Er ist sich jetzt schon im Klaren, wie er das Türkei-Spiel angehen will." Am Samstag studierte der Bundestrainer sogar schon einen der möglichen Endspiel-Gegner. Mit Chefscout Urs Siegenthaler wollte er in Basel live das Duell Niederlande gegen Russland beobachten. Die Gedanken kreisen aber vor allem um den nächsten Gegner, vor dem Löw ausdrücklich warnte: "Ich kenne die Mentalität in der Türkei. Wenn's bei ihnen einmal läuft, sind sie zu Außergewöhnlichem fähig." Auf jeden Fall ist die deutsche Elf "jetzt wieder Favorit" (Friedrich), was sie gegen die Kroaten wegen der 1:2-Vorrunden- Niederlage nicht so klar gewesen wäre.
Ein entscheidender Vorteil könnte sein, dass die Türken ersatzgeschwächt sein werden: Nach der zweiten Gelben Karte sind die Feldspieler Tuncay, Arda und Emre Asik gesperrt, Stammtorwart Volkan Demirel muss weiter seine Rot-Sperre absitzen. "Es sind sehr wichtige Spieler, die fehlen", betonte Friedrich.
Kein Problem, behauptete Bayern-Profi Hamit Altintop, der die Deutschen nicht fürchtet: "Ich sehe keinen Grund, nervös zu werden, egal wie der Gegner heißt." Den Countdown auf das sechste EM-Halbfinale eines DFB-Teams startet Löw am Sonntag. Am Samstag ließen die Trainer die Spieler noch einmal "durchschnaufen". Statt Fußball-Training stand ein Spaß- Programm mit Tennis, Wasserball, Fahrradtour oder Yoga zur Wahl. "Ab Sonntag geht es dann nur noch um die Türkei", berichtete Köpke, im Training sollen dann "keine Nachlässigkeiten" geduldet werden.
Das gegen Portugal prächtig funktionierende 4-2-3-1-System mit einem zentralen Angreifer und der neuen Doppel-Sechs könnte auch im zweiten K.o.-Spiel zum Zuge kommen. "Man hat gesehen, dass wir uns wohlgefühlt haben", meinte Miroslav Klose. Aber noch viel wichtiger sei gewesen, "dass wieder jeder für den anderen da war", betonte der Angreifer. Der Frust über die Vorrunden-Leistungen war auch im Team groß gewesen. "Wir sind froh, dass wir gegen Portugal endlich einmal Fußball gespielt haben", sagte Klose. Nun sei alles möglich, betonte der Torjäger: "Deutschland ist einfach eine Turniermannschaft."

