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26.06.2008 

Es knallt. Ein Kanonenschlag. Es leuchtet - irgendwer schießt ein paar Silvesterraketen in die Luft. Die Polizisten, die sich alle 30 Meter postiert haben, gucken noch etwas grimmiger, lassen es aber geschehen. An der Ecke zur Maastrichter Straße ist der Auflauf am größten. In der Straßenmitte steht seit eh und je ein drei Meter hoher Betonklotz in der Form eines Autos. Raufklettern ist leicht. Gegen halb zwölf haben die Türken diese Bergtour gewonnen. Sie lassen die Halbmondfahnen flattern. Schwarz-rot-gold begnügt sich einstweilen mit der Tallage. Dafür dominieren die "Finale! O-ho-ho-ho!"-Gesänge akustisch. 1:1, schiedlich, friedlich.

Verlängerung. 50 Meter weiter greift die Polizei ein. Vor einem Billardsaal drohte ein Handgemenge. Allerdings nicht deutsch-türkisch, sondern eher deutsch-deutsch. Zwei amtliche Rufe, ein Dutzend schnelle Schritte, zwei geübte Handgriffe und die Rabauken sind an der Hauswand festgesetzt. Neugierige Rudelbildung in schwarz-rot-gold-rot-weiß.

Ein paar Türkeifans ziehen weiter. Ein Deutschlandfan mit blondem, Gel-frisiertem Kopf schwingt sein Ballack-Trikot in ihre Richtung. Ein Blick Auge in Auge - und dann klatschen die zwei Teenager die Hände zum "High-Five" zusammen und gehen ihrer Wege. Ballack & Co. wanken siegestrunken und Kölsch-beschwingt zum Rudolfplatz, den Autokorso begrüßen, der sich im Schritttempo durch die Menge wälzt. Auffallend viele Ford Fiestas sind dabei. 17 000 Menschen beschäftigt der US-Konzern in seinen Kölner Werken - und bis zu 40 Prozent von ihnen sind türkischstämmig.

Abgesehen von der Fabrikaten ist der Mix der Autoschlange friedlich. Auf vier Schwarz-rot-gold-Autos kommt eines mit türkischen Insignien. Doppelte Beflaggung allerdings ist eher selten. Zusammen feiern, aber die Identitäten nicht verschwurbeln - das ist das Motto.

Dabei gibt es gerade in Köln etwas, das für (fast) alle Kölner, ob zugezogen, einheimisch oder fast heimisch, Identiät stiftet: den 1. FC Köln. Das ist auch farblich praktisch, denn der Club spielt in rot-weiß, weshalb viele Kölner an diesem Abend in Trikots feiern, auf denen vorne ein Geißbock und der Sponsorenschriftzug "Rewe" prangen statt DFB-Logo oder Halbmond. Der 1. FC Köln ist gerade wieder in die erste Bundesliga aufgestiegen, das kann man nie genug feiern. Zu verdanken hatte der Club das am Ende der Saison übrigens vor allem zwei Spielern: Der eine heißt Patrick Helmes, der andere Ümit Özat.

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