In der Oranienstraße - im Zentrum von Kreuzberg oder Klein-Istanbul - ist alles möglich. Das denkt sich auch die Berliner Polizei, die martialisch und zahlreich am Kottbuser Tor auftritt. Etliche Polizeiwagen runden das Bild ab. Von irgendwoher werden türkische Rufe laut. Eine Gruppe von Jugendlichen steht im Kreis und skandiert laut: "en büyük Türkiye". Jeder Berliner kennt mittlerweile die Bedeutung. Davor stehen vermummte Berliner Polizisten. Minutenlange Spannung macht sich breit. Diese hat jedoch mehr etwas mit postpubertären Verhalten und Machtgehabe und weniger mit einem gestörtem deutsch-türkischen Verhältnis zu tun.
In den sogenannten Brennpunkte von Berlin erweist sich das deutsch-türkische Straßenverhältnis als sehr tragfähig. Die Polizisten werden über Funk über die Vorkommnisse in Neukölln und Wedding informiert. Alles weitgehend ruhig.
Auch als Polizisten einen aufmüpfigen Jungtürken am Kottbuser Tor in Gewahrsam nehmen und weitere Osmanen zur Stelle eilen, passiert nichts. Lediglich erfolgen einzelne Drohrufe auf beiden Seiten. Sekundenlang liegt eine nebulöse Spannung in der Luft. Damit findet die Szene aber auch schon ihr Ende. Der Jungtürke wird abgeführt und die umstehenden Altersgenossen widmen sich wieder ihrer Abendverabredung. Junge Frauen, rot-weiß geschmückt, suchen ihr männliches Pendant. Hippe Kreuzberger versuchen sich in orientalischen Tanzbewegungen. Die Oranienstraße gleicht einem großen "Ringelpietz mit Anfassen". Für Autos ist gegenwärtig kein Durchkommen. Überall stehen die Fußballfans trinkend, essend und bisweilen auch singend auf der Straße. Das türkische Restaurant Hasir platzt aus allen Nähten. Jeder ist hungrig und will noch etwas. Lammspieß, Ayran oder auch einfach nur Döner mit Becks.

