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05.09.2006 
Gastbeitrag

Fata Morgana Frieden

von Christian Koch, Research Center Dubai

Nach dem 11. September hofften die arabischen Staaten auf eine neue amerikanische Politik am Golf und in Nahost. Die Chance wurde versäumt. 9/11 markiert das dramatischste, aber nicht das einzige Datum in der Chronologie der konfliktträchtigen amerikanisch-arabischen Beziehungen.

Von den Ereignissen des 11. Septembers 2001 wurde die Region am Persischen Golf auf besondere Weise berührt. Die Anschläge in New York und Washington wurden in Amerika in eine direkte Verbindung zur arabischen Halbinsel gestellt: Von den 19 Attentätern stammten 15 aus Saudi-Arabien und zwei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Unter ihnen befanden sich nur ein Ägypter und ein Libanese.

Noch relevanter war die Tatsache, dass der eigentliche Drahtzieher, Osama bin Laden, die saudi-arabische Staatsbürgerschaft besaß, obwohl ihm diese zum Zeitpunkt der Anschläge schon entzogen war. Der Gründer der Terrororganisation El Kaida konnte auf erhebliche ideologische und finanzielle Unterstützung aus Teilen der saudi-arabischen Bevölkerung zurückgreifen. Im Gefolge der irakischen Invasion Kuwaits im August 1990 hatte bin Laden seinen Feldzug gegen den so genannten ungläubigen Westen ursprünglich als Antwort auf den US-Aufmarsch in Saudi-Arabien gestartet. Ihm widerstrebte eine Präsenz nichtmuslimischer Gruppen im islamischen Kernland, welches die heiligen Stätten in Mekka und Medina beherbergt.

Bin Ladens Angebot an die saudische Königsfamilie, nach dem Vorbild des Kampfes gegen die Sowjetunion in Afghanistan eine Armee aus freiwilligen Glaubenskämpfern aufzustellen, um den irakischen Diktator Saddam Hussein zum Rückzug aus Kuwait zu zwingen, fand innerhalb der Familie al Saud nur wenig Beachtung. Der Schutz aus dem Ausland wurde vorgezogen. Die Ursprünge der Ereignisse am 11. September sind also in dieser Zeit zu suchen.

Was zu Beginn als kurzzeitiger Hilferuf einer Region an die USA dargestellt wurde, entpuppte sich zu einer dauerhaften und immer tiefer greifenderen US-Militärpräsenz. Durch das Fortbestehen radikaler Regierungen in Iran und im Irak wuchsen die USA zur permanenten Schutzmacht der arabischen Golfstaaten und deren Herrscherfamilien heran.

Die Entscheidung, diesen Schutz zu gewähren, war durchaus im Sinn des nationalen Interesses der USA. Immerhin liegen zwei Drittel der weltweiten Ölreserven in der Golfregion. Sie hat damit eine überragende Bedeutung für die Weltwirtschaft.

Zu einer umfassenden Sicherheit am Golf hat diese Politik aber nicht geführt, wie zurzeit fast täglich Schlagzeilen zu Ereignissen in Iran oder dem Irak verdeutlichen. Der Golf brodelt weiter. Und der 11. September markiert zwar das bislang dramatischste, aber eben nicht das einzige Datum in der Chronologie der konfliktträchtigen amerikanisch-arabischen Beziehungen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Dschihad-Erklärung gegen die Amerikaner"

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