drei Dutzend inner-indische Destinationen angeflogen werden.
Seit 2003 fliegt Air Arabia vom Mini-Scheichtum Scharja aus vorwiegend innerhalb Asiens – etwa nach Mumbai und Sri Lanka. Mit fünf Airbus A 320 zielt man sowohl auf die Millionen von Gastarbeitern aus Indien und Sri Lanka, die am Golf beschäftigt sind, als auch auf Geschäftsreisende vom indischen Subkontinent, die Termine auf der arabischen Halbinsel haben. 1996 eröffnete die philippinische Linie Cebu Pacific ihr Geschäft. Heute starten zwölf DC-9-Maschinen unter anderem nach Malaysia, Indonesien, Singapur und Thailand. Air Asia gilt nicht als ältester, dafür aber renommiertester Billigflieger auf dem Kontinent. Seit 2001 heben die Malayen von Kuala Lumpur und Bangkok aus mit 21 Boeing 737-300 Richtung Malaysia, Indonesien und Thailand ab. Außerdem erhielten sie als erste ausländische Fluglinie die Erlaubnis, Billigflüge Richtung China auf der Strecke Bangkok-Xiamen anzubieten. Das Flugnetz in die Volksrepublik soll ausgebaut werden.


