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17.01.2006 

Es war Erhards Credo (und Vermächtnis), dass Deutschland seine lebenswichtigen weltwirtschaftlichen Interessen nicht für ein Linsengericht in Europa verschenken dürfe - eine Botschaft, mit der er freilich weder in seiner Partei noch in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft Anklang fand.

Karl Schiller hatte es wesentlich schwerer. Er musste seine im Inneren so erfolgreiche Ankurbelungspolitik von der ersten Stunde an außenwirtschaftlich absichern: sowohl gegen drohende Inflationsimporte (Dollarzuflüsse) wie Einbrüche an den Auslandsmärkten (importierte Depressionsgefahren, die den Aufschwung wieder zu ersticken drohten). Obwohl diese Politik nicht einfach zu vermitteln war, kamen Schillers "Vorlesungen" in der Bevölkerung an. Die Menschen spürten die soziale Verantwortung, die hinter seinen Analysen und Aktionen stand.

Ziesemer erzählt Märchen, wenn er behauptet, mit Schillers damaligem "deficit spending" sei der Grundstein für die heutige Staatsverschuldung gelegt worden. Erstens waren diese Defizite marktverursacht, Folge der Krise und nicht der Politik. Zweitens hielt sich ihre Größenordnung in einem Rahmen, den sogar die Deutsche Bundesbank für angemessen hielt und mitfinanzierte. Und drittens verschwanden sie wieder, als der Konjunkturmotor ansprang und die Steuereinnahmen wieder stiegen. Es waren Schillers Nachfolger (Helmut Schmidt und Hans Matthöfer), die mit ihren überdimensionierten Investitions- und Beschäftigungsprogrammen den Marsch in den Schuldenstaat antraten.

Schiller stellte mit seinem spektakulären Erfolg das Vertrauen in den Staat und die marktwirtschaftliche Ordnung wieder her, das unter der Krise gelitten hatte. Schiller teilte mit Erhard die Überzeugung, dass für Deutschland die Verankerung in der Weltwirtschaft wichtiger sei als im Europäischen Binnenmarkt. In Sachen Europa akzeptierte Schiller gerade noch den Werner-Plan (von 1969), nachdem er starke Stabilitätspfeiler in ihn eingebaut hatte. Der Plan sah für Europa eine gemeinsame Wechselkurspolitik vor, keine gemeinsame Währung. Als Makroökonom wusste Schiller, welche Folgen eine gemeinsame Währung und die mit ihr verbundene Wechselkurslosigkeit haben würden: Der Wettbewerb der europäischen Volkswirtschaften würde sich von der Währungsebene auf die der Firmen und Arbeitsmärkte verlagern. Für die Bundesrepublik hieß dies, sie würde ihre bisherigen Währungs- und Zinsvorteile verlieren und sich erhebliche Standort- und Arbeitsmarktprobleme einhandeln. Nutznießer wären die besonders rückständigen EU-Länder: Ihre Zinsen fielen auf deutsches Niveau, und ihre niedrigen Löhne, Sozialkosten und Steuern erlaubten es, Investitionen und Arbeitsplätze aus den alten Wohlstandszentren (Deutschland an der Spitze) abzuwerben.

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