0 Bewertungen
04.11.2007 

Tochter Nina, im Januar 1974 geboren, zeigt sich zwar eher an Modedesign denn an Wirtschaft interessiert – lernt aber früh, was es heißt, in einer Unternehmerfamilie groß zu werden. Als sie bei ihrer – vom Vater getrennt lebenden – Mutter in Marburg aufwächst, fährt sie in den Ferien häufig zum Papa, begleitet ihn auf Geschäftsreisen oder verbringt die Zeit im Betrieb. Als Studentin will sie als Kellnerin Geld verdienen, aber der Vater verbietet es ihr. Stattdessen jobbt sie im Unternehmen und verkauft Flugtickets. Nach dem Abitur geht die Tochter zum Sprachenlernen für ein Jahr in die USA und studiert anschließend Betriebswirtschaft in Hamburg. Sie absolviert verschiedene Praktika, unter anderem bei einer Investmentbank, steigt 1999 aber doch bei Öger ein und durchläuft alle Abteilungen. Bis sie 2002 schwanger wird. Ihr damaliger Partner ist ein Hotelier in der Türkei. Das Paar trennt sich schon bald nach der Geburt der Tochter Ada. Mutter Nina kehrt nach Hamburg zurück und beginnt nach einem Jahr Babypause als Geschäftsführerin im väterlichen Unternehmen. Das ist mehr als nur ein Job: „Wenn man von Kindesbeinen an in den Arbeitsplatz hineinwächst, empfindet man ihn als Wohnzimmer“, sagt Nina Öger.

In solchen Privaträumen kann es schon mal etwas lauter werden, „aber wir raufen uns immer wieder zusammen“, sagt die Tochter: „Wir haben uns darauf geeinigt, dass Vater die Strategie verantwortet und ich für das operative Geschäft zuständig bin.“ Da gibt es viel zu tun. Die typische Pauschalreise, mit der das Unternehmen groß geworden ist, verliert zunehmend an Bedeutung. Mit dem Boom der Billigflieger und Selbstbucher verzichten immer mehr Menschen darauf, sich im Reisebüro beraten zu lassen. Der Anteil der Touristen, die etwas über Land und Leute erfahren wollen und dafür auch mehr zahlen können, wächst dagegen unaufhörlich. Nina Öger wirbt im Fernsehen nicht mehr nur für Badeferien in Antalya, sondern preist auch Aktivurlaube und Städtereisen nach Istanbul an. Für die Metropole hat sie auch einen Extra-Katalog aufgelegt, „denn wer diese Stadt sehen will, blättert nicht einen 300 Seiten dicken Türkei-Wälzer durch mit Bildern von Familienhotels und Kindern auf Luftmatratzen“.

Die Devise ganz im modischen Angelsächsisch heißt: „Clubbing, Shopping and Cultural Events“. Wie etwa die Biennale von Istanbul, die seit 1987 alle zwei Jahre neben türkischen auch viele ausländische Künstler und entsprechend Schaulustige anzieht. Die modernen Open-Air-Jazz-Festivals im Sommer sind ebenso Attraktionen wie der historische Tanz der Derwische im Januar. Restaurants und Diskos haben Weltstadtniveau. Es wird in neuen Vierteln modern und nicht immer glücklich gebaut, umso behutsamer in alten Quartieren renoviert. Auch Nina Öger möchte für ihr Unternehmen gerne im Herzen des geliebten Viertels an der alten Grand rue de Péra in traditionsreichen Gemäuern ein Hotel schaffen – was bei zahlreichen Besuchen vieler zäher Gespräche bedarf und kaum noch Zeit für einen Bummel durch Straßen und das Schmökern in Läden lässt.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Empfindet sich Öger als Deutsch-Türkin oder türkische Deutsche?

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor