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27.06.2008 

Bei Rudi Völler, der nach dem EM-Vorrunden-Aus 2004 den Reformern Klinsmann/Löw Platz gemacht hatte, hörte sich das noch so an: „Es gibt keine Kleinen mehr im internationalen Fußball.“ Löw ist ein Mann für die großen Lösungen. Er hat den Stab der Spezialisten um sich herum nochmals erweitert, 35 Zuarbeiter waren während der EM-Tage für die 23 Spieler da. Er hat das große Schauspiel „Gipfelsturm“, das auf der Zugspitze begonnen hatte, mit Überzeugung vorangetrieben und zuletzt sogar ein T-Shirt mit der Aufschrift „Bergführer“ getragen.

Während der EM bekam Löw aber auch zu spüren, dass ein noch so ausgeklügeltes und wissenschaftlich unterlegtes Netz das Gespür, die schnelle Analyse und das sofortige Reagieren des Cheftrainers nicht ersetzen können. Auf die schwachen Leistungen von Marcell Jansen etwa reagierte der Chefcoach, der an der Seitenlinie sehr emotional ist, erst mit Verzögerung. Als sich das angestammte 4-4-2-Spielsystem festgelaufen hatte, stellte er gerade rechtzeitig auf das stabilere 4-2-3-1 um.

Schon jetzt ist Löw mit einem Punkteschnitt von 2,37 der beste Bundestrainer, was die reinen Resultate angeht. Klinsmann liegt in der Wertung der bisher zehn für das DFB-Team verantwortlichen Trainer mit 2,00 Zählern nur auf Platz fünf. Auch Berti Vogts (2,18) und Jupp Derwall (2,15) kommen als Zweiter und Dritter nicht an Löw heran.

Derwall ist aber bisher der einzige, der gleich bei seinem ersten Turnier als Chef einen Titel gewann. Das war bei der EM 1980 in Italien. 28 Jahre später kann Löw nun in Wien dieses Trainer- Kunststück wiederholen.

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